Tanzbar
Takeo Toyama – Hello 88
Warum habe ich immer das Gefühl Japaner seien so anders, hätten so eine ganz eigenartige Phantasie? Wahrscheinlich liegt es an meiner Rezeption: Haruki Murakami, Nobukazu Takemura, Towa Tei und nun Takeo Toyama. Vielleicht auch, weil Japan einfach anders tickt. Takeos Album ist da keine Ausnahme. Auch wenn es elektronische Verfremdungen und Spielereien besitzt ragt es doch aus den Karaoke Kalk Releases einsam heraus. Das liegt vor allem an analogen Instrumenten wie Klavier, Blockflöte oder Orgeln. Obendrein ist es weniger naiv und lustig, wie das Cover einen mutmaßen lässt. Manchmal wirken die disharmonischen Akkorde fast schon bedrohlich düster. Außerdem verblüfft das Album durch Dynamik, Rhythmuswechsel und verschließt sich erst einmal vollkommen der Wahrnehmung als elektronisches Album. Denn die kleinen Song-Geschichten wirken sehr live und wie von einem eigenwilligen Orchester gespielt. Sich wiederholende Sequenzen tauchen seltenst auf, vielmehr verändern sich die Stücke, mutieren von niedlichen Melodieverläufen zu melancholischen Gewittern. Während des gesamten Albums hat man das Gefühl, man säße mit Takeo in seinem Zimmer und würde einfach lauschen dürfen. Sehr privat, traurig und gefühlvoll anders.