Webradios befürchten drastische Erhöhungen der Kosten durch die GVL

Text: Moritz Sauer

Ab April fordert die die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungssschutzrechten (GVL), die ähnlich wie die Gema Ansprüche von Künstlern und Musikverlagen vertritt, von Webradios deutlich höhere Gebühren als bisher. Das trifft vor allem die kleinen Webradios mit wenigen Hörern, die eine Erhöhung der Kosten von 1000% befürchten. Fest steht, dass die Pauschale pro Jahr auf 500 € erhöht wurde. Außerdem schränkt die GVL in ihren neuen Nutzungsbedingungen die Programmgestaltung ein. So heißt es unter anderem: »Außer zu Illustrationszwecken dürfen die Namen der ausübenden Künstler, die im Programm gespielt werden, nicht im voraus genannt werden.«

Diese Maßnahmen sollen höchstwahrscheinlich dem sogenannten »Stream-Ripping« entgegenwirken. »Stream-Ripping« bedeutet hierbei, die automatische Aufnahme von Musikprogrammen per Software. Oftmals vermag diese Software die einzelnen Musikstücke auseinanderzuschneiden, um sie einzeln auf der Festplatte abzulegen. Mit der Software »air2mp3« funktioniert diese Art der Aufzeichnung mit Hilfe von Schnittmarken sogar ohne Internetzugang (siehe Artikel). Hierbei nimmt die Software UKW- und TV-Sendungen auf und extrahiert die Musikstücke und speichert sie einzeln ab.

Der Student Konstantin Heß und sein Kollege Varian Vega von infectedradio.com treiben die neue Bedingungen zur Weißglut. Sie haben ihr Webradio im April 2004 aus der Motivation gestartet, um »mit verschiedenen Menschen, an verschiedenen Orten etwas gemeinsam zu haben. Alle hören dasselbe, jedoch an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Situationen, sozusagen das Pendant zum Club-Gig.« Denn die Musik, die infectedradio.com spielt, wird von Techno und House-DJs zusammengemixt und bewegt sich fern der Top100. Eine getrennte Aufnahme der einzelnen Musikstücke ist somit nicht möglich.

Ihr Webradio finanzieren die beiden Studenten aus eigener Tasche. Um Ihr Webradio und die dahinterstehende Kultur am Leben zu erhalten überlegen sie auch einen Umzug: »Eine Variante bietet uns das Ausland, jedoch gibt es auch hier rechtliche Schwierigkeiten mit denen wir uns gerade vertraut machen.«

Hauptsächlich versuchen die neuen Bedingungen die Aufnahme von Top100-Songs so weit wie möglich zu verhindern. Das diese sowieso in den Heavy-Rotations der UKW-Radios laufen wird bei der GVL vergessen. Die kulturelle Vielfalt der Nischenradios, die ausschließlich im Internet realisiert werden können, wird hierbei geflissentlich übersehen und könnte für viele das Aus bedeuten.

Links:

www.infectedradio.com

www.gvl-protest.de

www.gvl.de