Safety Scissors – Tainted Lunch
Das Berliner ~scape-Label für elektronische Avantgarde ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Wurde vor Jahren jede Dub-Ecke ausgeleuchtet, ob in Form von Dub-Schollen à la Kit Clayton oder dem abstrakten Dub von Label-Head Stefan »Pole« Betke, hieß es anschließend HipHop, aber der von der experimentellen Sorte. Mit Portable wurde dann letztens Techno eine neue Nuance hinzugefügt und jetzt stolpern wir über ein melodiöses Electronica-Album des Kalifornieres Safety Scissors. Und das hat es in sich. Denn anstelle sich in irgendeiner Knurspel-Ecke zu verstecken, produziert Curry astreinen synthetischen Pop. Der hat eindeutig eine von Berlin inspirierte Handschrift. Kein Wunder, hat er doch zwei Jahre im elektronischen Melting Pot verbracht, bevor es ihn wieder in den Sonnenstaat gezogen hat.
Doch anstelle sich in den 80ies zu verlieren und grau und harsch daherzustiefeln, wie sie es in Berlin lieben, bleept und blinkt es lustig und schrill. Curry selbst ist nicht der großartigste Sänger, aber er versteht es die Songs auf seine sanft-schüchterne Stimme abzustimmen. Darum ist »Tainted Lunch« jenseits dilletantischer Sing/Songwriter-Electroncia anzusiedeln. Das liegt unter anderem auch an den ordentlich dicken Beats, die unseren Beinen natürlich gern mal ein Bein stellen, aber immer mit einem amüsierten Guck-In-Die-Luft-Nase-Bohren-Grinsen. Außerdem nutzte der Komponist auch die Anwesenheit von gleichgesinnten Elektronik-Begeisterten wie Françoise Cactus von Stereo Total oder dem verträumten Erlend Øye. Mit letzterem hat er dann meiner Meinung nach den Hit des Albums geschrieben: »Sunligth On The Other Side«. Das sollte mal in eine Heavy-Rotation rutschen. Denn so klingt erwachsener und eigenständiger Electronica-Pop. Daumen hoch!