Digitale Nische für Liebhaber oder Revolution des Musikvertriebs?
Netzwerk der Musikidealisten
Köln – Viele Menschen gehen lieber auf virtuelle Tauschbörsen als in den Plattenladen. Doch auch die großen MP3-Portale haben ihren Glanz verloren. An ihre Stelle treten immer häufiger die Netlabels, die wie herkömmliche Plattenlabels ihren eigenen Sound propagieren. Den kann der Surfer allerdings nicht kaufen, er darf ihn kostenlos runterladen. Wie arbeiten und überleben die Netlabels?
Text: Moritz Sauer
»Ich mag Netzmusik, weil ich die Idee mag, Musik von Künstlern, ohne Umwege Menschen zur Verfügung zu stellen, die Lust auf Musikhören haben.«
[in]anace/ subsource.de
»Netlabels zeigen, wie man hochwertige Musik und weitreichende Aufmerksamkeit auch ohne Kapital und Knebelverträge schaffen kann. Viele Oldschool Labels würden auf einmal ganz schön alt aussehen, wenn man die Hörerreichweiten mancher Netlabels in den pseudo-offiziellen Download Charts berücksichtigen würde.«
Marc Wallowy/ tokyodawn.com
Der Begriff Netlabel ist noch relativ jung. Einige Netlabels bezeichnen sich selbst auch als mp3 Label, Internetlabel, Netzlabel, Weblabel oder Onlinelabel. Ihnen allen gemeinsam ist aber der kostenlose Musikvertrieb über das Internet. In der Regel hat sich das mp3-Format mit einer Datenrate von 192 kbps durchgesetzt, was der Qualität einer CD ziemlich nahe kommt. Einige Netlabels betonen jedoch ihre Open-Source-Philosophie dadurch, dass sie ihre Musik auch oder ausschließlich im offenen Ogg-Vorbis-Format zum Download anbieten.
Die meisten Künstler, die auf einem Netlabel ihre Musik »releasen«, blicken in der Regel auf keinerlei Hardware-Veröffentlichung wie Vinyl oder CD zurück. Die Motivation eines Musikers, auf einem Netlabel die eigene Musik gratis anzubieten, ist verschieden. Die Einen veröffentlichen als Überzeugungstäter, die Anderen haben keinen anderen Unterschlupf gefunden und wiederum Andere möchten ihre Songs und Tracks nicht auf eine festgelegte Anzahl von Tonträgern begrenzt sehen, sondern einem potentiellen Millionenpublikum auf dem ganzen Globus zur Verfügung stellen.

Die Deutsch-Französin Brigitte Bijoux, die auf dem Kölner Netlabel iD.eology veröffentlicht, meint dazu: »Als Drum&Bass-DJ lege ich hauptsächlich roughe Tracks auf, die das Publikum anpeitschen. Im Club möchte ich gemeinsam mit dem Publikum schwitzen und feiern. Wenn ich zuhause in meinem Heimstudio produziere, geht es mir vor allem um Musik, die Bestand hat und über Genre-Grenzen hinausgeht. Während ich im Club oft DJ-Tools verwende, sollen meine eigenen Tracks Seele atmen. iD.eology gibt mir die Freiheiten, die mir andere Vinyl-Drum&Bass-Labels versagt haben. Hier darf ich Musikerin sein und muss nicht funktionale Musik mit Hit-Garantie abliefern.«
Entstehung einer neuen Szene
Die Ursprünge der Netlabels entspringen der Demo-Szene, einer Subkultur, die mit dem Einzug der Heimcomputer in die Familien entstand. Denn in den frühen Achtzigern wuchsen die ersten Kinder und Jugendlichen mit Computern in den eigenen vier Wänden auf. Da der Computer damals lange nicht so komplex wie der heutige PC und der Speicher des Volkscomputers C64 auf 64 Kilobyte begrenzt war, gelang den jungen Menschen schnell der Einstieg in die Programmierwelt. Spiele, deren Kopierschutz geknackt wurde, wurden mit kleinen selbst programmierten Intros geschmückt. Der Anspruch dieser ersten digitalen Signaturen wuchs stetig, und mit den Programmierfähigkeiten potenzierte sich die Kreativität. Schnell entwickelte sich eine Szene, in der Programmierer, Grafiker und Musiker zusammenarbeiteten.
