Fachbeitrag
Podcast: Netzradio zum Runterladen

Nach Weblogs, Wikis und RSS ist Podcasting seit mehreren Monaten der heißdiskutierte Trend im Internet. Denn ein Podcast verspricht seinem Anbieter, zum eigenen Radio-Programm-Chef zu werden. Und das mittels nur einer Datei: einem RSS-Feed, der als Distributionskanal dient.

»Podcast« bzw. die aktive Form »Podcasting« ist ein Kunstbegriff aus »iPod« und »Broadcasting« und wurde im letzten Jahr vom Ex-MTV-Moderator Adam Curry erfunden. Podcasting kann man als eine Art zeitversetztes Radiohören bezeichnen, da die Radiosendungen nicht live gestreamt, sprich ausgestrahlt, werden, sondern als Download vorliegen. Mit einer von Adam Curry mitentwickelten Software können neu erschienene Audiodateien automatisch in die Apple-Musiksoftware iTunes übertragen und von dort auf den iPod gebeamt werden. Natürlich können auch iPod-lose Benutzer den Lieferservice nutzen. Denn es spielt am Ende keine Rolle, mit welcher Software oder Hardware die Audiodateien konsumiert werden.

Denn mittlerweile gibt es die unterschiedlichsten Programme, die Podcasts verwalten und »verstehen« können. Die sogenannten »Podcatcher« können in der Regel kostenlos aus dem Netz bezogen werden und spielen oftmals die Audio-Dateien im Player Ihrer Wahl ab. Zu den Open Source- und Freewareprogrammen gehören unter anderem Ipodder, Nimiq und Jpodder (siehe Links am Ende des Artikels).

Wie funktioniert ein Podcast?

Eigentlich kennzeichnen Podcasts keine technische Neuerung, da ein Podcast nichts anderes ist als ein News-Feed der Version RSS 2.0. Das Besondere an einem Podcast ist jedoch, dass er sich ein Tag in der RSS-2.0-Spezifikation zunutze macht. Nämlich das <enclosure>-Tag, mit dessen Hilfe man der Newsticker-Datei in Form eines Links jegliche Mediadateien mitgeben kann. Die Podcatcher, im eigentlichen Sinne News-Aggregatoren, lesen hierbei die Information aus und laden die verlinkte Mediadatei automatisch aus dem Web und im besten Fall gleich auf den iPod.

Vom Aufnehmen bis zum Abspielen: der Weg eines Podcasts
Podcast-Workflow (CC 2005, Podcast.de)

Funktionsweise der RSS-Technik

RSS ist ein auf XML beruhendes Dateiformat für die Verbreitung (auch Syndizierung genannt) von Website-Inhalten. In Form so genannter RSS-Feeds veröffentlichen Webmaster die Schlagzeilen ihrer Seiten in einheitlicher, maschinenlesbarer Form – in unserem Falle ihre Audio-Dateien. Stellt zum Beispiel Adam Curry eine neue Radiosendung über sein Blog www.dailysourcecode.com online, wird gleichzeitig zu seinem Weblog-Eintrag ein neuer Feed generiert. Dieser Feed kann über eine konstante URL abgerufen und anschließend von Scripten und Programmen ausgelesen werden.

Podcast-RSS-Feed-Generator
Podcast-RSS-Feed-Generator

Mit dem Podcast-RSS-Feed-Generator erstellen Sie schnell und unkompliziert Ihren eigenen Podcast.

Podcasts selbst gebaut

Damit ein Podcast funktioniert, brauchen Sie lediglich eine Audiodatei und einen RSS-Podcast-Feed. Beide Dateien müssen natürlich online verfügbar sein. Beachten Sie hierbei, dass Sie bei der Audio-Datei keinerlei Copyrights verletzen. Am besten zeichnen Sie direkt selbst Ihre Sprache auf. Für Aufnahmen eignet sich unter anderem hervorragend der Open-Source-Musik-Editor Audacity, den Sie kostenlos unter www.audacityteam.org herunterladen können (mehr dazu siehe Box).

Um Ihren ersten Podcast zu bauen, benutzen Sie den »Podcast-RSS-Feed-Generator«, den Sie unter tdscripts.com/webmaster_utilities/podcast-generator.php finden. Dieser hilft Ihnen beim Erstellen Ihres ersten Podcasts. Anschließend können Sie diesen dann mit einem einfachen Editor weiterpflegen. Leider erzeugt der Generator lediglich englische Feeds und unterstützt keine deutschen Sonderzeichen wie »öäü«. Öffnen Sie deshalb den Feed in einem Editor und ersetzen Sie in der obersten Zeile den Eintrag

<?xml version="1.0"?>

mit

<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1"?>

Nun funktioniert dieser Feed auch mit Sonderzeichen, und Sie können Ihren Podcast-Feed online stellen. Zum Schluss sollten Sie ihn noch auf Validität überprüfen. Dazu kopieren Sie einfach den Link zu Ihrem Podcast in die Suchmaske des www.feedvalidator.org.

