Jazz House
Parov Stellar – Rough Cuts [Etage Noir]

Schon die Farbe und die Position des Künstlers auf dem Cover kündigt die leichte Schwere von »Rough Cuts« an. Parov Stellar präsentiert uns eine herbstliche Platte mit viel Melancholie, Traurigkeit und ein wenig selbstverliebter Schmerzigkeit. Dabei hüllt er uns und sich in gediegenen Downbeat-Jazz.

»Rough Cuts« ist eines der Alben, die man gerne in einem Rutsch durchhört. Es hat keine Längen, ist nicht übermäßig lang und schwingt gerne im Raum. Dabei komponiert der Künstler Downbeat-Songs, die ein wenig an die Stimmung des allseits beliebten Yonderboi-Albums erinnern. Aber auch ein klein wenig Sound-Experimente à la Herbert Matthew klickern im Hintergrund. Während sie hier eher Garnitur sind, um für ein wenig Abwechslung zu sorgen, wurden sie bei Herbert, z. B. auf »Bodily Functions«, in den Jazz-Kosmos integriert. Die kleine Stimmverfremdung der Sängerin Anita Riegler in »Sometimes« ist aber einmalig. Da wird der sanfte Gesang an einer Stelle kurz einmal in mehrere Stimmlagen gepitcht. Das ist lustig, lockert ein wenig und hört sich wie ein Minidialog der Sängerin an. Besonders schön ist natürlich das schon auf Phlow besprochene »KissKiss«, das Mr.-Scruff-like lustig daherhopst.

Auch wenn »Rough Cuts« manchmal ein wenig daddelig Jazz-Lounge-mäßig daherkommt und gerne noch ein wenig konkreter sein könnte in seinen Grooves und Melodien, so versucht hier jemand doch, Jazz in einen clubbigeren Rahmen zu pressen. Besonders gut ist Parov das bei »The Fusion« mit Peter Kreuzer am (denke ich) richtigen Piano gelungen. Hier spürt man, dass die Melodien von Hand eingespielt wurden. Dadurch entsteht Dynamik in Lautstärke und Variation, und der Track wurde nicht vollkommen totkomprimiert, wie das sonst bei Dance-Music leider meist der Fall ist. Schönes Album.