Für die Jugendlichen, die sich damals noch vorwiegend über den gewöhnlichen Postweg verständigten, wurden diese Intros langsam interessanter als das neueste Spiel. Mit dem Einzug des Commodore Amiga und des Atari ST wuchsen die Möglichkeiten. Intros wurden nun immer häufiger losgelöst von Spielen verschickt und nannten sich ab da Demos.
Demos kann man als eine Art Videoclip sehen, in welchem Musik, Computercode und Grafik verschmolzen werden. Solch ein selbstständig laufendes Programm wurde in gemeinschaftlicher Arbeit erarbeitet. Neben Grafikern und Programmierern war vor allem auch Musik ein wesentlicher Bestandteil.
Am Anfang war das Format…
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Die ersten Grundweichen für den Austausch von Musik auf elektronischen Wegen legte Karsten Obarski. Er entwickelte ein Musik-Sequenzer-Programm für den Amiga. Mit Hilfe des »Ultimate Soundtracker« konnten Computer-Freaks leicht 8-bit-Mono-Samples auf vier Spuren arrangieren. Dabei setzte man die Samples in Form von Noten auf die einzelnen Spuren, und das Programm »pitchte« die Samples: Dadurch veränderte sich die Tonhöhe, und mit Hilfe eines Sounds ließen sich somit Melodien komponieren. Sowohl die Noten als auch die Samples wurden in einer Datei gespeichert, die mit der Abkürzung ».mod« (für Module) endete.
Somit ließen sich Songs auf Disketten abspeichern und an Freunde sowie Interessierte verteilen. In der Regel wurden die .mods wiederum via Ultimate Soundtracker geöffnet. Dadurch bekam jeder einen direkten Einblick in den Aufbau des Musikstücks und konnte den Ablauf wie auf einem Notenblatt verfolgen. »Open Source« war hier noch kein Thema, wurde aber schon verwirklicht.
…und dann kam die Leitung
Da das Module-Format relativ klein gehalten wurde, stand der Verbreitung der elektronischen Musik nichts im Wege. Vor allem ab 1990, als die Zeit der BBS-Mailbox-Szene aufblühte, tauschten die Musiker und Fans ihre Lieblings-.mods gerne schon via Telefonleitung. Mit der Entstehung des Internets nach 1994 verlagerten sich dann langsam die Kommunikations- und Distributionswege.
Um 1997/1998 entstanden dann die ersten Netlabels, die die Musik in Form der .mods zur freien Verfügung zum Download anboten. Vor allem der FTP-Server ftp.scene.org wurde als Umschlagsplatz der Szene fleißig genutzt und gab den Labels einen ordentlichen Schubs nach vorne.
Erst mit der stetig und nicht aufzuhaltenden Verbreitung des mp3-Formats bahnte sich dann der langsame Untergang der Module-Szene an. Zwar können Surfer noch heute jede Menge .mod- und auch .sid-Files (.sid ist das Commodore-64-Musikformat) aus dem Netz fischen und mit Hilfe von Programmen wie Winamp abspielen. Doch Musiker und Netlabels umarmten das sound-technisch bessere Audio-Format und vertreiben in der Regel heute jegliche Musikstücke via mp3.
