Freie und frische Netlabel-Dub-Sounds aus Leipzig
The Jah of 8-Bit-Chip-Dub-Digital-Laptop-Reggae-Music

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Nischen sind etwas wunderbares. Vor allem, wenn man sie als Star besetzt. Noch besser, wenn man sie selbst ins Leben ruft. Jan aka Disrupt aka Labelbetreiber von Jahtari.org ist der Star seines eigenen Genres. Das nennt er einfach: Digital Laptop Reggae und rollt von dort seine wuchtigen Subbässe aus und veredelt sie mit 8-Bit-Charme der alten Volkscomputertage.

Text: Moritz „mo.“ Sauer

Nerdtum ist schon etwas feines. Vor allem, wenn es melodiös, catchy und den Hörer direkt bei den Ohren packt. So geschah es mit Disrupts erstem Netlabel-Release, dass auf dem Dresdener Electronica Label Phonocake.org im Mai 2004 erschien. Überrascht und verzückt vom eigenen Erfolg, musste eine eigene Plattform her. Die taufte Jan gemeinsam mit seinem Kumpel Christoph dann schnell: Jahtari.org.

Kenne Deine Wurzeln

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Der Erfolg und die freundliche Aufnahme seiner Musik verschiedenster Lager beruht in erster Linie in der simplen, aber cleveren Idee, die Disrupts Musik zugrunde liegt. Die lautet schlicht: Schnapp Dir die Bassnoten eines geilen Riddims oder komponier selbst eins und verschmilz es mit Hit-Melodien der 8-Bit-Generation, die auf Monkey Island Kokosnüsse knackt, im Haus von Maniac Mansion wohnt oder wie Giana mit ihrer Schwester durch die Lande hüpft und nebenbei Ziegelmauern zerbröselt. Paradebeispiel gefällig? Spring ins Netz, navigier’ Deinen Browser auf Jahtari.org und hör Dir die Dub-Version von „International Karate“ an.

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Wie immer klingt das natürlich einfacher, als es in Wirklichkeit ist. Aber mit 30 Jahren hat Jan schon einiges an Musikkultur hinter sich gebracht. Von Gabba über Drum&Bass, von experimentellem Kram über Minimal-Techno ist der Leipziger nun seelig auf seiner Insel namens Dub angekommen. Auf der Reise in die Sonne wurde der Musikliebhaber nicht nur von den auf Jamaika lebenden Klassikern beflügelt, sondern tankte auch bei der Berliner Basic Channel Posse rund um Moritz von Oswaldt und Mark Ernestus heftigst Inspirationen – allen voran natürlich beim Rhythm&Sound-Projekt.

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Aber als Disrupt geht es Jan nicht darum in alten Mustern zu verharren, sondern dieses wunderbare Ding namens Dub-Reggae weiter zu entwickeln. Darum erfand er für sich selbst einfach die Definition „Digital Laptop Reggae“. Denn musiziert, wird ausschließlich per CPU, die mit Hilfe der großartigen Musik-Software Live von Ableton zum Glühen gebracht wird. Um den eigenen Klang mehr gen Richtung 8-Bit-Chipmusic zu tunen, greift der Musiker dabei vor allem auf feinste Freeware-Plugins zurück. Die werden laut Jan beinahe im Wochenrhythmus via Web veröffentlicht – siehe Links im Anhang. Kombiniert werden die Chipmusic-Tunes dann mit der Idee des Riddims.

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Ein Riddim ist hierbei so etwas wie der musikalische OpenSource Code des Dub, ein Instrumentalstück, das im Wesentlichen durch einen kurzen Basslauf über 1-4 Takte definiert wird. Riddims haben einen Originalursprung und werden von den unterschiedlichsten Künstlern immer und immer wieder genutzt, um daraus neue Songs zu generieren. Oftmals haben Riddims bereits zahlreiche „Mutationen“ hinter sich gebracht, so dass man meistens nicht einmal mehr den Ursprung beziehungsweise den eigentlichen Komponisten kennt. Bei der Verwendung eines Riddims handelt es sich aber in der Regel nicht um das einfache Kopieren eines bestehenden Stückes. Ähnlich wie HipHop- oder auch Drum&Bass-Produzenten aus klassischen Drumloops immer wieder neue Beats basteln, so nutzt Disrupt alte Riddims als Ausgangsmaterial und transformiert es zu etwas Neuem. Findet er jedoch nicht das passende Riddim, wird eben ein eigenes komponiert. So geschehen bei seinem Klassiker „International Karate“ – da passte einfach keines der bekannten.

