Mo's Netzmusik Kolumne
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Am 27.08.04 hieß es im Kölner Sensor »Monsters Of Netlabels«. Während in der darüberliegende Essigfabrik die Demo-Szene-Party Evoke brodelte, wurde im Club der Clash der Netlabels gefeiert. Mit an Bord rockten, schunkelten und chillten die Netlabels Stadtgrün, iD.EOLOGY, Tokyo Dawn, Thinner, LegoEgo und Park Studio. Ein Evoke-Special ;)

Marc »Prymer« Wallowy gilt als der Kopf hinter tokyodawnrecords.com dem R’n’B-HipHop-Netlabel Nummer 1. Mit seinem kürzlich veröffentlichten Label-Mix »Closer Mixtape« stellt er mal knackig und eloquent 24 produzierte Tracks seine internationalen Posse vor. Besondere Aufmerksamkeit verdient jedoch »Minimal« von The Tape feat. RPM. Der smooth-reduzierte HipHop-Track mit weichen Männer- und Frauenvocals, gewinnt sogar noch an Präsenz durch die zwei exzellenten Remixe von Cuebism und Saine. Mos Def würde dazu sicherlich mitnicken.

Wer auf deutschen HipHop mit Tiefgang steht, sollte sich die neue Compilation »Music Is About People« auf ideology.de zu Gemüte führen. Nachdem das Netlabel mit der australischen Band Velure gezeigt hat, wie melancholisch und düster TripHop/Drum&Bass klingt, bricht nun Nachwuchstalent Slomo neben seinen Kumpels den Broke Gringos, dass Herz eines jeden Musikliebhabers und fragt: »Was Für eine Welt?«. Während jazzig verspielt das Instrumental über die Domplatte kriecht, schüttelt der Beatbastler nur mit dem Kopf. Quintessenz Leben: »Essen, Schuften, Ficken, Sterben«?

Das Gegenteil mit leuchtenden Augen ist der 19-jährige Martin Donath vom stadtgruenlabel.net. Selbiges betreibt er gemeinsam via Datenleitung mit seinem Freund Axel Bergk und verschreibt sich gerne der Feiermentalität. Gemeinsam mit Kollege Dataman knarzte Monsieur Donath furztrocken auf Acidlines durch die Netlabel-Night. Die düsteren Technotracks von Dataman befinden sich auf dessen »Abstrahism«-EP und nageln hemmungslos mit verschrobenen Beats jeden Techno-Liebhaber auf die Tanzfläche. Psycho.

Thinner unterrepräsentiert durch Absagen und Krankheit eröffnete den Abend mit einem sphärischen Ambient-Set von Martin Juhls aka krill.minima. Der Dortmunder, der mittlerweile auch auf City-Center-Offices veröffentlicht, knisterte dubbig durch den Club und tauchte selbigen in nachdenkliches Licht. Seine vor Kurzem auf dem Sublabel autoplate.org erschienene Ambient-EP »Yara« klingt da schon fröhlicher und konzentriert sich auf die akkustischen Momente im Leben. Intensität mischt sich hier mit Melancholie und weitschweifiger Verlorenheit, die auf Soundschleifen tanzt.

Ein weiteres Highlight war der Band-Auftritt von parkstudios.net. Zwar ein wenig zu chillig für den fortgeschrittenen Abend, jedoch mit wunderbar relaxtem Sound präsentierte die vor kurzem zusammengeschweisste Band den Downbeat-lastigen Label-Sound. Wer auf verrauchte Beats und Nachdenklichkeit steht, sollte sich den Track »Nicolette« von Falcon ziehen. Aber auch »Splinter« von A-Move und Velvet ist so eine süß-traurige Klangperle. Während die runden Sinustöne kullern, smoov ein paar Pads den Blues spielen, bratzelt die Basslinie auf dem rechten Ohr. Wir schlürfen meanwhile unseren Kakao mit Sahne und Amaretto. Cheers.