Rechtliche Aspekte – die heißgeliebte Creative Commons Licence
In der Regel schließen Netlabels (zur Zeit noch) keine Künstlerverträge mit ihren Musikern und Produzenten ab. Oftmals veröffentlichen die Betreiber eines Labels die Musik, ohne je ein Foto oder Gesicht des Musikers gesehen zu haben. Obendrein ist sämtliche Netlabel-Musik GEMA-frei und eröffnet neue und oft unkomplizierte Horizonte der Vermarktung (siehe dazu auch das Renommee-Interview).

Wie das Format Netlabel virtuell ist, so gestaltet sich auch zumeist der Kontakt über digitale Datenbahnen entweder via Email oder ICQ. Oft finden sich Musikbegeisterte auch in Tauschbörsen mit Chat-Funktionen wie z.B. Soulseek. Dort trafen sich vor Jahren auch die beiden Musiker René Margraff und Nicolas Saez: »Nicolas und ich haben uns noch nie wirklich getroffen. Kennengelernt haben wir uns in einem Chatroom von Soulseek. Später haben wir uns dann irgendwann ›abseits‹ des Chatrooms über unsere ’eigentlichen‹ musikalischen Vorlieben ausgetauscht. Kurz darauf haben wir dann auch Anorak als Projekt gestartet und immer mehr Leute kennengelernt, die alle irgendwie an ihren Computern Indie- und Elektroniksongs zusammengebastelt haben. Bei so vielen ungehörten Talenten drängte sich unserer Meinung nach das Unternehmen www.starvingbuthappy.tk auf.«
Trotzdem veröffentlichen Netlabels ihr Material in der Regel unter einer Lizenz. Dabei greifen die meisten Betreiber auf die Creative Commons Licence zurück, die der amerikanische Rechtsexperte Lawrence Lessig, Professor an der Stanford Law School, ins Leben gerufen hat. Die Rechtslizenz, die seit Mitte 2004 auch in einer rechtsgültigen deutschen Fassung vorliegt, gibt es in zwei Versionen: einer leicht verständlichen für jedermann und einer genau ausformulierten Fassung für Juristen. Ein großer Vorteil der Creative Commons ist ihre »Zusammenklickbarkeit«. Denn der Benutzer kann sich seine beanspruchten Copyrights selbst zusammensuchen. Anschließend reicht ein Link oder Button auf der eigenen Netlabel-Seite, um auf das juristische Dokument zu verweisen.
Nachteile und Vorteile von Netlabels
Bei aller virtuellen Schlagkraft haben Netlabels auch einige Nachteile. Neben einer definitiv geringeren Klangqualität gegenüber CD und Vinyl sind auch die Gewinnmöglichkeiten nicht so direkt, wie man sie vom Plattenkauf her kennt. Außerdem ist das Ansehen der Netlabels noch nicht so weit fortgeschritten, und die Wahrnehmung findet hauptsächlich im Internet statt und nicht im Plattenladen unter DJs und Musikliebhabern. Das liegt vor allem auch an der noch wenig akzeptierten DJ-Mix-Culture, die sich auf die Haptik einer Vinyl-Platte eingeschworen hat.
Netlabels können aber auch unschlagbare Vorteile für sich geltend machen, wie Jörg Friedrichs vom Netlabel iD.eology konstatiert: »Neben einem zukunftsträchtigen Direktvertrieb, einer potentiell größeren und weltweiten Zuhörerzahl operieren wir mit unserem Netlabel näher an den Kundenbedürfnissen. […] Außerdem verfügen viele Netlabels wie z.B. Tokyo Dawn über ein Forum im Web zur Community-Bildung. Wir bei iD.eology nutzen moderne Wiki- und Forentechnik, um intern mit unseren Künstlern über Zukunftspläne zu diskutieren. Hier finden die Künstler auch virtuell zueinander, um gemeinsam miteinander zu arbeiten.«
Eines der schwerwiegendsten und überzeugendsten Argumente jedoch ist der Kostenfaktor. Denn für den Betrieb eines Netlabels muss man nicht tief in die eigene Tasche greifen. Sämtliche Software von HTML-Editoren über mp3-Encoder bis hin zum Redaktionssystem gibt es in zahlreichen Open-Source-Varianten. Außerdem bieten die Webhoster heutzutage viele Funktionen und ordentlich Webspace für geringes Geld. Deswegen kann ein Netlabel schon allein von den Kosten einer 1000er-Vinyl-Auflage, die ein kleines Label ausgeben müsste, mehrere Jahre zehren.