Sound-Signatur

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Wunderbar an Disrupt-Releases, ob nun auf Phonocake, zu Hause auf Jahtari oder im kölschen Klüngel von iD.EOLOGY sind die melodischen Muster, der Hang zu Nostalgie und der Genuß alter Ohrwürmer. Genial einfach ist die Idee, Soundtracks alter C64er-Spiele aufleben zu lassen. Manche würden das als ein typisches Verhalten der fürhen Generation Spielecomputer bezeichnen, die gerne in alten Erinnerungen schwelgt. Für Jan ist es einfach die Liebe zu den ersten Komponisten der 8-Bit-Computer. Deren Songs sind oftmals zeitlos, haben ihren eigenen Klang und ihre eigene Kompositionsästhetik. Jan rollt diese eben einfach auf massiveren Bässen aus der Chipmusic-Nische.

Dabei sampelt Jan aber in den seltensten Fällen, wie er selbst feststellt. Wenn, dann nimmt er lediglich Gamesounds auf, wie zum Beispiel bei einem Musikstück seiner ›Drum Song‹ EP. Da wurde eine Runde ›Space Invaders‹ gezockt, diese aufgenommen und anschließend rhythmisch in den Track eingebaut. Die Melodien oder Melodiefetzen alter Computerspiele werden im Gegensatz dazu aber nachkomponiert und mit Hilfe von Plugins nachgestellt. Dass zeigt, dass die Jungs von Jahtari sich hierbei vor den alten Recken verneigen, sie aber nicht einfach nur kopieren. Wie relaxt und neu das klingt, zeigt sich spätestens mit dem kommenden Tribute-Album zur Computerspiel-Triologie von Monkey Island.

Disrupt, Bo Marley und das Space Echo

Auch wenn Jan mit seinem Disrupt-Projekt einen eigenen Trademark-Sound ins Leben gerufen hat, bedeutet das noch lange nicht, dass sämtliche der Jahtari-Künstler seinem Beispiel folgen sollen. Die oberste Direktive ist Spaß, Freaktum und die Liebe zu Reggae und Dub. Freaks sind zum Beispiel auch die Jahtari-Künstler Bo Marley.

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Bo Marley, das sind die Dänen Max, Benjamin, Kristian und Theis und Jans heissester Dub-Gaul im Stall. Denn Bo Marley fusionieren in ihren humoristischen Dub-Tracks deutsche oftmals dadaistisch anmutende Texte mit Live-Instrumenten, die die Posse dann entzückt durch ihr Space-Echo jagt. Am Ende entstehen dadurch einmalige Ohrwürmer, die einen nicht mehr loslassen und nach mehr Aufmerksamkeit dürsten.

Klasse, dass Jan gemeinsam mit den Bo Marley-Jungs jüngst das Werk „Bo Marley vs. Disrupt“ veröffentlicht haben. Das Konzeptalbum besteht hierbei aus kleinen aneinander gereihten Triologien, um einen jeweiligen Bo Marley Track. Eröffnet wird die jeweilige Triologie mit einem original-produzierten Module-Track auf den dann der eigentliche Bo Marley-Song folgt. Jan aka Disrupt rundet abschließend die Nummer mit einem eigenen Dub-Remix ab.

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Netaudio-Künstlern hocken Bo Marley nicht nur im eigenen Kämmerlein, sondern rocken gemeinsam mit Disrupt im Gepäck Festivals wie die Fusio oder das Elektronisk Jazzjuice Festival in Aarhus. Noch besser und unerwarteter gestalten sich aber spontane Live-Acts, wie der Live-Act im letzten Oktober. Da kutschierten Bo Marley mit ihrem Wohnmobil von Dänemark nach Leipzig, um in der Fußgängerzone dann einen Live-Gig samt Space Echo abzuliefern. Die Passanten waren nicht nur verdutzt, sondern standen offenen Mundes da. Komisch, die Gliedmaßen fingen von alleine an rhythmisch zum Dub-Sound der Dänen an zu wippen.

Die Zukunft für Jahtari sieht also rosig-bunt aus, Überraschungen sind garantiert und das Netlabel gehört zu einem der feinsten vor’m Herrn. Listen up!