Pflege und Erweiterung des Podcasts

XML-Dateien wie RSS-Feeds sind modular aufgebaut, logisch ineinander verschachtelt und können kontinuierlich erweitert werden. Um Ihrem Podcast eine weitere Audiodatei plus Informationen hinzuzufügen, müssen Sie lediglich den Abschnitt inklusive der beiden <item>-Tags kopieren und hintereinandersetzen.

<item>
<title>Titel der Aufnahme</title>
<description>Beschreibung der Aufnahme</description>
<pubDate>Datum der Aufnahme</pubDate>
<enclosure url="http://link-zum-mp3.de/musikdatei.mp3" length="4444444" type="audio/mpeg"/>
</item>

Rechtliche Schwierigkeiten

Auf der sicheren Seite sind Sie mit Ihrem Selfmade-Sender nur, wenn Sie ausschließlich GEMA-freie Klänge ausstrahlen. GEMA-freie Musik finden Sie unter anderem bei Netlabels. Schauen Sie einfach einmal in den Netlabel Catalogue von www.netlabels.org. Dort finden Sie zahlreiche Musiklabels, die es erlauben, dass Ihre Musik weiterverbreitet wird, solange sie nicht kommerziell genutzt wird.

Eine Radio-Sendung mit Audacity aufnehmen

Audacity-Einstellungen
Audacity-Einstellungen

Nach den grundlegenden Einstellungen ist die Open-Source-Audio-Software Audacity bereit für die Aufnahme.

Damit Sie mit Audacity richtig aufnehmen können, öffnen Sie nach der Installation das Programm und den Menüpunkt »Datei/ Einstellungen«. Verfügen Sie jedoch noch nicht über den Open-Source-MP3-Codec LAME, sollten Sie diesen zuvor aus dem Internet herunterladen. Diesen finden Sie z.B. unter www.audiograbber.de/download.phtml zum Download.

Unter dem Menüpunkt Audio E/A stellen Sie nun für die Wiedergabe und Aufnahme Ihre Soundkarte ein. Im Menüpunkt »Dateiformate« können Sie die gewünschten Einstellungen für die verschiedenen Musikformate angeben. Hier empfiehlt sich auf Windows-Rechnern ».wav« als unkomprimiertes Exportformat, bei Ogg Vorbis sollten Sie die Qualitätsstufe 5 wählen, und als Bitrate für das MP3-Format empfiehlt sich 192 kbps. Können Sie die Bitrate für das MP3-Format nicht wählen, so klicken Sie zuerst auf den Button »Suche Bibliothek« und spüren auf Ihrer Festplatte den Codec »lame_enc.dll« auf. Ist alles fertig eingestellt, klicken Sie auf OK.

Anschließend sollten Sie noch in der Windows-Startleiste auf das Lautsprecher-Symbol klicken und alle Regler auf Maximum ziehen. In Audacity müssen Sie jetzt noch den Eingang für die Aufnahme wählen. Damit die Sprachaufnahme nicht verzerrt klingt, sollte sie ausgepegelt werden. Das bewerkstelligen Sie mit den oberen Schiebereglern. Nehmen Sie dazu mehrere »Takes« auf, indem Sie auf den Record-Button klicken, und wählen Sie die Einstellungen, die Ihnen am besten zusagen.

Audacity-Wellenform
Audacity-Wellenform

Audacity erlaubt schnelles und intuitives Arbeiten: Die Lautstärke der Wellenform kann leicht und individuell angepasst werden. Dadurch können verschiedene Sendungen ineinandergeblendet werden.

Ist die Aufnahme fertig, sollte sie »normalisiert« werden. Das »Normalisieren« hebt die gesamte Sounddatei so lange an, bis die lauteste Pegelspitze die Maximalgrenze von 0 dB erreicht. Dadurch wird die Aufnahme insgesamt lauter, ohne jedoch maßgeblich verändert zu werden. Da der interne Effekt »Normalisieren« das Signal leider nicht bis 0 dB anhebt, benutzen wir den Effekt »Verstärken«, der in den Standardeinstellungen genau das bewerkstelligt, was wir wollen. Natürlich können Sie Ihre Stimme auch mit den anderen Effekten noch etwas aufpeppen.

Abschließend sollten Sie die Datei als MP3 abspeichern. Zum Speichern nutzen Sie einfach das Menü »Datei«. Dort finden Sie die unterschiedlichen Exportformate und suchen sich das gewünschte aus. Da Audacity auch ID-Tags (Meta-Informationen einer MP3-Datei) unterstützt, werden Sie aufgefordert, diese zu vervollständigen. Die ID-Tags werden später von Media-Playern angezeigt.

Verbreiten Sie Ihren Podcast! Podcast-Verzeichnisse

Ein guter Startpunkt, um sich weiter in die Podcast-Materie zu vertiefen, ist die Website www.podcast.de von Fabio Bacigalupo. Diese kommt auch mit einem eigenen Wiki daher, das man unter wiki.podcast.de findet. Neben zahlreichen Artikeln rund um Podcasting listet der Autor eine Vielzahl interessanter Podcasts. Ein weiterer Startpunkt ist ipodder.de, die deutsche iPod- und Podcasting-Community. Weitere Podcast-Verzeichnisse findet man unter podster.de und ipodfun.de

Podcatcher: Podcast-Software

Ipodder
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Ipodderx
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Jpodder
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