Netlabels werden deshalb vor allem im Indie-Bereich zu einer oder vielleicht zu der Alternative schlechthin werden, wenn es darum geht, Musik zu vertreiben. Für die Kostendeckung müssen neue bzw. alte Wege gefunden werden. Dazu gehören in erster Linie Merchandise und Konzertauftritte. So stellt Marc Wallowy von tokyodawn.com fest: »Finanziell gesehen machen kleine Indie-Auflagen unter 2000 Einheiten eh keinen Sinn – als Straßenmusiker verdient man da mehr. Das sind reine Promotools, um den Künstler- und Labelnamen aufzubauen, damit man mehr Gigs bekommt. Und so gesehen sind mir 10.000 Downloads lieber als 1000 verkaufte Einheiten, wenn ich weiß, dass ich die Miete von den Verkaufserlösen sowieso nicht bezahlen kann. Die Strategien, wie man Aufmerksamkeit in Geld konvertieren kann, werden aber zunehmend verfeinert.«
Netlabels kurz vorgestellt
www.monotonik.com

Monotonik gehört zum Urgestein der Netlabels. Sein Kurator, der Brite Simon Carlisle, arbeitet heute mit am vielbeachteten archive.org-Projekt, das vielen Netlabels kostenlosen Webspace im Netz anbietet, darüber hinaus aber vor allem eine Archivierung des WorldWideWeb vornimmt. Auf Monotonik befinden sich neben aktuellen mp3s auch alte Modules aus der Demoszene-Zeit, in welcher der Brite aktiv war.
www.ideology.de

Das Kölner Netlabel iD.eology setzt auf keinen speziellen Labelsound, sondern folgt dem eigenen offenherzigen Geschmack und veröffentlicht eine große Bandbreite elektronischer Musik von Downbeats über HipHop bis Disco/ House. Besonderes Merkmal von iD.eology sind die hochauflösenden Covergrafiken in drucktauglicher Qualität. Außerdem treffen sich die Labelköpfe und Künstler regelmäßig zum Ideentausch, was bei der Virtualität von Netlabels eher selten ist.
www.tokyodawn.org

Tokyo Dawn wurde 1997 gestartet und ist das Netlabel der Wahl, wenn es um smoothen und relaxten HipHop- und Soul-Sound geht. Der antreibende Kopf hinter dem Label, Marc »Prymer« Wallowy, ist schon mit seinen 26 Jahren ein alter »Szenekenner«, der im Sommer 2004 in Köln den ersten großen erfolgreichen Netlabel-Abend veranstaltete. Der umtriebige Australier beschränkt sich aber nicht nur auf das Internet, sondern wird auch gern auf Panels, wie z.B. dem diesjährigen mem04-Kongress, gesehen. Die Künstler von Tokyo Dawn verdienen ihr Geld hauptsächlich durch Auftritte und sind über den ganzen Globus verstreut.
www.thinnerism.com

Geht es um moderne Clubmusik und im Speziellen um DubTechno, dann könnte man das Netlabel Thinner als Monolith unter den Netlabels bezeichnen. Denn fast jedes mp3 wird im Schnitt mehr als 3000 Mal heruntergeladen – meist innerhalb eines Monats. Auch Thinner hat seine Wurzeln in der Demoszene. Auf dem Sublabel Autoplate veröffentlicht man experimentelle elektronische Musik zwischen Ambient und Electronica. Künstler werden bei Thinner gerne für Clubabende als Live-Act gebucht.
