Musik-Streaming: »Wer braucht denn noch Musik aus der Dose?«
Wer einen Musik-Streaming wie z.B. Napster, Spotify, Deezer, Google Music oder Wimp nutzt, der wählt wo er auch ist Musik aus einer zweistelligen Millionen-Song-Musikbibliothek aus. Ob per iPhone am Strand, auf der nächsten Party über den Rechner von Freunden oder in den eigenen vier Wänden. Musik-Streaming funktioniert heute on- wie offline. Man muss nicht »drin« sein, um hohe Bitraten von um die 320 kbps zu oder sogar verlustlos komprimierte Musik zu genießen. Und teuer ist es auch nicht.
Mir ist bewusst, dass ich hier in einem Magazin für audiophile Musikliebhaber schreibe. Aber egal, ob ich es schaffe, Sie auf Musik-Streaming neugierig zu machen oder nicht, eines haben wir zu Anfang und am Ende dieses Artikels gemeinsam: Wir lieben Musik. Auch mir geht es »nur« darum gute Musik zu hören, zu entdecken und zu genießen. Und in meinen Augen erfüllt kein Service diese Wünsche derzeit so gut wie das aus Schweden stammende Spotify.
Wie? Wo? Wieviel?
Wie und wo hört man heute Musik per Streaming? Eigentlich überall und eigentlich auch mit jedem Gerät, das man sich wünscht. Ob auf iOS-Geräten wie iPhone oder iPad. Ob auf Android Smartphones oder Tablets. Ob auf Windows- oder Mac-Rechnern. Ob Online oder Offline. Grenzen setzen nur der Strombedarf und der eigene mobile Flatrate-Tarif. Obendrein erlauben Musik-Streaming-Services im Schnitt mindestens drei Geräte über die man streamen darf – auch offline. Dafür reduziert sich die Nutzung jeweils auf ein Gerät, dass streamen darf.
Und vielleicht denken Sie jetzt, dass das »Wieviel an Qualität« der Knackpunkt sei: Aber auch hier lösen sich langsam die Grenzen auf. Eine Auflösung von 320kbps gehört bei fast allen großen Anbietern zum guten Ton. Die Anbieter Wimp und Qobuz preschen in diesem Feld sogar mit einer verlustlosen 700 kbps FLAC- und auf Apple-Geräten Apple Lossless-Variante vor. Hier ächzt dann nur noch die mobile Flatrate.
Bleibt nur noch das Kriterium Preis. Das schwankt zwischen schlappen 5€ bis 10€ pro Monat und erhöht sich nur bei Anbietern wie Qobuz und Wimp auf 20€ für die Hifi-Variante des verlustlosen Streamings. Aber es gibt z.B. bei Spotify auch noch die »Freemium«-Variante. Hier probiert man Musik-Streaming 30 Tage kostenlos und wird ab und zu von Werbepausen genervt.
Vernetzte musikalische Entdeckungsreise
Das größte Potential eines digital vernetzten Musik-Streaming-Dienst ist die Möglichkeit für Nutzer neue Musik zu entdecken. Das wissen auch die Köpfe hinter Spotify und kauften im März The Echo Nest, um durch die Auswertung von Nutzerdaten noch bessere Musikvorschläge zu generieren. Während andere Anbieter auch auf redaktionell betreute Playlists und Vorschläge setzen, bietet Spotify Entdeckungsreisen über vorgefertigte Musikkanäle, für die man sich noch ein wenig mehr Tiefe beziehungsweise Nische wünschen würde und Apps von Drittanbietern. Drittanbietern offeriert der schwedische Service Drittanbietern nämlich eine Schnittstelle über welche Programmierer Zugang zu den Daten erhalten und kleine Apps für Spotify produzieren können.
Bild: app.png Titel: Lust auf Oldies? Die Spotify-App Jukebox öffnet die Schatulle mit Klassikern
Solche Apps reichen von simplen sich selbst aktualisierenden Billboard Top Charts über personalisierte Empfehlungen basierend auf bereits gehörter Musik bis hin zu einer App, wie Sounddrop über welche man mit Freunden an verschiedenen Orten die gleiche Musik hört.
Musik-Exhibitionismus der Generation #Selfie
Viel spannender als Apps ist aber die aktive Teilnahme. So ist es z.B. ein Leichtes seinen Lieblingskünstlern auf den Versen zu bleiben. Man folgt Ihnen einfach, indem man auf die passende »Folgen«-Schaltfläche im Künstlerprofil klickt. Erscheint neues Material des Künstlers, informiert der Service einen umgehend. Leider fehlt diese Möglichkeit derzeit noch für Labels.
