Web 2.0 und so...
We are 8-Bit-People!
Selbst wenn YouTube jeden Tag Daten in Terrabyte-Größe in die Welt verschickt, Outlook in seiner neuesten Version mehr als 700 Megabyte Festplattenspeicher verschluckt und USB-Sticks mit 2 Gig niemanden mehr überraschen, so findet man doch noch jede Menge Menschen, die dem längst vergangenen 8-Bit-Heimcomputer-Zeitalter nachtrauern. Aber auch diese Menschen haben im Internet ein zuhause.
Eigentlich waren die Jungs von Commodore eine ziemlich verpeilte Truppe, wie man in der liebevoll geschriebenen Biographie „Commodore Story“ von Christian Zahn, Rainer Benda und Enno Coners nachlesen kann. Verwundert fragt man sich im Nachhinein, wie der C-64er zu einem Volkscomputer werden konnte. Trotzdem: Damals waren 64 Kilobyte die Welt, grobe Pixelgrafiken ein Genuss und quietschige 8-Bit-Musik State-of-the-Art. Aber auch die erste 8-Bit-Konsole von Nintendo oder der erste Gameboy prägten die Kindheit und Jugend.
Heute, mehr als zwei Jahrzehnte später ist 8-Bit-Musik, auch Chipmusik genannt, ein heisses Ding der Nostalgie. Gemeinsam mit Pixelgrafiken, die Designbücher füllen, in Kunstobjekten in Gallerien auftauchen oder hoffentlich bald auch im Museum, schwebt die Generation Golf in der eigenen Kindheit. Manche Menschen leben sogar in und von diesen 8-Bit-Welten: zum Beispiel das Designer-Kollektiv Eboy.
Selbst wer seinen alten 8-Bit-Computer verkauft hat, erlebt ihn heute neu mit Hilfe von Emulatoren und spielt seiner Kindheit einfach hinterher. Ob alte C-64er-Songs in Form von SID-Modules oder Spiele: Freaks und Geeks archivieren fleissig ihre Kindheit.
Noch besser als reines Archivieren, sind neue Kompositionen und 8-Bit-Produktionen. Eine rege Community rund um das Thema Chipmusic hat vor Jahren ihren Anfang in der Schweiz genommen. Unter dem Motto „lowtech music for hightech people“ formiert sich auf MicroMusic.ch eine rege und aktive Musikerschar. Die komponiert süchtig neue Sounds mit Werkzeugen, wie zum Beispiel Nanoloop für den Gameboy. Aber auch die Netlabel-Szene besitzt ihre eigenen 8-Bit-Stars. Allen voran sind das die beiden Netlabels 8bitpeoples und Jahtari.org. Während die 8bitpeoples reinen kristallklaren 8-Bit-Sound produzieren und gerne auch mal einen Mega-Mix aus Depeche Mode-Klassikern (MP3) zusammenschrauben, kombiniert Jahtari Reggae-Musik mit schrägen Computerklängen. Klingt komisch, ist aber mehr Dub und Bass als irgend etwas sonst. Ein Klassiker ist der Dub-Remix von International Karate.
Wie mein Deutschlehrer immer für ein Fazit vorschlug: Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es nicht immer das neueste krasseste Mainboard braucht, um Spaß zu haben. 8-Bit-Ästhetik lebt mehr denn je, Prost!