Portrait
Tresor: True Spirit

Fast 12 Jahre Geschichtsschreibung und kein Ende in Sicht. Ein Einblick in das Techno-Label Tresor.

Der Tresor-Club ist definitiv einer der unangefochtenen Kult-Läden Berlins und vielleicht ganz Deutschlands. In den Club ström(t)en Techno-Begeisterte aus ganz Europa. Schon früh wurden hier Sound-Standards durch namhafte DJ’s wie Herbert Matthew, Rok, Tanith, Daniel Bell oder Dr. Motte gesetzt. Als Keimzelle für neue Trends, für tiefgründige Forschung innerhalb der Gewölbe, wurde der Club ein Synonym für Beats, Bass und Future. 1991 gegründet, trafen sich hier fortan elektronische Pioniere innerhalb der rauen Wände.

Als logische Konsequenz startete die Crew von Interfish Records 1991 das Sublabel Tresor, auf welchem sich fortan große Namen versammeln sollten. Mit dem ersten Release von Underground Resistance (Jeff Mills und Michael Banks) wurde außerdem der Grundstein für die intensive und fruchtbare Berlin-Detroit-Connection gelegt. Mit den meist harten und gnadenlos nach vorne treibenden Tracks ernteten die Macher weltweit Respekt. Oftmals gaben sie Künstlern, die im eigenen Land als Unbekannte galten, mit dem Label eine Plattform, um weltweit Respekt zu ernten.

Mit großen Namen wie Cristian Vogel, Daniel Bell, Joey Beltram, Surgeon oder Drexiya wurde über nun mehr als 11 Jahre ein einzigartiger Backkatalog aufgebaut, der durch die fleißige Kommunikation der Label-Betreiber internationale Verbindungen zwischen Japan, England, Amerika und Deutschland aufbaute. Ob nun der von Sven Väth hochgeschätzte DJ Shufflemaster aus Japan oder der Brite Surgeon, der mit »Form & Function« einen tribal-orientierten Klassiker schuf, die Kontakte sind immer lebhaft in der aktuellen Clubszene verwurzelt.

Trotzdem verliert man die Wurzeln nie aus den Augen und verbindet Vision mit Wissen, wie auf dem kürzlich erschienenen Mixalbum von Scion. Hier wurden bahnbrechende Basic-Channel-Tracks mit der modernen Mix-Software Live von Ableton behutsam ineinander verwoben. Außerdem beweist das Label, dass es auch zu den »deep diggers« gehört und auch mal eine sommerliche und warme Platte wie z. B. von Svas oder eine Elektro-infizierte U-Boot-Fahrt à la Drexciya veröffentlicht. Mit solchen Releases beweist Tresor, dass sich das Label fern stumpfer Abfahrten bewegt und weiter den Finger am schnelllebigen Puls der Zeit hält.

(Moritz Sauer)

Plattenempfehlungen:

http://www.tresorberlin.de