Buchkritik
Gates vor Gericht

Mit »Gates vor Gericht« erhält man fast schon einen Roman wie ihn John Grisham (»Die Firma«, »Der Regenmacher«) hätte schreiben wollen, nur das die Tatsachen, die der Journalist Ken Auletta zusammengetragen hat eben echt sind. Auf 430 Seiten widmet sich der Wälzer dem Gerichtskampf, den Microsoft gegen die Regierung führen musste und noch führt. Die Stärke des Buches liegt vor allem in den Charakterisierungen der einzelnen wichtigen Persönlichkeiten, die in den Verhandlungen auftauchen. Man merkt förmlich, wie Ken Auletta seine Hausaufgaben gemacht hat, wenn man die Biografien zu den führenden Juristen Microsofts oder des Anklage-Anwalts David Boies liest.

Während man das Buch studiert, lernt man recht schnell, dass nicht nur Microsoft seine Mitbewerber unterdrückt, bedrängt und aufkauft, sondern dass auch Giganten wie AOL oder AT&T die Muskeln spielen lassen, um den Markt für sich zu monopolisieren. Außerdem bekommt man eine Ahnung, wie weit verstrickt und wie vielfältig ein Mega-Konzern re(a)giert. Vielfach stockt einem schier der Atem angesichts der bewegten Summen, der Aufkäufe vieler kleiner Firmen und der Manipulation in Politik und Wirtschaft.

Auch wenn das Buch mit ca. 25 Euro deftig zu Buche schlägt bekommt man in dem gutstrukturierten Werk Informationen in Hülle und Fülle. Nicht zuletzt die Charakterisierung Bill Gates, den Auletta mehrmals gesprochen und interviewt hat, lässt einen schmunzeln und grübeln. (Moritz Sauer)