Netlabels: Digitale Architekturen für den Musikvertrieb

Netlabels gelten als Vorreiter im post-modernen Musikgeschäft. Mit hippem Cover-Design im Flash-Format und hochmoderner Informationsarchitektur adaptieren und nutzen sie immer wieder den neuesten Stand der Technik für Musiker. Im technologischen Wettlauf heben sie sich somit kontinuierlich von etablierten Formen des „Music-Bizniz“ ab.

Text: Moritz „mo.“ Sauer

Netlabels wurzeln tief in der frühen digitalen Kultur, mit welcher die ersten Computer-Kids aufwuchsen. Als „early adopters“, die den Computer nicht nur als Spielemaschine nutzten, machten zahlreiche junge Menschen erste musikalische Schritte auf ihrem Heimcomputer. Musiziert wurde insbesondere auf dem Commodore Amiga oder dem Atari ST mit so genannten Tracker-Programmen. Diese Musikprogramme speicherten das jeweilige Musikstück als Module-Datei mitsamt seiner Sequenzerdaten und Musiksamples ab. Dadurch liessen sich Musikstücke leicht tauschen und sammeln, da alle wichtigen Daten für das Abspielen der Songs im Format eingekapselt vorlagen.

Liebhaber dieser Musiksubkultur sammelten diese elektronische Musik und veröffentlichten sie mit der Entstehung des Internets auf extra gebauten Webseiten. Der erste Schritt hin zu einer neuen Architektur des Musikvertriebes im Internet war getan.

Doch erst das MP3-Format ermöglichte den Austausch jeder Art von Musik. Schließlich konnten zuvor lediglich Module-Dateien getauscht werden. Mit dem Frauenhofer Algorithmus erschloss sich endlich die gesamte Musikwelt den Netlabels. Die digitale Online-Vitrine bot nun Platz für alle Musikstile und jede Art von Künstler von Pop über Rock bis hin zu Techno.

Auch heute noch gehören erfolgreiche Netlabels zur Avantgarde im Musikgeschäft. Diese Tatsache realisieren zunehmend auch die „normalen“ Labels. Mit ihrer digitalen Architektur adaptierten Netlabels immer wieder die neuesten Formen für den Musikvertrieb. Kein Wunder also, dass die sensible Speerspitze der Netlabels als allererste die Podcast-Technik für Musik-Abonnements nutzte. Die technikaffinen Betreiber mit ihrer eigenwilligen DIY-Mentalität (DIY=Do It Yourself) konstruieren früh neue Formen des Musikvertriebes auf hohem Niveau. Hochwertiges Webdesign sowie moderne Cover-Grafiken im Flash-Format entdecken Musikliebhaber zuerst bei den Netlabels. Erst Monate oder Jahre später kopieren altgediente Indie- und Major-Labels die bereits etablierten technischen Architekturen für den modernen Musikvertrieb.

Bilder-Download für den Artikel

http://www.klick-konzept.de/download/

http://www.klick-konzept.de/download/netlabel-galerie.zip

Netlabels to start with…

Experimental: www.subsource.de

Reggae: www.jahtari.org

IDM: www.monotonik.com

Different Electronic Styles: www.ideology.de

Drum’n’Bass: www.plainaudio.com

Techno & House: www.epsilonlab.com

Quellen und Musik-Downloads

http://www.archive.org/details/netlabels

http://netlabels.org

http://de.scene.org/pub/music/groups/ Free MP3-Netaudio Mixes to listen to…

Netaudio Tape Vol.1 | www.archive.org/details/phlow_mix_001

Ambient Architextures 2 | www.archive.org/details/phlow_mix_002

Elliptic - Digital Drive | www.ideology.de/archives/audio000109.php