Mari-Posa-Interview
- Kurze Vorstellung
Mein Name ist Moritz, Kurzform mo. Bin 29 Jahre, internetsüchtig, Musik-abhängig und ein Geek. Ich lebe als freier Journalist im Detroit von Köln, auch als Luftkurort Wesseling bekannt. Ich habe phlow.net verbrochen und bin einer der Schuldigen, der ideology.de auf die Welt losgelassen hat.
- Moritz, aus welcher Ecke kommst du musikalisch?
Also, damals, da gab es diese Kochtöpfe im Schrank meiner Mutter…, öhm, tja. Ich komme aus einer Rhythmus-betonten Ecke und habe seit ich als Jugendlicher zu Breakbeat-Tapes Fantasyromane gelesen habe, sehr viel elektronisches konsumiert. Das ging so weit, dass ich meinen Vater im Auto mit aufgenommener C64er-Musik genervt habe. Irgendwann habe ich dann selbst angefangen Musik zu machen… Das war als ich den Protracker auf dem Amiga gefunden habe und die ersten Begegnungen mit Techno hatte…
- Wie war dein Weg zur elektronischen Musik?
…aus dieser Zeit sind hauptsächlich nur schreckliche Tracks übriggeblieben, die dann meinen späteren Weg gen Roland-Sampler geebnet haben. Mit einem Studienfreund haben wir dann eine Weile Techno-Liveacts gemacht, sein Studio auseinander- und wieder zusammengesetzt, bis mir Jungle und die Breaks über den Weg liefen. Heute höre ich alles was einen musikalischen Groove hat, und meist mit einem interessanten kontinuierlichen Beat daherkommt. Nur Stromgitarren und Gesang kann ich so gut wie gar nicht leiden…
- Entspricht dein Mix deinen Vorlieben oder siehst du das als Promotiontool für Netaudio?
Der Mix ist genau die Mischung aus Styles die ich selbst durcheinander höre. Außerdem ist der Mix so eine Art Beweis dafür, das es mittlerweile richtig gute Musik und viele unterschiedliche Netlabels im Netz gibt.
- Willst du das Djing für dich weitervorantreiben?
Als DJing betreibe ich schon ich Musik mache. Richtig dicke Gigs habe ich nur wenige gehabt, aber die waren wunderbar. Zwar liebe ich die Nacht, aber ich bin nie in einer Posse gewesen und bin nicht der herkömmliche Vinyl-DJ. Da muss man mit Vorurteilen kämpfen, obwohl mittlerweile alle Profi-DJs von Carl Cox bis Paul van Dyk bis Steve Bug umsteigen. Die kleinen DJs schwören aber immer noch auf ihren weichen Vinyl-Sound. Das ist Mumpitz, denn Vinyl stammt von digitalen Bändern. Ein versierter DJ braucht nur gute EQs dann kann er die Höhen manipulieren und hat einen genauso saftigen Sound. Ich glaube, ich werde mein lebenlang auflegen. Dafür habe ich einfach ein sehr großes Sendungsbedürfnis, nur ich will es nicht professionell machen. Das ist zu stumpf und da musst du zu sehr kämpfen.
- Was kannst du D&B Produzenten sagen, die lieber Dubplates pressen als MP3s ins Netz zu stellen?
Sie müssen sich entscheiden, was sie wollen. Wollen sie irgendwie so eine wenig verblitzte Kunst-Fame-Credibility-Mentalität für sich beanspruchen oder wollen sie wirklich gehört werden? Warum mehr als 20 Euro für eine Dubplate ausgeben, wenn ich das Ding mit fettem Sound auf einen Rohling für 50 Cent brennen kann? Würden D&B-DJs scratchen, dann bräuchten sie Vinyl. OK, aber nicht fürs pure Mixen. Sind es Profi-Produzenten, kann ich verstehen, warum sie ihre Musik nicht ins Netz stellen. Alle anderen NoNames empfehle ich, gutes Netlabel finden oder gründen. Das gilt aber auch für Technoheads und jede andere elektronische Richtung. Eigentlich kann man heute kaum richtig Geld verdienen und die Vertriebe und Hardware-Labels verdienen schlecht. Das Netz ist eine gute Möglichkeit, aber auch nur eine von vielen, um sich nach vorn zu bringen.
- Was hat dich in diesem Jahr im Bereich Netaudio überrascht / entäuscht?
Hm, enttäuscht bin ich nur oft von der Qualität. Ich kann es nicht nachvollziehen schlechte Tracks zu veröffentlichen. Das gilt für alle Labels dieser Welt. Finde ich ein Release auf einem Netlabel richtig schlecht, dann merke ich mir das und komme in der Regel nie mehr wieder. Es ist einfach wichtig gute Musik zu veröffentlichen. Selbst wenn man nur drei geile Releases hat und es bis zum nächsten 3 Monate dauert. Es ist besser für den Backkatalog als Füllstoff, den keiner braucht und ich werde kontinuierlich vorbeikommen. Das ist mein Verhalten, ich weiss nicht, wie das andere machen.
Darum besuche ich z.B. immer wieder Hippocamp. Da gefällt mir nicht alles, aber das ist dann musikalischer Geschmack. Insgesamt haben die einfach ein hohes Niveau. Das versuchen wir z.B. auch auf www.ideology.de so zu halten. Wir drücken da nichts raus, was nicht schon zuhause getestet wurde. Manchmal gefallen mir nicht alle Musikstücke, aber wenn die anderen davon überzeugt sind, dann wird es sicherlich neue Hörer finden.
Richtig überrascht hat mich die Popularität von Phlow. Ich bekomme ab und zu unheimlich nette Emails. Es gab sogar schon ein Netlabel, die meinten sie wären gerade durch Phlow inspiriert worden überhaupt tätig zu werden.
Noch mehr freue ich mich über den Enthusiasmus, der bei Netaudio herrscht und langsam entsteht da auch eine größer werdende Fanschar von Zuhörern, die sich gerne legale Musik herunterladen. Toll ist dabei, das es den meisten auf den Song ankommt und nicht das edelste Mastering. Wie heißt es so schön: »Nenn mir einen Zuhörer, der den Sound Deines Mischpultes summen kann… Einen guten Song, wird er dahingegen jedoch nie vergessen«.