Phlow Magazin
Medieninstallation: Öffentliche Beichtgespräche im Podcast-Abo

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Nachdem uns jüngst die Pornoindustrie das Herz mit tragischem PodPorn und Whorecasts benebelte, lichtet sich nun der Schatten des Grauen und es darf über die eigenen Laster gebeichtet werden. Dazu schredderte der Medienkünstler Gerhard Schwoiger einen Beichtstuhl und baute daraus eine ganz eigenwillige Installation. Willkommen beim Redesign der Religion.

Bevor Ihr weiterlest, solltet Ihr als allererstes Mal das folgende Beicht-MP3 anhören. Das hat uns in der Phlow-Redaktion dermaßen das Herz durchgerüttelt, dass Diana erst einmal den Aufnehmer holen musste. Ehrlich, wir hatten dicke rollende Tränen auf den Backen. Aufgehört!

Life After God

Wie wichtig ist die heutige Kirche? Ist Kirche nur ein Machtapparat? Muss gebeichtet werden? Wenn ja, macht Beichte Sinn? Fragen, die das Experiment von Gerhard Schwoiger aufwerfen möchte. Erstaunlich bei den anzuhörenden Beiträgen ist die oft gehört Aussage: »Das ich so faul bin.« Einem Inder käme dieses Statement wohl nicht in den Sinn. Faul sein, ist das eine Sünde? Wohl hauptsächlich in unser produktionsorientierten westlichen Welt. Woanders sitzen die Menschen gerne auf der Straße, genießen das Leben oder warten einfach ab bis der Magen knurrt.

Das Beichtgitter - als einziges Element im Originalzustand belassen - schwebt zusammen mit einem Mikrofon im hinteren Bereich des Raumes über dem Boden. Wird auf das darunterliegende Bodenkissen niedergekniet, fordert eine Frauenstimme zur Beichte auf. Für den Bekennenden wird es so möglich ein anonymes Geständnis an die Öffentlichkeit abzugeben.

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Erstaunlich auch, wie wenig die »Beichtenden« von der Kirche und den alten Ritualen überhaupt noch zu wissen scheinen. Was gebeichtet wird, hat lange nichts mit der wirklichen Beichte zu tun. Aber auch das können wir eigentlich nicht wirklich wissen, da man selbst kein Priester war oder ist, und somit nie etwas anderes als die eigene Beichte gehört hat. Der Künstler jedenfalls definiert Beichte neu, hebt sie in die Öffentlichkeit, indem er sie technologisiert. Dabei ist der Sinn der Beichte nicht nur ein Machtausüben, sondern auch als Gespräch und Hilfesuche gedacht. Beichte ist nicht nur ein Instrument zu knechten, sondern in erster Linie eine Möglichkeit mit einem Menschen ein Gespräch zu suchen, der wie ein Psychologe, nichts über das Gespräch und die inneren Zerwürfnisse an die Öffentlichkeit dringen lässt. Ein interessantes Experiment auf alle Fälle, wer richtet denn nun?!? Soll gerichtet werden… Schaut’s Euch an und entscheidet selbst.

Website: www.rereligion.com