Musikkritik
krill.minima – Zwischen zwei und einer Sekunde
Schon allein die Titel der Tracks lassen einen aufhorchen. Sofort bemerkt man, dass hier wohl irgendwo auch ein Konzept versteckt ist, dass, wie Martin erläutert, sich an der musique d´ambleument orientiert. Ins deutsche übersetzt würde das böse Fahrstuhlmusik heißen, wenn man lieb ist, nennt man es Klang-Architektur.
Deswegen ist »Zwischen zwei und einer Sekunde« auch kein spektakuläres Album im herkömmlichen Sinne, sondern eher ein subtiles und sensitives Album. Zwar enttäuschen am Anfang die ersten beiden Tracks mit ihren runden Sinus-Tönen, die langsam den Raum betreten und gemächlich dahinschweben. Doch mit gemütlichen Fortschreiten steigert sich krill.minima genüsslich. Denn auch wenn es nur Hintergrundmusik sein soll, wünscht man sich Melodien, die greifen und Wohlgefühl verbreiten.
Doch mit »in einem Traum den ich einst hatte« kommt mehr Bewegung in die anfänglich stoischen Tracks. Während ein warmer Teppich immer und immer wieder durch den Raum weht, vibrieren technoide Chords und scheinen leicht auf dem Boden zu titschen. Über den später mehr beat-betonten Track klingeln dann Xylophon-artige Tropfen. Schön ist auch, dass nun mit jedem weiteren Track die Referenz zu Dub gezogen wird, und kleine Perkussion-Splitter plinkernd im Echo verschwinden.
Schön wäre es noch gewesen, wenn Martin die recht statischen Sequenzen ein wenig mehr verjamt hätte. Leichte Verschiebungen und Variationen hätten den Melodieverläufen mehr Schwung und Abwechslung verpasst. Gerade weil seine Sounds ungemein klar, virtuell und sauber klingen, hätten leichte lebhafte Sprünge in den Melodieverläufen den computer-berechneten Electronica-Longplayer aufgelockert. Aber warten wir mal ab, was da noch so kommen wird. (Moritz Sauer)