Weitere interessante Netlabels:
| Genre | Netlabel |
|---|---|
| Ambient | www.2063music.de |
| Experimentelle Musik | www.subsource.de |
| Electronica | www.hippocamp.net |
| Indietronics | www.starvingbuthappy.tk |
| Techno/ House | www.stadtgruenlabel.net |
| Ambient/ Drum&Bass/ Techno | www.realaudio.ch |
| Pop/ Electronica | www.alpinechic.net |
| Techno | www.textone.org |
| Disco | www.choqolat.org |
Weitere wichtige Links zum Thema:
| Was | Link |
|---|---|
| Musik-Downloads | www.archive.org/audio/netlabels.php |
| Musik-Downloads | www.scene.org / ftp.scene.org |
| Magazin | www.phlow.net |
| Netlabel Catalogue | www.netlabels.org |
| Radiosendung | www.interjamp.com |
| Radiosendung »Tiefton« | www.radio-z.net |
Renommee-Interview: »Wir schaffen zusätzliche Verwertungsmöglichkeiten für die Künstler«
Am 21. Juni 2004 startete die Agentur Renommee im Auftrag von Mercedes-Benz die kostenlose Download-Compilation »Mixed Tape«. Bereits nach dem zweiten Online-Album verzeichnet die Agentur eigenen Angaben zufolge über 1,4 Millionen Downloads. Neben Nachwuchskünstlern sind am Erfolg maßgeblich Netlabels beteiligt, deren Künstler kostenlos Songs zur Verfügung gestellt haben. René Herzer und Brian Bray von Renommee erklären das Konzept.

musikwoche: Eure Agentur hat das Mercedes-Benz-Mixed-Tape ins Leben gerufen. Könnt Ihr kurz das Konzept hinter der Download-Compilation vorstellen?
René Herzer: »Mixed Tape ist eine kostenlose Online-Musikplattform mit hochwertiger, innovativer Musik zum Hören und Herunterladen für Musikinteressierte und zum Hochladen und Bewerben für Musiker.
Brian Bray: Ziel ist es, innovative Künstler aus aller Welt zu fördern und ihnen zu ermöglichen, sich einem großen internationalen Publikum zu präsentieren. Um sich von anderen Musikangeboten qualitativ abzuheben, werden stets nur fünfzehn exklusive Titel im sechs- bis achtwöchigen Turnus als eine Compilation veröffentlicht.«
musikwoche: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, mit Netlabels zusammenzuarbeiten?
Bray: »Wir empfinden Netlabels als zeitgemäße Form der Distribution von Musik. Das Engagement, die Leidenschaft für Musik und die innovativen Inhalte der Betreiber und Künstler beeindrucken uns. Das möchten wir gerne unterstützen, indem wir sie in unsere Projekte wie beispielsweise Mixed Tape integrieren.«
musikwoche: Warum arbeitet Ihr mit Netlabels und Internet-Künstlern zusammen?
Herzer: »Wir als Renommee arbeiten natürlich auch mit Künstlern, die Mitglieder in einer klassischen Verwertungsgesellschaft sind. Entscheidend für unsere Zusammenarbeit mit allen Künstlern sowie Labels und Verlagen ist immer das künstlerische Potential und die Form der Zusammenarbeit.
Für Mixed Tape verwenden wir aus Projektgründen viele GEMA-freie Werke. Insbesondere wegen der wirtschaftlichen Planbarkeit ist es schwierig, kostenfreie Internet-Musikangebote zu machen, da die GEMA pro Download abrechnet, wir aber keine Einnahmen pro Download dagegenrechnen können. Bei vielen Downloads kann das dann schnell jeden Budgetrahmen sprengen.
Bisher hat sich leider keine Regelung finden lassen, die solchen Projekten, von denen Anbieter und Musiker gleichermaßen profitieren, eher gerecht wird. Aber wir arbeiten daran.«
musikwoche: Wie seht Ihr das Konzept der GEMA in Bezug auf das Internet?
