Netaudio MusicPlayer: Weapon of Choice for smart Audiostreaming

Geht es um Inhalte im Web, lautet die Devise „Keep it minimal“. Plugins, Addons und ähnlicher Crap braucht in der Regel kein Mensch. Das einzige sinnige Plugin ist Flash – aber bitte nur für Video- und Audiostreaming. Für letzteres entwickelte jüngst Fabien Schivre die beiden Flash-Applikationen Netaudio Musicplayer und Simplay. Beide Spielzeuge lassen sich frei ohne jede Kenntnis der Flash-Technik gestalten. Externe XML-Dateien und JPG-Bilder machen es möglich.

Text: mo.

Wenn es um Webdesign geht, das Inhalte (Bilder und Text) darstellen und vermitteln soll, bin ich furchtbar altmodisch. Dann lauten meine Waffen schlicht webstandardkonformes XHTML plus CSS. Javascript setze ich dabei so selten wie möglich ein. Selbstverständlich sollte die Website auch ohne Javascript vollkommen funktionstüchtig sein – töftes AJAX hin oder her…

Die Webtechnologie Flash ist hierbei definitiv fehl am Platze, weil in der Regel Texte nicht skalierbar sind, Flash lange nicht in allen Browsern funktioniert und Menschen mit Behinderungen in der Regel ausperrt. Dreht sich der Wunsch jedoch darum, multimediale Inhalte zu präsentieren, allen voran Musik, ey, dann gräbt Flash allen anderen Werkzeugen das Wasser ab. Obendrein ist das siebte Flash-Kind, von Mutti Macromedia und Papa Adobe endlich erwachsen und hat auch schon einen Bruder Flash 8.

Denn seien wir ehrlich: es nervt einfach, erst stundenlang auf den Real-, Windows- oder Sonstwas-Player zu warten, bevor der eigentliche Sound-Stream startet. Außerdem habe ich wirklich keine Lust mein System mit so einem Werkzeug zu verwanzen. Schon mal versucht den Real Player von der Festplatte zu putzen?!? Und damit das mit Flash-Streaming für die eigene Website klappt, programmierte jüngst Fabien Schrivre zwei äußerst hilfreiche Werkzeuge, die selbst Menschen nutzen können, die von Flash keinen Plan haben.

Brothers in arms: Simplay und Netaudio MusicPlayer

Fabien Schivre ist der Chefdenker, wenn es sich um den Website-Auftritt des Labels TokyoDawn.com handelt. Die Website wurde unter seinen Händen schon dreimal als beste Musik-Website bei den Online Music Awards der PopKomm nominiert. Neben der Flash-Programmierung ist er auch maßgeblich für das Mastering und Abmischen der Songs auf TokyoDawn.com verantwortlich. Für das Tuning der Songs setzt Fabien dabei selbstentwickelte Plugins für das Musik-Engineering im Highend-Bereich ein.

Wenn es um Flash geht, dann sieht sich Fabien selbst eher auf der Seite der Programmierer und nicht Gestalter. Dabei ist die Selbstbescheidenheit jedoch fehl am Platze, da der Schwabe neben exzellenten Programmierfähigkeiten auch ein Händchen für smooth-designte Navigationselemente und Websites generell hat. In den Fokus seiner gestalterischen als auch programmiertechnischen Fähigkeiten ist in den letzten Jahren vor allem der Mensch gerückt. Schließlich soll dieser mit Hilfe einer durchdachten Benutzerfreundlichkeit die Werkzeuge und Websites benutzen, die Fabien in Flash realisiert, ob für die Post, Lamborghini oder halt Tokyo Dawn.

Genau unter diesen Gesichtspunkten wurden die beiden Flash-Applikationen Simplay und der Netaudio MusicPlayer programmiert und entworfen. Ziel dabei ist nach Fabien “einen möglichst flexiblen Internet-Audioplayer zu erstellen, mit dem sich ohne besondere Vorkenntnisse eine Musikvorhör- und Musikdownload-Funktion in eine übliche HTML-Webseite elegant einbinden lässt. Die derzeit im Internet frei verfügbaren Lösungen lassen sich in der Regel nicht designen und sind demnach nicht wirklich flexibel einsetzbar. Diese Lücke wollte ich schließen.“

Flexibles Skinning via XML

Dabei kann der Netaudio MusicPlayer verschiedene Playlists hierarchisch verwalten, MP3s streamen und bietet auch sonst alle Funktionen, die man von einem klassischen Player erwartet. „Durch das flexible Skinning lässt er sich kunstvoll in jeder Webseite einbetten. Außerdem müssen keinerlei Serverskripten oder Datenbanken installiert werden. Somit ist die Konfiguration des Players sehr schnell erlernt und die Software schnell einsetzbar.“ Weiterhin erklärt Fabien: „Der Player besteht primär aus einer Flash-Datei, die die komplette Funktionalität enthält. Alle Daten und Design-Einstellungen sind übersichtlich in XML-Dateien gespeichert, somit werden Flash-Kenntnisse nicht benötigt.“, bestätigt Fabien.

