Mo's Netzmusik Kolumne
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Comfort Fit gehört zu den fettesten Produzenten in der Netaudio/Netlabel-Welt. Mit seinen Produktionen hat er es schon auf die Mercedes-Mixed-Tape-Compilation geschafft, hat Trailer für Videoclips produziert und tourt fleissig durch die Lande. Seine »Use It Or Loose It« EP auf www.tokyodawn.com ist »nur« ein Vorgeschmack auf das kommende Album, dass dann auch Rapper wie die Blacktronics um sich versammelt. Wie wenige HipHop-Produzenten versteht es Comfort Fit aufregende Instrumentals mit funky Dampf dahinter zu bauen ohne Langatmigkeit aufkommen zu lassen. Dabei bouncen seine dicken Brocken von Beats und werden immer smart von ausgetüftelten Breaks durchkreuzt. Das klingt einfach superb und easy und verliert nie den Flow. Dazwischen schweisst Comfort Fit quirlige Synthies, dreht rauschige Drumloops bis sie tight sind und gießt selten gehörte Samples dazwischen. Von den fünf Stompern fallen vor allem »kurz vor danach ganz ›05«, dass eine Beziehungsauflösung verarbeitet und der Kopfnicker »True Form« auf. Definitiv ein HipHop-Soundtrack, der seinesgleichen sucht – elegant, abwechslungsreich und ohne einen Aussetzer.

Chillig, aber ganz anders und mit mehr offensichtlichem als auch derben Humor kommt die Compilation »Wakka Chikka Wakka Chikka - Porn Music For The Masses Volume 1« von www.comforstand.com daher. Die Jungs und Mädels besorgen es uns richtig mit etwas anderen Porno-Tracks, die sich meist im Downbeat-Bereich tummeln und dorfmeisterliche Chillness verbreiten. Denn immer mit einem dicken Grinsen im Gesicht, werden uns hier Musikstücke vor die Füsse gelegt, die mal in schnieken Dessous, mal in aggressiven Latex gehüllt wurden. Dass darf dann mal mit brazzeligen Elektro-Beats daherstampfen, aber auch erfrischend zurückgelehnt klingen, wie der Stöhne-Track »Ici la Femme (XXX Mix)« von The Lounge King. Ein 17-köpfiger Sampler, der nicht nur lustig sein will, sondern auch ein paar Perlen beherbergt.

Gediegen und elegant mag es auch der Münchener Maxx Cavalerra mit seiner »Reflow EP« auf www.broque.de. Irgendwo zwischen Dub-inspirierten Echo-Wellen und sphärischem TechnoHouse lässt er seine eigenwilligen Tracks jenseits von standardisierten Sounds aus dem Kokon schlüpfen. Mit seinen gleitenden House-Tracks, die einen mit weiträumigen Sounds in Trance umarmen, wie z.B. in »Off The Beaten Track«, schafft er es DubTechnoHouse tatsächlich mal um ein paar neue Dimensionen zu erweitern. Dabei sollten die Tracks sowohl in einem Ambient-Set als auch in einem progressiv angehauchten Mix exzellent funktionieren. Ein weiterer Reinhörtipp ist definitiv auch das verträumte und acht-minütige »Abyss«. Sehr erwachsenes Material, dass kontinuierlich in den Nuancen wechselt und mit feinen Klängen experimentiert.

Auf dem Netlabel von Dirk Murschall, der unter seinem Künstlersynonym [in]anace in der ganzen Netz-Szene bekannt ist, werden in der Regel sehr experimentelle und herausfordernde Veröffentlichungen gestartet. Neben den neu dazugekommenen Visual-Releases gilt vor allem den Subsource-DJ-Mixen besonderes Augenmerk. Denn [in]anace hat es als einer der ersten begriffen seine DJ-Sets mit Netlabel-Only-Material zu mixen. Mittlerweile schaut www.subsource.de auf 31 DJ-Mixe zurück, die der in Nürnberg ansässige Soundgeek von international Künstlern zusammengesammelt hat. Neben reinen DubTechHouse-Sets gestalten sich vor allem die Ambient-Sets als eine aufregende Reise durch Sounds. Besonders empfehlenswert ist hierbei das ruhige und sich kontinuierlich entwickelnde SUBmix031-Set »jm_ - ASC.«. In alter Ambient-Tradition fliessen wir mit dem Franzosen Jean-Michel in einem stetigen Rauschen durch den Raum. Glücklicherweise hat Jean-Michel von störenden Avantgarde-Sounds abgesehen und lässt uns in seinen Soundscapes tief entspannen.

Wer luftige und leicht angetrancte TechHouse-Sounds liebt, wie die von Terry Lee Brown Jr. oder gerne Elektrolux-Releases anhört, der sollte sich unbedingt Herrn GuruFX vorknöpfen. Der dahintersteckende Produzent Michael Fröhlich, macht dabei dem Label-Slogan von www.1bit-wonder.com alle Ehre. Der lautet schlicht: »Every bit a hit!« Zumindest trifft das auf die mit Dub-Styles verschönerte »Exile on Mainstreet 52« EP zu. Hier schwingen gepflegte House-Beats die Hüfte und hangeln sich mit poppigen Flair durch technisch sehr sauber und edel produzierte fünf Tracks. Auch wenn es »nur« eine EP ist, gefällt mir vor allem der Versuch hier nicht stumpf ein paar Tracks zu präsentieren, sondern die 5 Tracks mit dem leicht schrubbig-schrulligen Electronica-Track »Endless Confusion« zu durchbrechen. Sehr edle und relaxte Musik für abgehangene Arbeitstage.