Um Einiges faszinierender gestaltet sich das Wildern in Playlisten von Freunden. Dank der Facebook-Vernetzung – und je nach Grad der offenherzigen Einstellungen der Freunde – stöbert und klickt man sich durch angelegte Playlists und favorisierte Musik. Hierbei lassen sich Playlists von Freunden auch abonnieren und sogar gemeinsam mit Titeln befüllen. Ist man besonders mitteilungsbedürftig, darf man seine Playlist auch gleich mit dem gesamten 24 Millionen Nutzer-Kosmos teilen. Probieren Sie doch mal meine groovige Mischung aus Jazz, House, Klassik und elektronischer Musik. Dank des Webplayers genießen Sie die Playlist auch direkt über meiner Website ;)
Doch die Vernetzung ist mittlerweile so Total, dass auf Wunsch im eigenen Facebook-Profil ein Echtzeitticker erscheint, der aktuell gespielte Titel, Top-Titel oder Lieblingsplaylists anzeigt. Einfacher funktioniert das jedoch innerhalb der Desktop-Software, die auch anzeigt, was Freunde gerade so hören.
Mehr als Musik
Glücklicherweise bleibt es jedoch nicht nur beim Hörgenuss. Wie iTunes hat auch Spotify die große Datenbank von All Music Guide integriert. Handelt es sich bei einem Künstler nicht nur um einen absoluten Nischenheld, dann verfügt sein Profil sicherlich auch über eine Biografie mit weiterführenden Informationen. Neben dem Musikgenuss vertieft man somit auch sein Wissen, um neue Genres, Querverbindungen zu anderen Musikern und einem tieferen Einblick in das künstlerische Schaffen.
Ein paar Mängel gibt es doch
Zum Glück hat Spotify seinen größten Makel abgeschafft. Denn zu Anfang durfte nur derjenige Musik mit Spotify hören, der auch über ein Facebook-Konto verfügte. Mittlerweile darf man Musik auch ohne Facebook-Verbindung genießen, nur nervt dann noch der eigene Benutzername, der sich auf eine vorgegebene Zahl/ID von Spotify begrenzt.
Außerdem wird es Musikliebhaber ärgern, dass man – sucht man z.B. einen großen Komponisten wie Michel Legrand – unweigerlich über schnell zusammengeschmissene Compilations mit hässlichem Cover stolpert. Die großartigen Aufnahmen herauszufiltern benötigt dann ein wenig Recherchearbeit bzw. Vorwissen.
Blick in die Zukunft
Zum Schluss bleibt noch die Frage, ob sich Musik-Streaming bei solchen Preisen halten kann und ob Musik-Streaming nicht ein weiterer Sargnagel für Künstler ist. Ich glaube nicht, denn Musik-Streaming ist genial. Vor allem genial bequem. Und der Mensch liebt einmal Bequemlichkeit. Während Walkman und tragbare CD-Player vom iPod abgelöst wurden, erscheint mir Musik-Streaming als die finale Endlösung. Warum muss ich Musik im klassischen Sinn »besitzen«, wenn Sie überall aus den Wolken in mein Lieblingsgerät übertragen wird? Und demnächst womöglich auch noch in CD-Qualität.
Auch muss ich mir Musik nicht mehr illegal organisieren, geschweige denn CDs digitalisieren, um Sie auf mein Smartphone zu übertragen. Auch den Künstler wird es nicht umbringen. Die meisten schlingerten schon immer mehr recht als schlecht durchs Leben. Dazu reicht ein Blick in eine Autobiografie wie z.B. die von Miles Davis. Und nimmt das Musik-Streaming mit zahlenden Kunden flächendeckend weiter zu, werden wohl auch die Musikeinnahmen größer und gerechter verteilt, als es die GEMA jemals schaffen wird. (Moritz »mo.« Sauer)
Anmerkung: Fun Facts vielleicht als Infokasten
- 2013 erweiterte Spotify das Repertoire täglich um 20.000 Songs
- Musik von Spotify hören die Nutzer zu…
- … 17% im Auto.
- … 42% zu Hause.
- … 23% auf der Arbeit.
- … 22% im Fitnessstudio.
- … 14% in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Quelle Spotify
Quelle econsultancy.com