Neben dem Netaudio MusicPlayer hat Fabien zusätzlich noch ein einfacheres Werkzeug gebaut: den Netaudio Simplay. Simplay wurde auch in Flash realisiert und besteht aus zwei Komponenten: Einem Controller für das an- und ausschalten der Musik plus Lautstärkeregelung und dem eigentlichen Abspieler. Die Funktionsweise und die gestalterischen Möglichkeiten von Simplay entsprechen hierbei genau denen des MusicPlayers. Sie sind unendlich. Denn die Steuerung der Grafiken übernehmen auch hier XML-Listen. Im Gegensatz zum Netaudio MusicPlayer, der mehrere Playlists verwalten und abspielen kann, ist Simplay für den „spontanen“ Einsatz programmiert. Mit Simplay lassen sich schnell einzelne MP3s abspielen. Darum ist die Applikation vor allem für Musiker, Podcaster und Netlabels geeignet, die Audiodateien direkt in iherer Website abspielbar anbieten wollen. Auch Weblogger werden das kleine Werkzeug innig lieben lernen.

It’s for free, be inspired!

Beide Audiostreamer sind frei im Web unter www.phlow.de/netaudio-player/ als Download erhältlich und die Einsatzmöglichkeiten sind unbegrenzt. Vor allem der MusicPlayer könnte eine kleine Revolution im Netlabel-Bereich auslösen, denn wie Parmon von Phonocake.org bemerkte: „Der Player, vielleicht als anderes Modell, könnte auch eine Grundlage, ein Rahmen für ein Netlabel an sich sein. Design, Katalog, Künstlernamen, alles kann angegeben werden. Fehlen nur noch ein paar Textinformationen und schon hat man fast alle Basics einer Netlabel-Website im Player vereint.“ Darüber hinaus, stellte Fabien Schivre erst im Nachhinein fest, das die vorgegebene Breite und Höhe des Netaudio Musicplayer vollkommen variabel ist. Da sich nicht nur die Grafiken beliebig platzieren lassen, sondern auch Links zum MP3-Download als auch einen Link zum gerade abgespielten Künstler, bietet das pfiffige Spielzeug sämtliche Promotion-Möglichkeiten. In Zukunft wird Parmons Wunsch vielleicht in einer weiteren Version realisiert. Dann lassen sich auch mögliche Informationen zu den Künstlern in die XML-Listen eingeben. Bis dahin, sollten alle Netlabels aber erst einmal die jetztige Version ausreizen. Wir sind gespannt auf die Resultate :)

PS: Da der Netaudio MusicPlayer exklusiv für das Buch „Websites für Musiker, DJs und Netlabels“ realisiert wurde, findet man die ausführliche Anleitung nur im Buch. Die Anleitung von Simplay jedoch ist als PDF erhältlich.

Über den Autor

Moritz „mo.“ Sauer ist Journalist und Webdesigner. Im Web als mo. unterwegs kennen ihn Netz-Geeks vor allem als Hauptverantwortlichen Schreiber des Ezines Phlow.net. Mit Fabien Schivre hat er gemeinsam den Netaudio MusicPlayer für sein Buch „Websites für Musiker, DJs und Netlabels“ konzipiert. Das Buch richtet sich an alle Musiker, die eine eigene professionelle Website aufbauen wollen. Vorkenntnisse sind dabei nicht notwendig, da einerseits sämtliche Software frei erhältlich und ausführlich vorgestellt wird und andererseits sämtliche Techniken von XHTML über CSS bis hin zu Redaktionssystemen ruhig erklärt werden. Das Buch ist im renommierten Verlag von O’Reilly erschienen.

»Websites für Musiker, DJs und Netlabels«
Moritz »mo.« Sauer
O’Reilly
ISBN: 3897214334