Nils Peter Molvaer – ER

Wenn elektronische Musik auf Jazz trifft, dann wird da gerne drauf hingewiesen. Dann hat das oft so etwas von, au schau, wir sind komplex, wir sind intellektuell. Jazz wird von Musikern nämlich immer gerne vereinnahmt, weil es einfach cool klingt, wenn man jazzy ist. Auf der anderen Seite tapsen dann auch gerne Jazzer, die ihren Jazz mit elektronischer Musik verweben wollen in einige Fettnäpfchen. Oft klingen solche Alben dann entweder esotherisch-kitschig, sind die Beats flach produziert und/oder der Jazzer hatte keine Ahnung von Sounddesign oder mochte dann doch nicht freakige Sounds, vor allem nicht auf seinem Instrument.

Glücklicherweise treffen diese Vorurteile nicht auf das Album des norwegischen Trompeters zu. Denn Nils Peter Molvaer arbeitet tatsächlich vorurteilsfrei mit seinen Produzenten zusammen und konzentriert sich in erster Linie auf sein elegisches und mondänes Trompetenspiel. Das klingt vor allem unglaublich nebelverhangen und melancholisch-düster. Der ein oder dem anderen mag das zu viel traurige Dichte, zu pathetisch sein, aber mit den komplexen und schweren TripHop-Beats gehen die komplexen Songs in die Weite. So richtig laut bauen sich da schwermütige Weiten mit Tiefe auf. Das hat schon was und ist äußerst eigenständig. Großartig schmiegt sich in das Ganze die großartig seelenwunde Stimme von Sidsel Endresen auf „Water“ und „Only These Things Count“. Ein elegantes und wehmütiges Album für einsame Stunden. Der Winter kommt.