Das kleine 0 und 1 der Webmusik – Von Downloads & Gadgets

Wer hat zuletzt noch einen richtigen Old-Skool-Walkman gesehen? Wer überspielt heute noch analog seine Vinylplatten und CDs auf Tapes? Selbst 40-jährige Bizniz-Frauen verschieben heutzutage nur noch Daten, wenn sie Musik hören wollen. Ein kleiner Exkurs über Quellen und Player.

In der Dotcom-Blase feierten IT-Spezialisten, Cyber-Freaks, Geschäftsmänner und jede Menge Startup-Firmen die große Errungenschaft Internet. Die Herzen schwollen überschwenglich vor Cyberromantik und die Taschen voller Geld für irrsinnige Ideen. Danach dachten viele »von wegen Revolution!?!«.

Doch das Netz hat vieles verändert. So klammheimlich und stetig hat sich das neue Medium ausgebreitet und sich fest in unserem Alltag, Berufsleben und Freizeitverhalten verankert. Immer mehr Menschen gucken WWW anstelle TV. Immer mehr Menschen haben Breitbandanschlüsse, surfen schneller und kommunizieren in Echtzeit. Technik verändert das Leben, vor allem das Surfen auf der Datenwelle. Am härtesten bekommen das alle Industrien mit, deren geistiges Gut oder Services digitalisierbar sind. Dazu gehören Bücher, Bilder, Filme und natürlich Musik.

So hört man zum Beispiel aus Südkorea, wo die Uhren ein wenig schneller gehen, dass die Musikgeschäfte immer schneller ihre Pforten schließen aufgrund der großen Durchdringung mit Breitbandanschlüssen. 95% aller landesweiten Musikgeschäfte mussten in den letzten fünf Jahren schließen. Die CD-Verkäufe gingen um rund 50 Prozent zurück. Derzeit gibt es noch rund 400 Geschäfte.

Menschen gehen eben den bequemen Weg und der lautet WWW… denn da spielt die Musik

Lange hat die Industrie gejammert und versucht auch heute immer noch mit Klagen die Menschen zu verunsichern und abzuschrecken. Bei einigen funktioniert es, bei den meisten nicht. Doch es geht auch anders, wie Apple mit dem iTunes Musicstore vorgemacht hat. Der funktioniert nach wie vor wunderbar, erfreut sich stetiger Beliebtheit dank exzellenter Software und baut kontinuierlich sein Angebot aus.

Dank der Pionierarbeit des Äpfelchen-Unternehmens, dass innerhalb weniger Wochen mal eben eine Million Downloads vertickt, kam dann letztes Jahr endlich Schwung in den Online-Handel.

Mittlerweile gibt es deswegen endlich eine ganze Bandbreite von Services, die alle versuchen im Online Musikgeschäft mitzumischen. Dazu gehören musicload.de, das Download Portal von t-online, connect.com, das Sony-Angebot, popfile.de, der Online-Vertrieb von Universal Music, eventim-music.de, kontor.cc und das noch sehr junge finetunes.de, das nicht auf den Mainstream schielt, sondern versucht die Indie-Labels online zu hiefen.

Von mp3-Scouts und Portalen

Natürlich gibt es auch ganz legale Wege kostenlose mp3s aus dem Netz zu fischen. Dazu gehören zum Beispiel die noch übrig gebliebenen Musikportale besonic.com und vitaminic.com. Unbekanntere Künstler finden dort ein digitales Heim, um sich und ihren Sound zu präsentieren. Ähnlich funktioniert epitonic.com nur dass Ihr hier von etwas bekannteren bis zu gut bekannten Acts gratis Sounds auf die Ohren bekommt.

Anders funktionieren da die Scouts von tonspion.de und phlow.net. Während sich der Tonspion seit Jahren darauf spezialisiert hat, Promo-mp3s von Bebel Gilberto über Tom Waits bis hin zur Mediengruppe Telekommander zu finden, featured das kleine Magazin Phlow die Netlabel-Szene und ihre Künstler.

