Interview mit Markus Koller

Seit wann Podcastest Du und was treibt hat Dich angetrieben einen eigenen Podcast ins Leben zu rufen?

Seit Ende 2004 dröhnt unsere kleine Radiostation im Internet. Angestossen durch einen Artikel auf phlow.net bin ich in die Materie eingetaucht. Tauchen, Musik und Internet haben mich gepackt.

Welche Technik kommt bei der Aufnahme Eures Podcasts „Top Of The Pods“ zum Einsatz?

Keep it simpel ist unser Motto. Wir haben in unseren Mottenkisten gewühlt und zum Vorschein kam ein altes EV Mikrofon, ein AKG K240 Kopfhörer, eine 100 Euro Novation Speedio Soundkarte, dazu    eine Handvoll Open Source Software: Audacity taugt dazu.

Wenig später haben wir uns ein cheapes t-bone Grossmembranmikrofon gekauft und bemerkt, dass uns der schallgedämpfte Raum und der Popschutz fehlt. Unter der Bettdecke ist es recht kuschlig und ordentlich gedämpft, ein Thermosocken dient uns als Popschutz. Cubase SE3 für 150 Euro machte die Produktion einiges komfortabler.

Worauf sollten neue Podcaster bei der Produktion Ihres ersten Podcasts drauf achten?

Wichtig finde ich ein geeignetes Thema: Der Gartenzwergefreund sollte über die Liberale Gartenzwergebefreiungsfront berichten, der Wurmafficianado über den vom Aussterben bedrohten blinden Höhlenbandwurm. Um zu experimentieren würde ich nicht zuviel Geld aufwenden, billiges Mikro, kostenlose Software und dann seine Freunde damit nerven: “Hey, ich hab jetzt auch einen Podcast”, das ist wie “Ich bin jetzt auch im Internet und habe eine Email Adresse”.

Es gibt unglaublich viele Tipps wie ein Podcast aufgebaut sein sollte: Intro Jingle, Begrüssung mit Kurzüberbllick, Thema, Bumper, Thema, Musik, Vorschau auf die nächste Sendung, Verabschiedung, Outro Jingle. Als Grobraster ist dies durchaus brauchbar, aber eigentlich mag ich diese    Schemen nicht.

Benutzt Du Hardware oder Plugins, um Deinen eigenen Sound zu verbessern?

Wir benutzen die Standard Equalizer und Kompressor/Limiter Plugins von Cubase. Meistens viel zu viel, bis alles nur noch brutal basslastig klingt.

Wie lange brauchen Ozzy und Du für die Produktion einer Podcast-Radio-Sendung?

Für eine Stunde Podcast Produktion benötigen wir acht Stunden. Dies fängt meist mit einem Brainstorming zu Themen an, geht über zur Musikauswahl und hört beim Blogeintrag auf. Ich denke jedesmal das müsste doch schneller gehen, aber seit ich weiss, dass ein Radio Journalist für 2,5 Minuten Sendezeit acht Stunden Produktionszeit braucht, bin ich beruhigt.

Was für ein Potential steckt Deiner Meinung nach noch im Thema Podcast? Gibt es noch Möglichkeiten, die Technik weiter auszureizen und wie siehst Du die zukünftige Entwicklung?

Podcast gibt mehr Menschen als zuvor die Möglichkeit, sich mit Medien auseinanderzusetzen und damit Erfahrungen zu sammeln. Kids schnappen sich ein Mikrofon, blöcken was ins Netz und erreichen damit zehn Zuhörer. Fantastisch. Früher hätte sie der Lehrer dazu prügeln müssen, heute machen sie es freiwillig und mit Freude. Hier steckt das wahre Potential von Podcast.

Für die Produktemanager ist es ein weiter Kanal, ihre Sendungen Zweitzuverwerten.

Mainstream Medien sehen in Podcasts eine Contentmaschine: Die Podcaster produzieren beinahe kostenlos und freuen sich erst noch, wenn ihre Produktion im Radio gesendet wird. Der Zuhörer wird zudem aktiv als Produzent eingebunden, er wird zum Prosument.

Werbeagenturen mögen Podcasts, weil sie so echt und glaubwürdig daherkommen und Nischengruppen gezielt erreicht werden können.

Sicherlich interessiert viele Leser, ob man mit Podcasting Geld verdienen kann. Siehst Du da Möglichkeiten und wenn ja, wie muss man als Podcaster vorgehen, um an solche Töpfe heranzukommen?

Wer mit Podcasting Geld verdienen möchte, benötigt vor dem Podcast erst mal ein Konzept. Inhalte definieren, Zielgruppen definieren, Sponsoren oder Förderer die diese Zielgruppe erreichen möchten ausfindig machen, Verträge aushandeln und los gehts. Der Gartenzwergepodcast klopft an beim Gartenzwergehersteller, dieser schaltet Werbung oder bezahlt die Produktionskosten. Der Kulturpodcast berichtet über kulturelle Entwicklung und schreibt seitenlange Förderungsanträge an Kulturinstitutionen. Eine andere Möglichkeit besteht im Aufbau einer vertrauenswürdigen Online Personality, welche die Leute fasziniert. Noch besser: Man kauft Apple oder einen TV Sender und verbucht die Kosten als Werbeausgaben oder man lässt sich von Podcast Promotoren als Evangelist anstellen und behauptet felsenfest, dies sei die Zukunft. Man sollte sich nicht zuviel Geld davon versprechen, Podcasts gibts wie Sand am Meer, Businessmodelle auch, aber keines wirft bis jetzt richtig Geld ab.

http://www.audacity.de/

http://www.flnjfrance.com/ Liberale Gartenzwergebefreiungsfront

http://starfrosch.ch/blog/top_of_the_pods/ Top Of The Pods

http://phobos.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewPodcast?id=141860679&s=143459 Top Of The Pods iTunes