Buchkritik
Faszination Pixel
Das WWW bietet Designern und Programmierern vielfältige Möglichkeiten der Informationsvermittlung. „72dpi“ analysiert die faszinierendsten Sites.
Das Buch „72dpi“ befasst sich mit den unterschiedlichsten grafischen und programmtechnischen Ansätzen im Internet. Es bietet einen faszinierenden Querschnitt aus den derzeitigen Entwicklungen internationaler Designer und Programmierer. Dabei wurden die Sites nach wenigen übersichtlichen Stichworten sortiert. Mit Hilfe einer Art Karteikarte, die man an einen seitlich angebrachten Strichcode der jeweiligen Buchseite anlegen kann, werden die Java-, HTML-, Flash-, DHTML- und Rich Media-Sites unterteilt. So erhält man einen raschen Überblick zur jeweilig betrachteten Buchseite und den dargestellten Grafiken. Zusätzliche Informationen über die Designer und ihre Arbeit gibt’s im Anhang.
Doch was bedeutet 72dpi? 72dpi steht für die grafische Auflösung im Internet: 72 Rasterpunkte (Dots) pro inch. Dahingegen arbeiten Designer und Drucker des Printbereichs mit größeren dpi-Auflösungen. Weiterhin werden im Internet Farben anders aufgebaut. Die Farben entstehen nämlich aus den Tönen Rot, Grün und Blau im Gegensatz zum normalen Druckverfahren, das auf CYMK basiert. Wo im Druckverfahren aus den Pigmentmischungen Cyan, Magenta, Gelb und der Druckerfarbe Schwarz das Bild zusammengemischt wird, entsteht es auf dem Bildschirm durch die Röhren-, TTF- oder LCD-Technik.
Um nun das spezielle Format des Computerbildschirms so original wie möglich auf Papier zu bringen, benutzte der Verlag Die Gestalten nach eigenen Angaben erstmalig das aufwendige 6-farbige Hexachrome-Verfahren. Zusätzlich wurden die Seiten im Querformat ähnlich der Größe eines Monitors bedruckt.
Das Spektrum von „72dpi“ reicht von clever ausgeklügelten Verkaufsseiten, die durch eine durchdachte Navigation und angenehmes Design bestechen, bis hin zu experimentelleren Sites, die sich ausschließlich den Formen und Farben widmen. Sämtliche Beispiele werden mit großformatigen Bildern präsentiert und wurden liebevoll und eklektisch aus dem Wust des Netzes herausgefiltert. Erstaunlich, was das Web bietet. Wenn man genüßlich einige der virtuellen Pixelwelten durchkreuzt hat, fällt einem auf, dass es nicht nur die omnipräsente „Left-Bar-Navigation“ gibt, sondern viel durchdachtere Konzepte der Informations(ver)führung angeboten werden.
Ob nun Shockwave-Applikationen (Spiele und Online-Werkzeuge), Flash oder auch HTML. Die Vielfalt läßt staunen, die für das Buch zusammengetragen wurde. Diese reicht von Avantgarde über strukturierte Navigation bis hin zu (fast) purer Pixelmasturbation. Was zur Zeit State of the Art ist, findet man und erhält außerdem noch Einführungen und Kommentare von 20 verschiedenen Designern und Künstlern.
Website: http://www.die-gestalten.de