Graswurzelrevolution Netlabels

Seit ungefähr zwei Jahren sprießen immer mehr Netlabels (Glossar) aus dem virtuellen Bodensatz des Internets. Gründe dafür gibt es jede Menge. Denn Netlabels vertreiben ihre Musik direkter und können schneller ihre Releases unter die Leute bringen. Außerdem sind sie im Gegensatz zu traditionellen Vinyl-Labels weitaus kostengünstiger und können experimenteller arbeiten, da die Betreiber außer Webspace-Kosten keinerlei finanzielle Risiken einzugehen brauchen. Und last not least benutzen auch immer mehr DJs digitales Equipment zum Mixen.

Wer poppige Clubmusik von Downbeats über Drum&Bass bis hin zu Electronica liebt, sollte seinen Mauszeiger auf jeden Fall in Richtung hippocamp.net und ideology.de bewegen. Indietronics-Fans sind dagegen sehr gut mit starvingbuthappy.tk berraten. Für HipHop und R’n’B-Fans ist dahingegen tokyodawn.com ein Muss. Wer es so richtig clubbig mag, dem sei thinnerism.com, stadtgruenlabel.net, textone.org und realaudio.ch empfohlen. Und alle, die A-Musik & Co. in ihr Herz geschlossen haben und experimentelle Klänge und Ambient bevorzugen, sollte sich unter anderem mal auf 2063music.de und subsource.de umschauen.

Noch mehr Netlabels findet ihr übrigens im Netlabel Catalogue unter netlabels.de.

Neue Brosche? Nö, mp3-Player!

Lustig wie die Zeiten und Moden sich ändern. Heute heißt es wirklich »Welcome to the Future«. Musik verschwindet immer weniger in der Tasche, sondern baumelt lustig um den Hals zum Kopfnicker-Takt. Die Geräte sind so klein, man würde sie evtl. nicht mehr in den Hosentaschen wiederfinden. Darum hängt man sich die Klang-Juwelen einfach um den Hals, z.B. den Flash-mp3-Spieler (Glossar) iRiver N10. Der möchte als Collier getragen werden, während das Display in kühlem Blau leuchtet. Sonys neuer Festplattenspieler VAIO Pocket VGF-AP1 ist da schon größer, mit Mäusetastatur und schniekem Farbdisplay, dass auch als Minifotoalbum taugt. Genau das plant auch Apple für die zukünftige Generation des Alltime-Klassikers iPod. Dann soll das Display in Farbe und höherer Auflösung brillieren. Über einen integrierten Video-Out-Port flimmern die Fotos dann sogar auf dem TV-Bildschirm. Bodenständiger und schön kompakt präsentiert sich da die Nomad Jukebox Zen Xtra als schmucke Zigarettenschachtel, ähnlich wie die Micro-Audio-Jukebox von Philips.

Also Geräte gibt es genügend. Von Massenspeichern bis USB-Sticks sollte jeder sein Gadget der Wahl finden.

Glossar

Netlabels

Netlabels sind mit klassischen Labels im Musikbusiness vergleichbar. Doch die virtuellen Labels veröffentlichen in der Regel keine CDs oder Schallplatten mit den Werken ihrer Musiker, sondern stellen die Musik als kostenlosen Download in Form von mp3- oder OGG-Vorbis-Dateien zur Verfügung - in CD-Qualität meist enkodiert mit 192kbps. Zur Zeit operieren die meisten Netlabels noch im Bereich der elektronischen Musik, doch langsam entstehen immer mehr Indie- und Rock-Netlabels.

Tipps für den Kauf eines mp3-Players

Wie bei den meisten Dingen im Leben: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Darum solltet Ihr beim Kauf eines mp3-Players unbedingt auf folgende Merkmale achten. In allererster Linie sollte der Sound superb klingen. Vielen Spielern fehlt z.B. eine ordentliche Portion Bass. Nehmt gute Kopfhörer und testet im Laden selbst. Lasst Euch nicht von optischem Schnickschnack blenden. USB-Playern haben den Vorteil, dass sie keine Mechanik besitzen, dafür aber einen begrenzten Speicher. Der sollte mindestens 256MB betragen, sonst seid ihr ständig am Nachladen. Außerdem solltet Ihr auf die unterstützten Formate achten. Wäre doof, wenn die eigene Sammlung aus WMA-Dateien besteht, die der Spieler nicht unterstützt. Schließlich sollte der Player auch noch unkompliziert betankt werden können, ohne das die Sounds erst konvertiert werden müssen.