Herzer: »Wir halten Verwertungsgesellschaften wie die GEMA als Vertreter von Künstlerinteressen für sehr sinnvoll und unterstützenswert.
Leider sind die rechtlichen und bürokratischen Rahmenbedingungen, denen die GEMA selbst unterworfen ist, die sie aber auch teilweise selbst gestaltet, nicht zeitgemäß und nicht an die Wirklichkeit in den Neuen Medien angepasst. Hier erscheint uns die Situation als unflexibel und veraltet. Dies führt unserer Meinung nach nicht immer zur besten Vertretung im Interesse der GEMA-Mitglieder.
Speziell für Musikangebote im Internet sind technische Lösungen zur direkten Verrechnung mit dem Musiker denkbar, sodass der Kostenfaktor Verwertungsgesellschaft zu Gunsten der wirklich Beteiligten wegfallen könnte.
Wir begrüßen daher Bemühungen wie die von Media Control, eine eigenständige Verwertungsgesellschaft zu gründen, damit Wettbewerb und dadurch hoffentlich Bewegung entsteht.«
musikwoche: Wie profitieren die Künstler von Ihrer Zusammenarbeit mit der Agentur/ Mercedes-Benz?
Bray: »Wir von Renommee bringen Musik in Marken und in professionelle Medien und schaffen so zusätzliche Verwertungsmöglichkeiten für die Künstler, die über den Verkauf von Musik an den Endkunden hinausgehen.
Mixed Tape von Mercedes-Benz ist ein gutes Beispiel. Hier erhalten Künstler und Label die Möglichkeit, sich einem großen, breiten und internationalen Publikum zu präsentieren und von der Bekanntheit der Marke und der damit verbundenen hohen Besucherzahl zu profitieren.
Ihre Reputation steigt, sie können sich besser vermarkten, und zudem werden sie direkt für Medienproduktionen von Mercedes-Benz in die engere Auswahl genommen.
In der Folge haben wir Mixed-Tape-Künstler direkt bei Mercedes-Benz, aber auch bei anderen Musikverwendern, in kommerziellen Projekten erfolgreich unterbringen können.
Darüber hinaus verstehen wir uns als Begleiter und Berater der Künstler, der ihnen in vielen inhaltlichen Fragen wie beispielsweise Verlags- und Labelauswahl oder bei Vertragsverhandlungen zur Seite steht.«
musikwoche: Wie sind Eure bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Netlabels?
Bray: »Wir arbeiten gerne mit den Netlabels zusammen; unsere Erfahrungen sind in jeder Hinsicht sehr positiv. Wir sind stolz, mit Netlabels wie Audiobulb, Tokyodawn, Observatory, Alpinechic und anderen eine erfolgreiche Arbeit aufgebaut zu haben. Wir pflegen mit allen genannten Firmen einen engen Kontakt.
Allerdings wussten wir natürlich, dass wir mit ›Mixed Tape‹ eine kontroverse Diskussion auslösen würden, und gehen diese auch gerne ein. ›Mixed Tape‹ wurde und wird auch weiterhin aufgrund der Reaktionen der Labels verändert und optimiert.«
Der Autor

Moritz Sauer, 29, ist Journalist und Web-Designer. Seine Künstlerporträts, Thementexte und Fachartikel veröffentlicht er regelmäßig in den Magazinen und Zeitschriften c’t, keyboards, Internet Intern, De:Bug sowie Intro. Außerdem ist er der verantwortliche Herausgeber des Internet-Magazins Phlow.net, das im Frühling 2004 für den Grimme Online Award nominiert wurde. Weiterhin betreut er den Netlabel Catalogue, ein Netlabel-Verzeichnis im Wiki-Gewand, und steckt als einer von vier Köpfen hinter dem kölschen Netlabel iD.eology.