Musikkritik
Snooze – Going Mobile [SSR/ Crammed Discs/ EFA]
Snooze ist musikalisch als auch schizophren. Seine Tracks springen auf seinem zweiten Album zwischen Pop und abstrakterem Techno hin und her, wie ein Schizophrener seine getrennten Persönlichkeiten wechselt ohne es zu merken. Während man zuvor noch in melodiösen und stimmengetragenen TripHop-Perlen wie »Doremifa Girl« schwelgte, beamt einen der Franzose plötzlich in minimalistischere Gefilde à la »It’s More Expensive For This«. Bei letzterem ist er sich auch nicht zu Schade und stiehlt [oder sampelt] einfach einen Basisgroove des House-Tech Pioniers Maurizio.
Was jedoch die beiden musikalischen Charaktere verbindet, ist die Liebe zum Detail, die minutiöse hingebungsvolle Bearbeitung und Verfremdung der Geräusche. Heraus sticht da vor allem »Quiet Alone« in welchem neben im Stereofeld wandernden Drums, gefühlvolle Klavierklänge loungen, aus dem Nichts Streichereinsätze schwirren und Hare Krishna Glocken erklingen. Darüber schmeichelt einem eine der drei eingeladenen Sängerinnen jazzy und kunstvoll.
Ein gespaltenes Werk für diejenigen, die Zeit und Toleranz für Sprünge mitbringen, dafür aber mit funkelnden vollendeten Kleinoden belohnt werden.