Mo's Netzmusik Kolumne
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Während die einen Einknicken und Heulen angesichts der Verkaufszahlen und dem drohenden Versiegen der Einnahmen, bevölkern die anderen die Filesharing-Systeme und saugen am Leitungsende ohne Gewissen. Aber, hey, es geht auch kostenlos und legal. Herzlich Willkommen in der fabelhaften Welt der Netlabels! Hier findet ihr wahre Schätze, neue Vertriebsformen und das korrekte Quäntchen Subversivität, dass der Industrie 2004 noch das Fürchten lehren wird.

Also Leitung frei, Browser auf und hippocamp.net ahoi! Denn wer gerne nuancenreiche Electronica liebt, ob verschroben, experimentell oder mit Pop-Flavour dirigiert seinen Mouse-Zeiger am besten ins virtuelle Manchester. Vor allem entzücken immer wieder die Badfinks mit einem durchgeknallten Karton voller amüsanter Breakbeat-Überraschungen. Wer die amüsanten, humorvollen frühen Jahre von Mouse On Mars liebt, wird die sweeten Melodien mit mal knüppelnden, mal knuddeligen Beats einfach an sich drücken. Anspieltipps: »Weiff, Ich« (hc022) und »i’m lyearning« (hc042). Wer es ein wenig ruhiger und relaxter mag, sollte sich bei den Downbeat-Tracks der The Sunshine Family (hc035) umschauen und dann zurücklehnen.

Einen Ticken verschrobener geht es in der Netlabel-Rumpelkammer von comfortstand.com zu. Neben skurrilem Material für Liebhaber von »Oddities« stauben die Betreiber auch gerne verschütt gegangene CD-Releases ab, bei denen man sich freut, dass sie gefunden und re-releast wurden. Twizzle (csr002) ist so ein Schätzchen, dass Vergleiche mit Goldfrapp und Ex-TripHoppern à la Tricky nicht zu scheuen braucht. Ohne Berührungsängste werden hier Stile an- und durcheinandergereiht von Jazz über Chanson bis hin zum sanften Marsch. Opulent und voller Mystik schweben da Streicherklänge. Wie eine Diva aus alten Zeiten haucht da die Sängerin und an uns zieht ein sepia-getönter Film vorbei, bei dem De-Phazz neidisch wird. Wer es skurriler mag sollte sich die Sammlung von Kassetten-Aufnahmen (csr004), die Kinder in vergangenen Tagen mit ihrem Tapedeck aufgenommen haben, genauer anhören. Am besten von allen performed jedoch virtuos Grandpa Norm. Denn er ist »a gifted one«. Sehr lustig und persönlich, singt er für seinen Enkel ein paar Songs auf Tape. Das ist so süß, dass einem kontinuierlich Tränen der Rührung die Wangen herabrollen. Aber auch ein dickes Schmunzeln, wenn mitten in seiner Performance die Türglocke klingelt. So etwas gibt es definitiv auf keinem anderen Tonträger ;)

Bodenständiger und richtig klasse ist die »Instrumentally Ill EP« (mia049) von Aphilas auf miasmah.com. Denn mit bezwingenden Grooves, schlackernden Beats und knuffig angejazzten Samples begeistern uns sechs unglaublich ausgetüftelte Tracks. Selten zufrieden haben wir so nach MC Solaars Album »Qui Sème Le Vent Récolte Le Tempo« und Mr. Scruffs Jazz-House-Anthem »Get A Move On« gegrinst. Sehr edle verrauchte Downbeats, die sich hervorragend fürs Sesselsurfen eignen.
Für vertiefende eigene Recherchen solltet ihr unbedingt auch hier mal vorbeisurfen: ideology.de, interdisco.net oder monotonik.com, dem Klassiker und Vater aller Netlabels.