Netlabel Galerie
Mixotic.de

Das Netlabel Mixotic hieß früher mal Zerinnerung. Heute ist der Name Programm, denn das Label von DJ Q-Man ist auf Netaudio-Mixe spezialisiert: DJs stellen Musik, die unter einer Creative Commons Lizenz steht, zu einem Set zusammen, das dann kostenlos und legal weiterverteilt wird. Während diese Sets im Netz gerne gehört werden, hat ein Netaudio-DJ es außerhalb des Netzes noch schwer: „Reine Netaudio DJs sind in den Clubs vollkommen unbekannt“, sagt Labelchef und Netzaktivist DJ Q-Man. „Als ich Flyer für die letzte Mixotic-Party in Berlin verteilt habe, kannte fast niemand aus der dortigen Partyszene die Namen. Den meisten war noch nicht mal Netaudio ein Begriff.“
Anspieltipp: Oliver Günsel – Die langen Schatten meiner Ängste
PlainAudio.com

Drum’n’Bass-Labels, die auch oder nur im Netz veröffentlichen, gibt es mittlerweile viele. Aber nicht alle haben so hohe Standards wie PlainAudio aus Hamburg. Cycom, einer der fünf Labelmacher, berichtet: „Unsere Releases werden viel im Club aufgelegt und wir bekommen fast jeden Tag Feedback aus irgendeinem Winkel der Welt.“ Den Erfolg, glaubt Cycom, hat er vor allem seinen Künstlern zu verdanken: „Die meisten von ihnen veröffentlichen auch auf anderen Labels außerhalb des Netzes. Plainaudio.com ist mittlerweile Teil dieser Szene geworden.“ Trotzdem hört man auf dem Label nicht nur Drum’n’Bass-Musik, sondern auch ausgewählte Techno-Tracks. Die Idee hinter dem 2001 gegründeten Label war es schließlich, eine Brücke zwischen Drum’n’Bass und anderen elektronischen Musikstilen zu schlagen. Profit ist hingegen nicht so wichtig, glaubt man der Webseite.
Anspieltipp: Alpha Omega – Bad Karma
Broque.de

Das Netlabel Broque vertraut auf Synergie-Effekte. Unter der Federführung von Christian Kausch und Heiko Schwanz fährt das Techno-Label zweigleisig und veröffentlicht nicht nur freie MP3s im Netz, sondern auch Vinylschallplatten. Die Strategie scheint aufzugehen: „Durch das Konzept interessiert sich auch die Welt außerhalb des Netzes für unsere Musik – Menschen, die Eintritt zahlen, Musik weiterverwerten oder Berichte schreiben“, sagt Christian Kausch aka DJ Tend. Am Ende ist den Machern von Broque egal, in welchem Format ihre Stücke veröffentlicht werden. Ob Mp3 oder Vinyl – Hauptsache die Qualität stimmt und die Ideen sind frisch.
Anspieltipp: Volker Selzner – Lost It (Granlab Remix)
Stadtgruen (www.stadtgruenlabel.net)

Auch das deutsche Netlabel Stadtgruen fährt eine Doppelstrategie. Einerseits bietet es städtische Club-orientierte Musik, die forsch auf das Tanzbein zielt. Andererseits entdeckt man auf der grünen Wiese des Labels ruhige und experimentelle Klänge. Neben den hohen musikalischen Produktionsstandards kennzeichnet Stadtgruen ein eigenwilliges Design, das die zweite Leidenschaft der Betreiber Martin Donath und Axel Bergk widerspiegelt: die Fotografie.
Anspieltipp: Frank Biedermann – Wookiee Woods
2063music

»Bei einem Netlabel kann man die Arbeit auch mal ein bis zwei Jahre liegen lassen kann, und dann wieder nahtlos dort anknüpfen, wo man aufgehört hat«, erklärt Martin Wisniowski. Der Musikliebhaber ist einer der Pioniere der Szene. Im Jahr 1999 gründete er das Netlabel 2063music in Kaiserslautern. Während seiner gesamten Studienzeit veröffentlichte Wisniowski von dort aus Stücke im Netz, dann folgte eine künstlerische Pause. Nach einem Umzug nach Köln geht es jetzt weiter. 2063music wird weiterhin zeitlose experimentelle Musik weltweit zugänglich machen.
Anspieltipp: Phoenelai – Rebuilding The Structures
Subsource.de

Dirk Murschall aka [in]anace veröffentlichte 1999 seine erste Eigenkomposition im Netz. Teils aus Neugier, teils weil er selbst Teil einer Bewegung sein wollte, gründete er dann das Netlabel Subsource (subsource.de). Das mittlerweile eingestellte Label verfügt über einen besonders hohen Wiedererkennungswert. Orange-braune Farbtöne und ein experimenteller Sound zeichnen die unverwechselbare Corporate Identity aus.
Unter seinem DJ-Pseudonym veröffentlichte Murschall via Subsource die ersten Mixe, die nur aus freier Netaudio-Musik bestehen. Insider nennen ihn heute liebevoll den „Godfather of Netaudio-Mixing“. Leider beendete er 2006 die Arbeit an seinem Netlabel (ausführliches Statement).
Anspieltipp: Zen Savauge – »Inconnu«
Tokyo Dawn.com

Soul, Disco und HipHop sind die Eckpfeiler des altehrwürdigen Tokyo Dawn Netlabels. Marc Wallowy aka Prymer, der das Label mit Freunden gründete, ist tief in der Demoscene verwurzelt – eine Kunstform, bei der es darum geht, mit Programmen und Rechnern Echtzeit-Animationen zu gestalten. Tokyo Dawn löste sich jedoch schnell von der Computerszene, schließlich ging es hier nicht mehr um bildende Kunst, sondern in erster Linie um Musik. Von Anfang an förderte Tokyo Dawn die Zusammenarbeit seiner Künstler – egal welches Genre sie bedienten oder auf welchem Kontinent sie lebten. Musiker wie Comfort Fit und die us-amerikanischen Rapper Blaktronics produzierten zum Beispiel gemeinsam neue HipHop-Stücke per Datenaustausch und waren damit ihrer Zeit weit voraus.
Auch wenn Tokyo Dawn derzeit vor sich hinschlummert, wartet der gesamte bisherige Musikkatalog darauf, heruntergeladen zu werden.
Anspieltipp: Comfort Fit – Remember and Forget
Epsilonlab

Die Entstehunggeschichte von Epsilonlab ist für ein Netlabel ungewöhnlich. Denn bevor das kanadische Label dazu überging seine Veröffentlichungen ausschließlich über das Netz zu verteilen, vertrieb das Label die eigene Musik über herkömmliche Strukturen. Als Konsequenz verfügt das Label darum heute über eine solide lokale Basis in Montreal. Neben Musikern gehören auch Video-Künstler zum Kollektiv, das seine Wurzeln in der Montrealer Clubkultur hat. Als gemeinsames Projekt der Musiker und VJs erschien in Kooperation mit dem befreundeten Thinner-Label (www.thinner.cc) die DVD „Silence Is Presence“.
Anspieltipp: Paul Keeley – Rocky Mountain Funk