Musikkritik
Michl Bridge – The Drum Is My Heart And The Bass Is My Belly [Hippocamp]
Es tut mir leid, aber Hippocamp ist zur Zeit definitiv das aufregendste Netlabel weltweit. Für einen weiteren Orden an der Weste sorgen die exzellenten Drum&Bass-Tracks von Michl Bridge. Sollte der Titel seiner EP stimmen, so müsste er eine ziemliche Wampe haben.
Drum&Bass-Produzenten verirren sich viel zu oft in der bösen Dunkelheit irgendeines Bunkers. Oder man gleitet endlos über smoothe Weichkissen-Klangteppiche. Michl Bridge kümmern Vorgaben nicht, er belebt das Genre mit eigenen Ideen und kümmert sich einen Scheiß um etablierte Grenzen. Er hat Photek genauso inhaliert, wie zu LTJ Bukem & Co getanzt. Nur die Beat-Knüppler waren nicht unbedingt sein Fall, so scheint es.
Deshalb wirken seine Sounds und Ideen frisch mit nahrreichen Vitaminen und einem lebendigen Spaß. Angetan hat es mir vor allem seine Samplespielereien und sein Beat-Engineering. Letztere werden gefiltert, drehen sich um die Vocals und verharren nicht im festgezurrten Muster eines 2-Step-Beats, sondern bewegen sich kunstvoll zwischen Jungle-Frickelei und leichten Squarepusher-Anleihen, laufen aber auch genügend geradeaus, ohne einen hibbeligen Eindruck zu hinterlassen. Darum sind seine Musikstücke, die unter anderem auch durch ihre witzigen Samples einen eigenen Anstrich bekommen, auch tanzbar.
Der Brite experimentiert, hangelt sich am Groove entlang und verliert aber nie den Zusammenhang aus den Augen. Das einzige Manko ist das Mastering. Insgesamt hätten die Tracks ein wenig mehr Loudness verdient. Da muss der eine oder andere vielleicht noch einmal selbst Hand anlegen oder Traktor per Auto-Normalize das Ganze pushen lassen.
Trotzdem, Thumbs up, für die britische Insel und ein feddes Dankeschön für ein weiteres gelungenes Release.
Links
- Website: www.hippocamp.net