Mo's Netzmusik Kolumne
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Kontinuierlich nimmt die Qualität und Quantität an Netlabels zu und neben einer wachsenden Bandbreite an Sounds bilden sich auch immer mehr die Genres aus, dass ein DJ mittlerweile ordentlich Material für seine Techno, House oder Lounge-Sets findet.

Frank Biedermann – Wookiee Woods (stadtgruenlabel.net, Cover)

V/A – Janus (stadtgruenlabel.net, Cover)

So hat sich zum Beispiele das smarte www.stadtgruenlabel.net innerhalb des letzten Jahres ganz weit nach vorne gespielt. Neben einer interessanten YinYan-Philosophie liegt das vor allem an erstklassigen Veröffentlichungen. So rockt man mit dem Release [stadt004] von Frank Biedermann definitiv jeden Club. Treibende Bassdrums plus Bass-Gerüste mit fliegende Akkorden starten von Anfang an die Turbine. In England würde man das wahrscheinlich unter Progressive House einordnen, wir tanzen einfach. Aber stadtgruen ist auch weniger funktionell unterwegs und orientiert sich auch gerne mal thematisch. Denn mit der frostigen Compilation »Janus« [gruen007] klirrt der Winter in den grau-blauesten Schattierungen. Der breitgestreute Sampler vereinigt fast sämtliche elektronischen Stile von Ambient über DubTech bis hin zu IDM, die sich mit der eisigen Jahreszeit auseinandersetzen.

Acre4 – Rockspeed EP (legoego.de, Cover)

Lieblicher, ruhiger und mit mehr Besinnung tauchen die beiden Romantiker David & Antoine aka Acre4 mit melodiösen Tracks in die Weite Welt der Electronica ab. Die vier Musikstücke entstanden nach längeren Sessions in der Abgeschiedenheit. Aus den Sessions wurden die wesentlichen Bestandteile extrahiert und mit Liebe in sechs-minütige Musikförmchen gegossen. Dabei verströmen sie eine gutelaune Melancholie, spielen gerne ein wenig mit den Musik-Pluginns, verlieren aber nie die Song-Idee aus dem Blick. Die Songs selbst versüßen uns den Alltag mit ein bisschen Piano-Kitsch und sweeten, aber nicht klebrigen Melodien à la Lemonjelly. Träumereien sind schon was wunderbares. Unser Favorit »Rockspeed EP« [lego003] auf www.legoego.de ist definitiv »Number 22«.

Paul Keeley – Rocky Mountain Funk (epsilonlab.com, Cover)

Paul Keeley ist einer der virulentesten und aktivsten Netlabel-Musiker. Veröffentlicht hat er schon auf Thinner, Panospria und nun auch auf dem kanadischen www.epsilonlab.com. Seine »Rocky Mountain Funk« EP [EPS07] glänzt nicht nur technisch, sondern auch voller Melodie. Keeleys Trademark ist dabei ein klarer House-Sound mit kleinen Sample-Spielereien, die sich an den ultra-nervösen Funk von Akufen anlegen, ohne zu strapazieren. Gleichzeitig verströmen Pauls Tracks eine wunderbare Zurückgelehntheit. Irgendwie scheint es diesem Mensch so richtig gut zu gehen. Während melodiöse Funker wie »Neutron Funk« und »New Seclusion« in jeder Lounge willkommen sind und ein orange-farbenes Ambiente zeichnen, weiss der Produzent auch intelligent zu rocken. So ist »I can’t (stop)« einfach der Burner, der im Club stompt, schunkelt und nachdem alle anderen Tracks im Mix erst einmal ein wenig fade erscheinen. Also bitte nicht nur einreihen auf der Festplatte, sondern hören!

Trickform – Gedankenregen (tonatom.net, Cover)

Wer IDM-Sounds à la Funkstörung & Co. liebt, der wird im Internet zugeschüttet. Aus viel überflüssigem Datenmüll und Schmonz ragt da das schnieke www.tonatom.net-Release von Trickform heraus. Mit liebevoll angehäuften Percussions und Sounds, die wie kleine Flugkörper durch den Hallraum fliegen, entwickelt sich ein schönes unangestrengte EP. Süße repetitive Melodien kullern immer wieder in die Ohren und insgesamt schwingt die EP »Gedankenregen« [tonAtom.046] zwischen poppigem Ambient und ruhigeren Downbeats. Schon ein kleines Highlight für sich und schön in sich geschlossen. Reinhör-Tipp ist hier definitiv »Gedankentropfen«.

Ruben D’Hers – todo está en descanso (2063music.de, Cover)

Und alle diejenigen unter Euch, die sich gerne in die Untiefen von experimenteller Musik begeben, wie man sie z.B. gerne bei A-Musik hört, sollten sich unbedingt und in Ruhe das Ambient-Scape-Frickel-Album des venezuelanischen Künstlers Ruben D’Hers saugen. Das erscheint auf dem süßen und exeperimentellen www.2063music.de Label von Martin Wisnowski, der ein besonderes Faible für ausgefallene Sounds besitzt. Ruben D’Hers bewegt sich herbei zwischen ähnlichen Polen wie Rechenzentrum und Future Sounds Of London, indem er unterschiedliche Stimmungen, Sounds, Samples und Eindrücke gegeneinander stellt und abhebt oder auch diese gerne mal in einem Wirrwarr von Impressionen aneineinanderquetscht. Natürlich ist das sehr arty, aber nicht ohne Tiefe und narrative Formen. »todo está en descanso« [63lp004] braucht seine Zeit und wer behauptet, dass Musik immer entspannen muss??? Eine Perle für sich.