Buchkritik
Lebendige Linien, Kreise und Vielecke
Der Verlag »Die Gestalten« bietet allen, die an modernem Design ob Fotografie, Print, Kunst oder Grafik interessiert sind, eine Reihe interessanter Künstler. Nun erscheint ein neues Buch. Diesmal von Francois Chalet.
Aus einer dreiköpfigen Gruppe von Grafik-Designern, die sich Die Gestalten nennen, entsteht 1995 neben einem Büro für Design der hauseigene Die Gestalten Verlag. Dieser widmet sich vor allem dokumentarisch neuesten und modernsten Trends in Design, Kunst, Fotografie, Kultur und Musik. Vor allem Musik und das Gefühl Nachtleben scheint der Leitfaden zu sein. Denn mit dem Localizer 1.0, einem der ersten Print-Dokumente der damaligen Underground-Kultur Techno, erscheint ein in Worte und Bilder gekleidetes Werk, daß einen Einblick in die damaligen grafischen und musikalischen Avantgarde-Strömungen gewährt. Mit Flyer-Design fing alles an und hat sich heute zu einem der Design-Knotenpunkte Europas entwickelt, an welchem Platz für Innovationen und Ideen gewährt wird. Jeder hat schon einmal Arbeiten der Gestalten gesehen. Ob nun das herzige Loveparadesymbol, Werbung für Grönemeyer oder Covergestaltungen von Jam&Spoon oder, oder, oder…
Nun erscheint im Die Gestalten Verlag ein weiteres Kunstwerk. Dieses bebildert furios die Entwürfe, Grafiken und Logos des Schweizers Francois Chalet. Für Chalet ist es »die Möglichkeit Distanz zu bekommen« zu seinen Werken der vergangenen 5 Jahre. Dabei versteht Francois Grafik, Illustration, malen und zeichnen als Form seiner Art von Kommunikation. Vor allem Comics und Trickfilme üben eine Große Faszination auf den Künstler aus, der schon als »Minichalet« Comiczeichner werden wollte. Auch wenn viele Cartoons oftmals clichébesetzt und kommerziell sind, »was soll’s, wenn man lacht!«.
Und das tut man wenn man die zu Leben erwachten geometrischen Formen und Linien betrachtet. Es ist erstaunlich wieviel Liebe und Humor in den verschiedenen Figuren und Szenarien zum Ausdruck kommen. Man schmunzelt vielmals über die genauen Beobachtungen, die Chalet gemacht hat und in seine abstrakten und häufig auf Schwarz und Weiß reduzierten Designs überträgt. So hat er sich seinen eigenen Grafikkosmos geschaffen mit Hilfe minimalistischen Einsatzes von Kreisen, Ellipsen, Vielecken und gebogenen, gezackten oder geraden Linien. Ob nun Robert Imweg oder eine Katze. Ob nun die MTV-Alarm-Kampagne oder trashige an Japan angelehnte Designs. Ob nun abstrakte Formen oder Logos. Alles wirkt geometrisch, jedoch nie unterkühlt, sondern elegant eigenartig. Doch eines steckt in Allem. Der Computer als Hilfswerkzeug. Die Faszination des immer noch modernen Tools, daß noch nicht ausgereizt wurde und so darf man gespannt sein, was Chalet uns im nächsten Bildband präsentiert.