Portrait
Gekonnter Fingereinsatz – The Finger On The Trigger

Auf der Insel werden die Breakbeats anders sortiert. Das haben schon Künstler wie Mr. Scruff, DJ Vadim oder die Stereo MC’s bewiesen. Neben außergewöhnlichen Stimmen und Produzenten wie unter anderem Roots Manuva, haben sich auch Rae and Christian mit ihrem Label Grand Central Records aus Manchester auf die HipHop-Karte gesetzt. Wie auch bei Ninja Tune stehen hier organische Tracks im Vordergrund. Diese gedeihen auf jazzigem Nährboden und werden von vielerlei akustischer Instrumente bereichert.

Nun wollen sich auch Peter Parker und Sneaky unter ihrem Synonym Fingathing in die Armee britischer Scratch- und HipHop-Pioniere einreihen. Während Peter knapp am Thron des DMC-Champions vorbeigeschrammte, baute Sneaky fleißig sein Können an Bass und Cello aus. Kennengelernt haben sich beide in Clubs in Manchester, bei welchen Sneaky zu aufgelegten Tracks von Mark Rae den Bass zupfte. Jetzt wohnen beide im gleichen Haus, planen von dort die Invasion, bereiten sich in Jam-Sessions vor und überlegen, wie sie die Comic-Animationen ihres Kumpels Chris Drury vertonen und in ihre Shows integrieren können.

Humor, menschliche Fehler und »quirky things« bilden bei ihrer Zusammenarbeit das Hauptinteresse, gesteht Sneaky. Beide verbindet ihre Liebe zu Superhelden und Sneaky selbst liebt vor allem Hulk, der seine eigenen Superkräfte nicht unter Kontrolle hat. Fehler und Zufall faszinieren und nicht das »corporate image« und die Slickness der Amis. Sie lieben narrative Tracks, bei denen nicht unbedingt klar sein muss, worum es wirklich geht.

Die Schallplattenspieler gelten in dieser Zusammenarbeit genauso als Instrument wie Bass und Cello. Neue Tricks findet Peter dabei immer wieder. Der neue Vestax Plattenspieler hätte da eine Menge neuer Features, verrät Sneaky. Vor allem ist er der Überzeugung, dass Turntable-Wizards noch eine Menge aus der Zusammenarbeit mit Instrumentalisten lernen könnten.

Kid Koala hat das unlängst bewiesen, wie virtuos seine gescratchte »Drunken Trumpet« über begleitenden Jazzgrooves klingen kann. Da nickt auch Sneaky hörbar und attestiert: »That was definitely a huge step forward.« Aber es muss nicht immer Jazz sein, und Peter Parker beweist auf »Superhero Music«, dass eine fette Bassdrum auch wie ein bretterndes Rockriff krachen kann. »Das kommt nicht von ungefähr«, schmunzelt Sneaky sympathisch. »Peter hat früher in einer Heavy-Band gespielt und ich in Rockbands.«

Diesmal also kein Zufall, sondern der absichtliche Energie-Kick für das Set. Sie lieben das »in your face thing« und da verwundern die wuchtigen Schlagzeugattacken auf dem Album überhaupt nicht. Doch sieht Sneaky ihre Musik nicht ausschließlich als männliches HipHop-Ding: »Wir haben ja auch feminine Tracks.« Oops! Wie bitte? Definitiv kein Versprecher, sondern eine lockere Haltung ohne jegliche Chauvi-Attitüde im Sinne der amerikanischen Testosteron-Monster. Hier wird HipHop nicht aus dem Schützengraben verteidigt, sondern assimiliert mit Können und entführt musikalisch auch einmal in Italo-Western-Szenarien eines Clint Eastwoods, der cool aus zusammengekniffenen Augen Django draußen zur Musik durch die verdorrten Sträucher stolpern sieht.

Währenddessen freut sich das Duo jedenfalls irre und beide sind gespannt wie kleine Jungs, ob ihre Platte auf fremden Tellern landet. Gegönnt sei es ihnen auf jeden Fall, denn Humor und Liebe zum Detail gibt es leider viel zu selten.

(Moritz Sauer)