Musikkritik
Dzihan & Kamien – Gran Riserva
Mit einem luftigen und melancholischen Album verneigt sich auf »Gran Riserva« die junge Generation vor den Eltern. Doch Dzihan und Kamien zollen ihren beiden Vätern nicht nur Respekt, indem sie sie auf dem Cover verewigen, sondern auch, weil sie sich am Material der beiden Ex-Jazzer orientieren. Genauer gesagt basieren einige der Backbones der elf Tracks auf Original-Material des Herrn Dzihan, der als Profimusiker in vergangenen Zeiten durch den Ostblock tourte. Außerdem trommelte die Percussion-Legende Sammy Figueroa, der schon für Miles Davis die Hände auf den Bongos schwang, sowie weitere türkische Freunde.
Mit ihrem zweiten Longplayer beleben Dzihan und Kamien die Downbeat-Szene, ohne sich in Belanglosigkeiten zu verlieren. Orientalische Klänge werden nicht gesamplet, sondern selbst produziert mit Hilfe von Musikern aus Wien und Istanbul. Liebevoll wird hier mit einem lockeren Verständnis von Weltmusik Orientalik in den eigenen Rahmen eingewebt, ohne auffallend zu winken. Wunderbar weht das Album wie eine sanfte Brise durch die Lounge oder das traute Heim. Trotzdem besitzen die Tracks genügend Tiefgang, um intensivem Genuss standzuhalten, und lockern im Club auch gern mal sanft die Glieder. Endlich also wieder einmal ein rundes und nujazziges Downbeat-Album. Gespannt sein dürfen wir deswegen auch auf das Live-Album, das bei der Premiere von »Gran Riserva« in Wien mit 18 internationalen Musikern aufgenommen und später folgen wird …
(Moritz Sauer)