mem-Kongress: Die Netlabel-Thematik wird langsam erwachsen

Am vergangenen Freitag dem 13. fand die erste deutsche und öffentliche Diskussionsrunde über Netlables auf dem Kölner mem-Kongress statt. Mit an Bord verkündeten die Galionsfiguren von iD.EOLOGY und Tokyo Dawn die leise Revolution, die die (Indie-)Musikindustrie von hinten aufrollt. Ein persönlicher Einblick hinter das Geschehen.

Text: Moritz Sauer

Glücklicherweise war das Panel von Donnerstag auf Freitag verschoben worden. Während der Exklusiv-Gast Marc »Prymer« Wallowy von Tokyo Dawn extra von Venedig eingeflogen wurde, hatte ich schon grob die Präsentation mit Sounds, Stichworten und Grafiken vorbereitet.

Während sich die Opas und Omis auf die Enkelkinder aus dem Urlaub freuten, spazierten die braungebrannten Stöpse aufgeregt aus dem Terminal-Gate am Kölner Flughafen. Freude strahlend und glücklich wurde da Wiedersehen gefeiert. Nur eines der Kleinkinder, das aussah wie Tweety aus, krähte aus vollem Hals, aber zum Glück kam dann dann der schlacksige Marc, leicht gebräunt, gut gelaunt und ein wenig abgekämpft.

Nachdem uns brav mein Batmobil nach Hause gebracht hatte, wurde erst einmal bei Tequila Sunrise im schwülen Detroit Kölns - Wesseling - diskutiert, erzählt und so… Musik wurde keine gehört an diesem Abend.

Eben noch auf dem Zeltplatz neben dem Nuttenstrich…

…jetzt im Kölner Hyatt.

Am Donnerstag war dann akreditieren angesagt, nachdem wir faulen Säcke erst einmal bis 11 geschlafen hatten. Das vorerst erste Panel drehte sich um Handies, Klingeltöne und Vermarktung. Einziges Highlight war der Berichte von Tobi von digitale Kunstverein Köln. Der rockte die Diskussion mit seiner Präsentation zur Scene und Demos in Grund und Boden. Nee, was ein 64kb-Demo alles auf den Screen zaubert. Klasse. Gleichzeitig drehten sich meine Gedanken, um Abseitiges und das eigene Panel. Der Nachmittag verging wie im Flug und nachdem wir kurz die iD.EOLoGY-Jungs in Köln getroffen hatten, wurde Marc nervös. Er wollte auch eine Powerpointpräsentation. Christian Sierpinski hatte vorgelegt.

Eigentlich war mem-Party angesagt, nur wir Streber wollten lieber einen gekonnten Vortrag basteln, uns mit üben und so verbessern und mit im Zimmer auf und ablaufen die Nervösität nehmen. Schließlich war die Diskussionsrunde unser beider erster Auftritt in dieser Art und wir wussten nicht, was für Geeks, Könner und Major-Fuzzis auf dem Panel aufschlagen würden.

Gegen 23:30 machten wir uns dann in Richtung Hyatt auf, schließlich durfte Marc hier übernachten. Schade das ich keine Bilder gemacht habe, als unser Netlabel-Held das Foyer des Monster-Hotels betrat. Marc wäre am liebsten wieder gegangen. Das schien doch eine Nummer zu groß, oder? Doch ein Schaumbad im Luxushotel nehmen, hat ihn dann doch gekribbelt. Sprecht ihn mal drauf an. Ob er noch ein paar Bunnies eingeladen hat, weiss ich nicht…

Denn nachdem wir die die mem-Sause um 24:00 Uhr erreichten, wehte uns schon der schale Geruch des Abbaus entgegen. Nur noch ein paar leicht Alkoholisierte kicherten uns entgegen, hm, schade, wir haben uns ehrlich geärgert. Vielleicht hätten wir ein paar Kontakte knüpfen können…

Kurz davor ist schon fast vorbei

Die Nacht habe ich nur 6 Stunden oder so geschlafen und bin dann ziemlich aufgeregt gen Kongress gefahren. Dort wartete auch schon Steffen Wurzel, der Moderator der Nezzparade, einer Sendung im SWR (hört! Hört!), die ausschließlich Musik aus dem Internet spielt. Vor allem unterstützt durch Musiker, die ihr Material einsenden oder Portale wie Besonic & Co. Ein Interview mit dem jungen Spund von 24 Jahren folgt, versprochen.

Kurz einen Kaffee gekippt, Laptop angeschlossen, rumgezappelt vor Aufregung, ein paar hektische Witze gerissen und los geht’s…

Was folgte war ein Panel, dass mir richtig Freude bereitet hat. Die Aufregung war wie weggeblasen, was hatten wir schon zu verlieren? Denn die Gäste waren intelligent, hatten sich mit Mühe vorbereitet und positionierten sich trotz Underground-Etikett als tapfere Mitstreiter im Kongress. Und unser Publikum war einfach klasse. Die Leute haben uns berichten, erklären und diskutieren lassen und hin und wieder auch einmal geschmunzelt. Später habe ich mir sagen lassen, dass es sogar während des Vortrags immer mehr geworden sind. Yeeee!

Bei sonstigen Veranstaltungen bei denen ich bis jetzt anwesend gewesen bin, war in der Regel immer der Übergang in die öffentliche Diskussion der Knackpunkt. Wenn nicht eine rege Neugierde die Nervösität überdeckt, traut sich der bis dato Zuhörer nicht mal eben ans Mikro. Das kostet Überwindung. Unsere Lauschenden haben es getan und gemeinsam haben wir kräftig überzogen. Egal. Dankenswerterweise war der Kongress nicht so eng geplant, was definitiv ein dicker Pluspunkt ist.

Resumée - Netlabels im Rampenlicht

Insgesamt ist das Panel gut angekommen, einige haben sich sogar bedankt. Hauptsächlicher Kritikpunkt gebührt mir. Vielleicht hätte ich den ganzen Vortrag und die Diskussion noch ein wenig heftiger und fordernder gestalten sollen. Vielleicht hätte ich auch mehr provozieren sollen, und insgesamt die Netlabels als Zukunft von Musikvertrieb & Co herausstellen sollen - als Chance in einem Markt, der bei den regulären CD-Verkäufen zusammenbricht. Vielleicht beim nächsten Mal. Vielleicht wollte ich auch nicht 100% das revolutionäre Potential offenlegen, weil mir die Szene ans Herz gewachsen ist und ich keinen Ausverkauf möchte. Dazu habe ich das kuschelige Phänomen einfach zu liebgewonnen. Aber was gut ist, wird meist größer… wir werden sehen.