Mo's Netzmusik Kolumne
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Bzzz. Die kalte Winterzeit ist da. Die Gicht kriecht uns im feuchten Köln in die Knochen und ich mach in meinem kleinen Journalisten-Kämmerchen ein paar Kniebeugen. Euphorische. Mit Ibizza-Flair, pumpenden Tracks in Schleifenform und mit MDMA-Grinse-Akkorden, dass es nur so eine Freude ist. Schon mal Kniebeugen zu 140 BPM versucht. Da wird Dir sicher wieder warm. Denn mit dem Netaudio-Release »Another« von Emilsso, dass auf dem amerikanischen Netlabel www.heavy-industries.net erschienen ist, lässt sich feiern und hoppsen wie zu den besten Underworld Zeiten. Dabei gehört seine EP zu den richtig forsch kickenden TechHouse-Releases. Keine Schluffi-Clicks-Und-So, sondern ganz unprätentiös nach vorne marschieren ohne Schnörkel. Unser Fav of the day: »Another IV«, man kitzelt der unsere gute Laune.

Einen ganz anderen Ansatz hat da Lukas Nystrand. Der Szene-Aktivist der ersten Stunde, hat schon damals die Musikszene auf dem Commodore Amiga mit seinen Breaks verzückt. Zur Zeit ist er aber tief in die Disco-Welten abgetaucht und veröffentlicht auf Labels wie www.choqolat.org, www.tokyodawn.com oder seinem eigenen www.skylined.org/ageema. Während zu Anfang »A little bit« auf Choqolat verschlafen seine Runden dreht und wirkt, als hätte man Tonnen von Blei in den Beinen, kommt mit langsam sich hochdrehender Disco-Loop gemütliches Regenbogenfarben-Flair auf und wir swingen unter den Strahlern. Richtig umgehauen hat mich der Skandinavier aber mit »The Fruit Of Our Hard Work«-EP auf Tokyo Dawn. Da versteckt er seine Tracks unter einem fusseligen Teppich voller Samples, Krach und Rauschen. Dazu klimpert und zaubert er auf seinen Keyboards und Rhodes, dass es für ein Album gerreicht hätte. Lukas Nystrand-Tracks sind meist harsch abgemischt, sind ein wenig noisig und, klingen zuerst beliebig in ihrem Sound und Melodien. Im Endeffekt sitzt man als Zuhörer aber in einem großen Karussel, dass sich um Pop, Jazz und freakige elektronische Musikkultur dreht. Denn Lukas schiebt einem gewieft so kleine süße Melodiefetzen in die Ohren, die kurz zwischen dem Wust aus Beats und Samples auftauchen und dann wieder vom Treiben verschluckt werden, während der Bass weiterzockelt. Außergewöhnlich eigen.

Mit seiner »L’Ordre des collisions«-EP hat Pheek, der früher unter anderem auch auf Force Inc. veröffentlicht hat, dass junge Netlabel www.clevermusic.net losgetreten. Das Clever Music-U-Boot will dabei in Zukunft in die Tiefen des Minimalismus mit technoiden und housigen als auch dubbigen Riffen abtauchen. Die Latte legt Pheek da schon einmal richtig hoch. Leicht düster, aber mit einer fröhlich fast heiteren Art mit Rhythmus-Schnipsel um sich werfend, bouncen wir mit dem Kanadier auf stoisch-funkigen Detroit-Flavour-Beats durch die Gegend. Ganz klar winkt hier die Ästhetik und Rhythmus-Gewieftheit von Altmeistern wie Cristian Vogel oder Robag Wruhme. Denn Pheek reduziert seine Tanzmusik auf Rhyhtmus und einen Groove das sich ein Richie Hawtin freut. Dazwischen flüstern oder zwitschern schräge Sounds, blubbert eine undefinierbare Synthiesuppe und Melodien sollte man erst gar nicht anfangen zu suchen. Einfach nur mitwippen, dem Techno-Groove folgen und schunkeln, schunkeln,…

Zum Schluss gibt es noch das dickste Netlabel-Release der letzten Zeit. Mit sage und schreibe 28 Tracks und einer Spielzeit von 2:21:02 leuchtet die Compilation »Intelligent Toys 2« auf www.sutemos.net sämtliche Ecken von IDM aus. Früher hieß das mal Intelligent Techno, heute ist es ein Spielplatz, den unsere Freunde von Funkstörung oder Autechre planiert haben. Das Audio-Designer Beats immer noch gerne stolpern lassen, beweist diese Compilation, die mit dem wunderbaren Ambient-Stück »Brouillard« von Marsen Jules das Szenario eröffnet. Besonders gefällt mir unter anderem Ruxpin mit »You Look Lovely in This Spacesuit«. Der lässt das Beat-Schreddern einfach sein und schwebt atmosphärisch auf dunklen Klangteppichen. So könnte sich auch ein Warpfeld bei der trägen Arbeit anhören. Interessant an der Compilation ist auch der Fakt, dass sich hier bekanntere Künstler wie Ulrich Schnauss (City Centre Offices) oder Manual (MorrMusic) tummeln. Ersterer mal wieder mit einem äußerst herzerweichenden Kitsch-Track, der schon so ein wenig Weihnachten einläutet… Zwar ist nicht alles klasse auf diesem Sampler, aber hey, beschwert Euch nicht, er ist wie alle vorgestellte Musik umsünst… Cheers!