Musikkritik
Decomposed Subsonic - Blaue Löwen [Ware]

Cover Decomposed Subsonic – Blaue Löwen

Zwischen subsonischem Feinsinn, selbst geformtem Sound und eigenwilliger Ästhetik. Zwischen Album und Interview.

Hartmut Wessling überlässt wenig dem Zufall. Das bedeutet nicht, dass nicht Tracks wie zum Beispiel der spontane Beatbox Track »Computermusik« entstehen können. Der formte sich innerhalb weniger Stunden, zeugt von Spielfreude und vor allem von Witz. Humor spielt an einigen Stellen eine große Rolle und lässt einen amüsiert grinsen.

Der Feinsinn, den Wessling an mehreren Stellen in Gestalt von etwas anderen Sounds versprüht, begegnet im Titeltrack »Blaue Löwen« einigen kurzen Versen in Deutsch. Das kann man dann gerne auch als Techno-Pop bezeichnen, ist jedoch jederzeit weit entfernt von herkömmlichen Techno-Dance Abarten. Dazu ist das Album auch zu vielfältig. Denn es bewegt sich zwischen minimalistischem Klick-Techno über rockend intelligent strukturierten Tracks hin zu fast ambienten Klangkonstrukten, die filigran bestimmte Geräusche herausarbeiten.

Im Gegensatz zu seinen Liveacts, wo Wessling sehr gerne die Bassdrum-Keule schwingt und die Tanzenden zum Schwitzen bringt, versucht er auf »Blaue Löwen« vielfältiger das Konzept eines Albums auszureizen. Im Interview bestätigt und wiederholt er auch immer wieder, dass es ihm nicht darum geht Erwartungen seitens seiner Zuhörer, die ältere 12"Inches kennen, zu erfüllen, sondern Neues für sich zu entdecken.

Und das gelingt an vielen Stellen auch für den Hörer. Beim ersten Lauschen füllt man sich an die Kölner Schule des Kompakt Umfeldes erinnert. Darauf angesprochen entgegnet Hartmut jedoch selbstbewusst, dass er sich emanzipiert und unabhängig vom Minimal House von Mayer, Tobias und Freunden sieht. Außerdem konsumiere er gar nicht so viel Musik. Wenn dann im Club oder durch Platten, die ihm Freund und Labelchef von Ware Matthias Schaffhäuser zum Anhören gibt.

So erklärt sich vielleicht auch die Ästhetik. Decomposed Subsonic bewegt sich nahe am Puls der Zeit, scheint inspiriert durch Force Inc. und die neue Generation vieler Laptop Produzenten, versprüht aber den frischen Charme eines selbstagierenden Künstlers. So bleibt auch, wie oben angesprochen, wenig dem Zufall überlassen. Denn ob Sinus oder Sägezahn, ob digitaler Sound oder digitaler Fehler: Die Perfektion der schiebenden und groovenden Bässe beherrscht der Vollzeit-Produzent locker und so filtert und generiert er sämtliche Klänge »an den Grenzen des Möglichen«. Das kann den Arsch kicken oder auch den Kopf. Subsonischer Minimalismus angereichert mit humoristischem Feinsinn. Beswingend schön.