Wiley – Treddin' On Thin Ice
Wenn es um elektronische Musik geht, tickten die Briten immer schon anders. Deutsche brauchen eher einen soliden und konstanten Bumms unten ›rum. Die Inselbewohner lieben es vielfältiger und vor allem verehren sie Breakbeats. Das hat uns musikalische Wellen von Happy Hardcore über Jungle über Drum&Bass bis hin zu UK Garage beschert. Und jetzt Grind. Das ist der neue Liebling der Presse, der den Engländern vor allem auch Emanzipation vom amerikanisch geprägten HipHop verspricht. Während der Trend schon eine ganze Weile unter der Oberfläche geköchelt hat, schiebt sich nun das erste dicke Release in die Läden. Wiley ist sozusagen der Eisbrecher für eine neue Welle, die auch The Streets beeinflusst hat. Grind ist dabei so eine Art Hybrid aus flockig-hektischen 2-Step-Beats, grumpfenden und grollenden Basslines, wie man sie vom Drum&Bass her kennt und jeder Menge Rap. Dazwischen blitzen immer wieder lustige Sounds und oppulente Synthie-Streicher. Zwar hat auch schon Missy Elliot und Timbaland hektische Beats gebaut, aber Wiley treibt das Ganze auf die Spitze. Richtig relaxt ist das nicht, sondern es macht einen schon leicht hibbelig, auf Dauer. Irgendwie fehlen dazwischen einfach mal paar Atempausen. Und sooo superneu ist dieser Insel-Hype nun auch wieder nicht. Aber fusioniert trickreich Genres und bettet Raps in ein Club-orientiertes Umfeld. Und das ist fast schon wieder aufregend.