Typo Berlin 2005
Tag 2

Am zweiten Tag der Typo Berlin ging es dann definitiv konkreter und »nerdiger« zu. Während die Vorträge am Donnerstag alle einen hohen Unterhaltungswert besaßen, dazu gehörten vor allem auch die Jungs von Datenstrudel, wurde es am Freitag konkreter.

Schrift war das Thema und wurde von vielerlei Seiten beleuchtet. Überzeugend, eigenwillig und quirlig war da vor allem Gill Bell, die ihre unglaubliche Bandbreite an nicht abreissen wollenden Headline-Fonts und Handwriting-Fonts vorstellte. Die Schriftkünstlerin präsentierte eindrucksvoll ihr Repertoire, dass von Plattencover-Fonts bis hin zu World Disney-Film-Fonts reichte. Geheimnis ihres Erfolges als Freelancerin führte sie neben Talent in erster Linie aber auch auf Fleiss und ein kontinuierliches Konzept zurück. Außerdem referierte sie eindrucksvoll, wie Techniken jenseits des Computers, also Kalligraphie & Co. sich auf ihre Arbeiten auswirken. Ihr Plädoyer galt unter anderem auch dem Malen, dass sich ihrer Meinung ungemein positiv auf die Gehirnstimulanz ähnlich dem Musizieren auswirken würde.

Deutsche Industrie Norm ohne Serifen

Nüchterner aber nicht weniger interessant gestaltete sich der Vortrag von Albert-Jan Pool. Der Holländer, der durch Erik Spiekermann den Auftrag der Renovierung der DIN-Schrift übernommen hatte, zeigte neben der Entstehung der Original DIN-Schrift natürlich den eigenen Kreationsprozess. Verblüfft über den Erfolg der eigenen Schrift, präsentierte er einem nicht weniger erstaunten Publikum, wo seine FF DIN, die für die Beschilderung deutscher Straßen gedacht war, wieder auftauchte. Vor allem, dass der Energiekonzern Yello, die FF DIN für seine »gelbe« Werbephase eingesetzt hatte, zeigte wie viel Psychologie hinter dem Einsatz einer Schrift stecken kann. Die FF DIN entworfen, für Fakten auf Schildern, wurde hierbei »zweckentfremdet« um Konzernen und Produkten einen neutralen Touch zu geben.

Marken, Mythen, Metamorphosen

Weggeblasen am Freitag hat mich dann aber der Journalist Ralf Grauel, der mich schon 2003 mit seinem Vortrag zum Thema »Humor« begeistern konnte. Wie kein anderer schien er sich mit seinem Thema »Metamorphose« auseinandergesetzt zu haben. Stringent, logisch und mit unerwarteten Drehungen wartete sein Vortrag auf.