Mo's Netzmusik Kolumne
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Festplatte säubern, Modem entstauben, Leitung freihalten, Musik ab! Erst einmal geben wir brav in der Adressleiste die Webadresse von miasmah.com ein.

Das leicht-schrullig anmutende Netlabel beherbergt einige der derzeit interessantesten Releases. Bodenständig und richtig klasse ist z.B. die »Instrumentally Ill EP« (mia049) von Aphilas. Mit bezwingenden Grooves, schlackernden Beats und knuffig angejazzten Samples begeistern uns sechs unglaublich ausgetüftelte Tracks. Selten zufrieden haben wir so nach MC Solaars Album »Qui Sème Le Vent Récolte Le Tempo« und Mr. Scruffs Jazz-House-Anthem »Get A Move On« gegrinst. Sehr edle verrauchte Downbeats, die sich hervorragend fürs Sesselsurfen eignen. Wer es ambienter mag, sollte mal in die »Lighted Apartment«-Compilation reinhören.

Deutlich elektronischer geht es da auf dem deutschen stadtgruenlabel.de zu. Elegantes Design, trifft auf eine YinYan-Mentalität, die intelligent die Dualität des Labels unterstreicht. Denn die Releases werden in »stadt« und »grün« eingeteilt. Während die Stadt abgebrüht rau und düster klingt, sollen die grasfarbenen Veröffentlichungen schweben. Tun sie auch, wie Martin Donath beweist. Seine Vier-Tracker-EP »Dimanche« entwickelt einen richtigen mellow-smoothen Vibe, wie eben ein Sonntags-Morgen-Latte-Machiato mit viel Schaum schmecken sollte. Die deepen Housetracks nehmen sich Zeit, stellen einen Benjamin Wild kalt und shufflen mit knackigen Hihats wie Hölle. Anspieltipp: »Soleil Levant«.

Ein Stockwerk deeper im Keller von realaudio.ch beweist ein weiteres Mal Marko Fürstenberg, dass er nicht nur im Netz zur Crème der Minimal-Produzenten gehört. Klar haben wir schon oft im Bunker zu Basic Channel Minimalismus getanzt und haben so einiges gehört. Zwar fehlen hier ein wenig neue Ansätze, aber der Klang, diese düsteren Eisklangschollen, das weiße Rauschen und diese unglaubliche Tiefe heben »inaxa stream« heraus aus der Menge an billigen Plagiaten. Eine EP, die einem die Anmut von grauen langsam über den Himmel ziehenden Gewitterwolken vor Augen führt. Und wenn seine Klangschollen so brachial im Hall fast zu zerbersten scheinen, sind das schon erhabene Momente.

Klar, dass wir danach wieder ein wenig Lebensfreude tanken wollen. Also Mauszeiger gen Süden und ab zum spanischen Electronica Netlabel sosoft.tk. Hier herrscht die putzige weite Welt der Electronica. Wo der Künstler Bacanal Intruder ein wenig nach Hausmeister von Karaoke Kalk klingt, kullern die Songs von An Analog Hamster niedlich wie die von Isan auf Morr Music in unsere Ohren. Bei letzterem tropfen die sweeten Sinustöne aus dem Nichts und hinterlassen bei uns ein Gefühl der selbstverliebten Ruhe. Ganz anders, noch einen Tacken witziger und eigensinniger klingen die Kompositionen von Luis Solis auf seiner »Shake the Christmas Tree« EP. Irgendwie klingt die, als ob er in einem riesigen Kinderzimmer sitzen würde und mit Genuss Rasseln aus jeder erdenklichen Lage schwingt und auf dem Kinderglockenspiel herumexperimentiert. Auch findet er reichlich Gefallen an allerlei Kinderklimbim und spielt feixend mit den Dingen. Wie zufällig entdeckt er dabei ein paar Melodien. Manchmal klingt das dann reichlich verschroben, manchmal finden die Songs aber wieder zurück auf ihren Weg gen Pop. Tomlab-Freunde sollten zuschlagen.