Musikkritik
Jan Jelinek - Loop-Finding-Jazz-Records [Scape/ BMG]
Der Mensch fühlt sich unwohl, wenn es absolut ruhig ist. Wenn die Wände eines Arbeitsgehäuses jeden Ton verschlucken. Wenn die Innereien eines Komplexes jedes Geräusch verschlucken und man nichts außer seiner Bewegung wahrnimmt. In dieser Bewegungslosigkeit würde man wohl ersticken, wenn nicht Architekten bei zu viel Isolierung kleine Rauschgeräte unter die Decke installieren würden.
Wo es wohlig rauscht, da ist auch Leben. Da orientiert man sich im Raum an kleinen Soundquellen, die von ihrem Eigenleben verkünden. Zum Eigenleben gesellt sich außerdem immer ein wenig Chaos. Jan Jelinek fügt in seinen Klangkosmos neben Rauschen deshalb allerlei knisternde und knurspelnde Sounds. Diese hochfrequenzigen Fragmente ordnen sich mal mehr, mal weniger in die tiefen pulsierenden Bassryhthmen. Lassen hier und da auch ansatzweise einen spärlichen Houserhythmus oder Downbeat erkennen, leben jedoch abgehoben für sich selbst. Unter und in dieser Decke aus sanftem Rauschen und klickenden Sounds verstecken sich dann kleine Melodien und Klangschleifen, die es zu entdecken gilt.
Die Klangarchitektur Jelineks fasziniert, macht neugierig und beruhigt. Sie sollte in Räumen Anklang finden die leblos wirken und wieder atmen sollen. Sehr schön.