Bericht
Wikimania: Das virtuelle Klassenzimmer
Mein erstes Seminar als Dozent für den Bereich Journalismus fand in Karlsruhe statt. Ziel des Seminars war es auf der einen Seite die Studierenden mit Arbeitsweisen und Textformaten des journalistischen Arbeitens vertraut zu machen, um mit ihnen im nächsten Schritt gemeinsam ein Magazin zu konzipieren. Anvisiert wurde ein Hochschulmagazin, welches mindestens ein halbes Jahr jeweils einmal im Monat erscheinen sollte. Als Vorlage diente ein bereits erschienenes Heft namens RegionalWeb.TV. Dieses war zuvor nicht nur als PDF-Download über die Website des Hochschuls-TV-Senders publiziert worden, sondern lag auch in gedruckter Form in einer Auflage von 100.000 Exemplaren dem Karlsruher Magazin Fritz bei.
Überlegungen und Fragen im Vorfeld
Im Vorfeld stellten sich mir bereits mehrere Fragen aufgrund des Konzeptes „Kompaktseminar“: Wie sollte ich von Köln aus die Studierenden nach dem Kompaktseminar weiter betreuen? Welche Möglichkeiten würden mir die Räumlichkeiten bieten, um den Kulturwissenschaftlern und Germanistik-Studenten die journalistischen Arbeitsweisen näher zubringen?
Als Journalist, der hauptsächlich im Bereich IT-Journalismus arbeitet, wollte ich den Studierenden meine eigene Arbeitsweise näher bringen. Dazu gehörten Fachgebiete wie Online-Recherche als auch die Einleitung in die verschiedenen journalistischen Textformate. Die Ausstattung, die sich mir im HIT-Studio bot, war schlicht phänomenal und toppten meine Erwartungen. Aufgebaut und geleitet von Prof. Jürgen Walter, habe ich selten zuvor eine solch hochwertige Ausstattung in einer Hochschule gesehen. Der perfekt angeordnete Arbeitsraum glänzte mit Laptops der jüngsten Generation. Sämtliche Rechner sind im HIT-Studio mittels WLAN vernetzt. Außerdem läuft auf sämtlichen Rechnern exzellente und neuwertige professionelle Software, die zu keiner Zeit Probleme bereitete. Vorne am Pult ermöglichte ein weiterer Laptop die Projektion von Webseiten, Präsentationen und weiteren digitalen Inhalten.
Schnell, schnell und bitte unkompliziert!
Als Technikliebhaber und Fan der zahlreichen Möglichkeiten, die das Publizieren im Internet einfach gestalten, entschied ich mich bereits im Vorfeld für den Einsatz eines Wikis. Die besten Erfahrungen habe ich dabei in den vergangenen Jahren mit der Open Source-Software Mediawiki gesammelt, die für die Wikipedia kontinuierlich weiterentwickelt wird. Im Einsatz für den Unterricht war das Werkzeug für mich jedoch ein Novum und ich hatte keine Ahnung wie gut, schnell und unkompliziert sich der Einsatz des Mediawikis entwickeln würde. Schließlich wusste ich nichts von den außergewöhnlichen technischen Bedingungen des HIT-Studios.
Virtuelle Realität: Eine Redaktion aus Nullen und Einsen
Von Anfang an gestaltete sich die Arbeit mit dem Wiki einfach, unkompliziert und schnell. Übungen wurden direkt in das Wiki eingegeben. Zu den praktischen Übungen gehörte das Redigieren von Texten, das Schreiben einer ersten News oder das Zusammenkürzen von Textbausteinen. Da sämtliche Rechner im Netz waren, konnten die Ergebnisse vorne über den Beamer auf die Leinwand geworfen werden. Diese Vorgehensweise ermöglichte die Diskussion von Lösungen, Vorschlägen und Ideen.
Im späteren Verlauf des Seminars entpuppte sich das Wiki unter anderem auch als exzellentes Planungswerkzeug. Ergebnisse, Wünsche und Ideen für das Layout wurden genauso in das Wiki gehackt, wie später mögliche Themenverschwerpunkte der kommenden Ausgaben.
Da jeder Benutzer im Wiki über ein eigenes Konto verfügt, können sich Benutzer schnell auf Übersichtsseiten zu Teams zusammenschließen. Da jeder Benutzer des Systems ein eigenes Bild sowie Kontaktdaten auf seiner Benutzerseite hinterlegt, eignet sich das Wiki auch als Nachschlagewerkzeug, um die jeweiligen Teamleiter auch über (Hand)Telefon beziehungsweise Email zu kontaktieren.
Nicht zu unterschätzen ist das Wiki auch beim Sammeln von Daten. Da sämtliche Übungen und Ideen direkt eingegeben werden, gehen die Daten nicht verloren – wenn der Server nicht schlapp macht. Dadurch stehen Artikel, Korrekturen und Daten jederzeit den anderen Mitwirkenden zur Verfügung. Lerneffekte und das Nachschlagen vergangener Artikelversionen ermöglicht das Wiki genauso, wie das…
Sammeln für die ersten Ausgabe
Wer sich ein wenig in die Benutzerführung und Konfiguration des Mediawikis einliest, dem ermöglicht das System das leichte Zuschneiden der Funktionen auf die jeweiligen Gegebenheiten. Neben der unkomplizierten einfachen Installation kann das Wiki über zwei Konfigurationsdateien optimiert und angepasst werden. So hatte ich im ersten Schritt den Upload von Dateien ausgestellt – aus Sicherheitsgründen. Mittlerweile ist der Bilder-Upload jedoch erlaubt, da dadurch das Hochladen und Verwalten von Bildern für die jeweiligen Ausgaben möglich ist und die Dateien mit neuen Artikel verbunden werden können. Dadurch können im Wiki nicht nur Texte, sondern auch die Bilder für die Layouter zentral gesammelt werden, um Texte und Bilder in einem letzten Schritt für das Magazin in Indesign zusammenzusetzen.
Da die Hemmschwelle für das Arbeiten mit Hilfe des Wikis äußerst gering ist, sind Lernerfolge relativ schnell möglich. Mit der kontinuierlichen Arbeit mittels der Wiki-Funktionen arbeiten sich die Studierenden mittlerweile immer tiefer in die Wiki-Materie ein. Texte werden nicht nur eingegeben, sondern auch redigiert, diskutiert, verlinkt, kommentiert und verbessert. Als Dozent ermöglicht mir die Spezialseite „Letzte Änderungen“ den Überblick über sämtliche Änderungen. So bleibe ich im vier Stunden entfernten Köln am Ball des Geschehens und kann beobachten wie die Studierenden das Magazin konstant weiterentwickeln – mitwirken inbegriffen. Mittlerweile erschien die erste Ausgabe, die es natürlich auch als PDF-Download gibt. Außerdem betreut einer der Studenten obendrein ein Weblog mittels WordPress unter http://kampus.extrahertz.de. Auch dort findet man die Artikel samt Bilder.
Website: kampus.extrahertz.de