Phlow Magazin
Sin City (Robert Rodriguez, Mickey Rourke, Bruce Willis)

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Robert Rodriguez‹ (»Desperado«, »From Dusk Till Dawn«) neuesten Film »Sin City« einen Film Noir zu nennen wäre nicht falsch, greift aber zu kurz. Tatsächlich fällt es schwer, den Film mit anderen Werken zu vergleichen. Am Ende dieses Gedankenganges steht eines: die Erkenntnis, dass Sin City seinesgleichen sucht und das Zeug hat, wie Pulp Fiction ein Klassiker zu werden.

Text von Rene Schmidt

Oder aber wie Matrix der gelungene Auftakt unglücklicher Sequels. Sin City 2 und 3 sind bereits geplant.

[Bild nicht mehr verfügbar: ehemals http://phlow.net/arc/sincity-1.gif] Sin City ist die Verfilmung einer Comicreihe des gleichen Namens, die Anfang der 1990er erschienen ist. Die Sin-City-Kurzgeschichten des Autors Frank Miller handeln oft von Antihelden und -heldinnen, die in einer Welt beherrscht von Dunkelheit, Gewalt und Kriminalität leben und sich nach Liebe und Anerkennung sehnen. Der Film besteht aus drei der Kurzgeschichten. Sie sind lose miteinander verwoben und thematisieren nur eines: den Antihelden auf Rachefeldzug. Es macht recht wenig Sinn, hier zuviel von den Geschichten zu verraten - sie stehen (und dies ist meine ganz eigene, gewagte These) auch gar nicht so sehr im Vordergrund wie die Welt, in der sie spielen. Die Charaktere und die Art der Präsentation des Stoffs sind wie schon beim Comic das Faszinierende an Sin City.

[Bild nicht mehr verfügbar: ehemals http://phlow.net/arc/sincity-2.jpg] Comic und Film haben die sehr stark reduzierte Optik gemeinsam. Der Comic kommt fast komplett ohne Farben und Grautöne aus und auch der Film nutzt Farben nur zum Akzentuieren. Ansonsten ist der Film schwarz-weiß - ungewöhnlich für einen sogenannten »Block Buster«. Apropos Akzentuieren: besonders gern wird von Rodriguez das reichlich fließende Blut farblich betont. Der Film ist von einer sehr stark überzeichneten, bis ins Groteske reichenden Gewalt geprägt, wie es bereits in anderen Filmen des Gespanns Rodriguez/Tarantino zu sehen war. Die Szenen sind so sehr übertrieben, dass sie zum Großteil unrealistisch wirken und schon wieder komisch sind.

[Bild nicht mehr verfügbar: ehemals http://phlow.net/arc/sincity-3.jpg] Der Film selbst bedient sich visuell ausgiebig an Comic-Stilmitteln. Großaufnahmen der Protagonisten, starke Bilder und die reduzierte Optik lassen den Film wie einen bewegten Comic mit echten Schauspielern wirken. Sogar wenn Sin City einem bisher nicht gedruckt in die Finger gekommen ist, lassen einen fast alle Szenen automatisch an Comics denken.

[Bild nicht mehr verfügbar: ehemals http://phlow.net/arc/sincity-4.jpg] Scheinbar haben sich viele bekannte Schauspieler darum gerissen, im Film mitzuwirken, selbst wenn es nur einige Szenen zu drehen gab. »Herr-der-Ringe-Frodo« Elijah Wood hat genau 0 Zeilen Text. Neben Bruce Willis (Pulp Fiction) geben sich Jessica Alba (Dark Angel), Benicio Del Toro (Traffic), Michael Madsen (Kill Bill), Josh Hartnett (Black Hawk Down), Mickey Rourke (9 1/2 Wochen), Clive Owen (King Arthur), Nick Stahl (Terminator III) sowie Rutger Hauer (Blade Runner) und eine ganze Reihe weiterer bekannter Schauspieler die Klinke in die Hand. Sogar Sin-City-Autor Frank Miller hat eine kleine Szene und einige Zeilen Text.

Robert Rodriguez und »Gast-Regisseur« Quentin Tarantino haben sich wieder mal cineastisch austoben dürfen. Sin City ist ein Film geworden, an dem ganz offensichtlich alle ihren Spaß hatten. Das Ergebnis ist ein Film, der in die Kinogeschichte eingehen wird - unbedingt ansehen!

Text von Rene Schmidt, Lizenz Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung