Musikkritik
Diverse – Kompakt 100

Cover Diverse – Kompakt 100
Cover Diverse – Kompakt 100
Schaut man auf die elektronische Deutschlandkarte, so befindet sich in der Kölner Bucht ein dicker roter Punkt. Daneben steht Kompakt. Das kölsche Export-Gut überstrahlt alle anderen Labels des Rheinlandes und hat sich in 10 Jahren weltweit auch als Vertrieb etabliert.

Man muss nicht Kompakt-Fan sein, um anzuerkennen, dass die Posse um Wolfgang Voigt, der von Anbeginn der kölschen Techno-Ära dabei war, Großes geleistet hat. Die Kölner haben es geschafft, einen eigenen Sound als Trademark zu etablieren. Spätestens wenn eine englische Plattenkritik den Sound eines Nicht-Kompakt’lers als »kompaktish« betitelt, ahnt man den Respekt, den sich die rheinischen Feierköpfe verdient haben.

Dass das Material Vinyl nach wie vor maßgeblich den eigenen Standpunkt sichert und stabil hält, ist da kein Geheimnis. Auch wenn CDs vertickt werden, so sind doch auch hier die Verkaufszahlen zurückgegangen. Aber während die Major-Labels ständig ihre Abteilungen kleiner hacken, steht die Kompakt-Mannschaft aufrecht. Denn die Gefolgschaft verdient ihr Geld mit Technoschallplatten, vermeintlich toter Musik auf einem noch toteren Medium Vinyl, wie viele Journalisten und Majors es immer wieder gerne betont haben.

Dass dem nicht so ist, und dass Techno nach wie vor ein sich stetig weiterentwickelndes Soundmedium ist, dass immer noch der Wunsch nach Party, Club und Open-Air-Tanzfestival besteht, davon zeugt auch die Doppel-CD-Compilation »Kompakt 100«. Die beginnt epochal mit einem symphonischen The-Orb-Remix eines Ulf-Lohmann-Tracks. Übrigens sind sämtliche 21 Tracks Remixe von Kompakt-Künstlern für Kompakt-Künstler. Daher ist die variable Breite von derben Technomonstern bis hin zu eloquenten House-Stompern breit.

Am großartigsten, nicht nur wegen seiner Trashigkeit, sondern vor allem weil er die Idee von Pop auf Kompakt am besten vertont, ist »Freiland/ Frei/ Hot Love« im Justus-Köhnke-feat.-Meloboy-Remix. Aus einem zuvor eigentlich stumpfen W.-Voigt-Track zaubert der Schlager-House-König einen feingezimmerten Pop-Song, der definitiven Karnevals-Mitgröhl-Charakter hat. Dazu wird der Track in keinster Weise verändert, sondern nur noch mit Gesang und ein paar Sounds überlagert. Fertich. Und dabei ist das Teil noch nicht einmal peinlich.

Insgesamt eine sehr gelungene Compilation mit ein paar Ausfällen, aber die gibt es so gut wie auf jeder Zusammenstellung.

PS: Wer mehr über das Kompakt-Imperium lesen möchte, sollte sich den Taz-Artikel »Auftrieb statt Apokalypse« zu Gemüte führen.