Bleeps & Clonx
Thomas Jirku – Entropy
Wie Björk für Ihren Song »Cover Me« auf ihrem Album »Post« in eine dunkle Höhle mit Mikrofon bewaffnet gekrochen ist, so schickt uns Thomas Jirku in seine digitale Tropfsteinhöhle. Langsam rollen hier die schweren Techsounds von den Stalagniten und fallen in die Tiefe des Raums und hallen noch lange nach. Vorsichtig sendet der in Kanada lebende Tscheche sein Echolot damit wir uns nicht den Kopf stoßen und trägt uns auf weichen in der Tiefe brummenden Basslinien nach vorn.
Dabei blitzen die Beats kristallen, glitzern wie ungeschliffene Diamanten und schneiden die Atmosphäre in kleine Scheiben. Abstrakt zeichnet Thomas Jirku mit rhythmischen Knacksern und dubbigen Klängen Rhythmik und Anmut von Dancehall und Roots Dub Sounds nach. Gelassen setzt er sich neben Pole und Rhythm and Sound ohne sich anzubiedern.
Mit seiner Taschenlampe beleuchtet er in abwechslungsreichen 11 Tracks rhythmische Exkursionen und schaut auch im tiefliegenden Graben Drum’n’Bass vorbei und reduziert ihn formschön. Intelligent werden hier Tracks gebaut, die trotz ihres Minimalismus und ihrer Abstraktheit zu grooven wissen. Vor allem in der Tiefe der Nacht, während der Bildschirm das Zimmer erleuchtet, entfaltet sich »Entropy« zu einem wundervoll komplexen Album, dass eine melodiöse und gelassene Atmosphäre verbreitet. Wirklich großartiges Kino.