Mehr als ein pures Weblog-System
Movable Type – Souveräne Inhalts-Steuerung
Eigentlich war Movable Type (im weiteren MT) am Anfang als ausschließliches Weblog-System gedacht. Doch mit jeder weiteren Versions-Nummer gaben das Programmierer-Pärchen Mena und Ben Trott der wachsenden Fan-Gemeinde neue Funktionen an die Hand. Mittlerweile hat sich MT zu einem richtig handlichen CMS entwickelt und vor allem die begeisterte Schar der Plug-In-Programmierer haben MT weitere wichtige Funktionen beschert.

Das System eignet sich deswegen nicht nur ausschließlich als Weblog-System, sondern bietet sich vor allem kleinen Unternehmen, Journalisten, Fotografen (Fotoalbum) und Online-Magazinen an, die gerne auf Community-Funktionen im Stile von PHP-Nuke oder Post-Nuke verzichten. Denn eines kann MT hervorragend: Inhalte auf vielfältige Weise steuern. Obendrein lassen sich mit einem einmal installierten System mehrere Weblogs/CMS anlegen, die unabhängig voneinander mit Inhalt gefüttert werden können. Weiterhin lassen sich unterschiedliche Benutzer schnell anlegen, deren Rechte innerhalb des Redaktionssystem vom Admin leicht zu steuern sind. Somit können auch Benutzer ohne HTML-Kenntnisse Beiträge verfassen und online stellen.
Funktionsweise
Movable Type basiert auf der Script-Sprache Perl. Das System teilt sich hauptsächlich in zwei Bereiche. Auf der einen Seite beherbergt das Redaktionssystem die Inhaltseingabe und auf der anderen Seite die Steuerung des Inhaltes via Templates. Die Templates sind somit das Kernstück des Systems. Dabei besteht ein Template aus einer Mischung von HTML-Befehlen und MT-Tags. Wer sich gut mit HTML auskennt, wird schnell die Funktionsweise der MT-Tags verstehen und sich sehr leicht in das CMS einarbeiten können. Das ist einer der vielen Vorteile von MT: Sie können nach der Installation sofort loslegen.
Ein MT-Tag schreibt man genauso wie einen normalen HTML-Tag, z.B. so: <$MTEntryBody$>. Die $-Zeichen sind dabei optional und helfen bei der Orientierung im Quelltext, können aber auch weggelassen werden. MT-Tags können wie normale HTML-Tags auch Attribute besitzen. So definiert z.B. lastn="x" die Anzahl der Schleifendurchläufe des <MTEntries>-Tags.
Das folgende Beispiel generiert ein HTML-Dokument, mit den Überschriften der letzten fünf Einträge, die mit dem jeweiligen Artikel verlinkt sind.
<html>
<head></head>
<body>
<MTEntries lastn="5">
<a href="<$MTEntryPermalink$>"><$MTEntryTitle$></a><br>
</MTEntries>
</body>
</html>
Wie MT Inhalte speichert
Wird ein neuer Eintrag verfasst generiert MT anhand der Templates die dazugehören Dokumente und legt sie auf dem Server ab. Wo PHP-gesteuerte Redaktionssysteme den Inhalt dynamisch gestalten, sind die Webseiten von MT statisch. Das hat Vor- und Nachteile. Benutzt man MT so zum Beispiel für ein Internet-Magazin wie phlow.net, so verweisen ältere Artikel in der Regel nicht auf die neuesten Beiträge. Das liegt daran, da die älteren Artikel bei der Generierung eines neuen Artikels nicht automatisch auch neu auf dem Server abgelegt werden.
Wer jedoch viel wert darauf legt, dass auch die älteren Artikel stets auf die aktuellsten Beiträge verweisen, kann sich mit zwei Kniffen helfen lassen. Die eine Variante besteht aus der Möglichkeit, die ganze Webseite mit der Rebuild-Funktion jedes Mal komplett neu zu generieren. Das braucht Zeit, ist nicht wirklich eine Alternative und lässt den Webserver arbeiten.
Die zweite und elegantere Möglichkeit ist, dass man in der Konfiguration angibt, dass MT sämtliche Dokumente mit der Endung ».php« abspeichert. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit mittels PHP mehr Dynamik in die eigenen Templates zu bringen. So lässt sich zum Beispiel mit dem Befehl
<? include("http://www.phlow.net/newz.html"); ?>
eine externe Webseite in das Template einbauen. Dieser Trick wird auf phlow.net zum Beispiel angewandt, um die ersten fünf News des unabhängigen Newz-Crawler-Weblogs einzubinden.
Interessant für Website-Betreiber sind auch PHP-Scripte wie z.B. das Referer-Logger (offline) von Szewo, die in einem Log-File mitschreiben von woher die Besucher kommen. Weitere interessante Scripte wurden Ihnen bereits in der letzten Ausgabe der Internet Intern (Ausgabe 3/03) vorgestellt.
Wie Templates Inhalte steuern
Nach jeder Installation von Movable Type sind im System schon Templates für die folgenden Seiten angelegt:
- Index
- Artikel (jeder Eintrag für sich allein)
- Kategorie (Übersichtsseiten für die Kategorien)
- Datum (Einträge nach Datum sortiert)
- Kommentar (Templates für die Kommentarfunktion)
- RSS (XML-News-Ticker-Datei)
- Trackback-Template (erlaubt Peer-To-Peer-Kommunikation zwischen Weblogs)
- Stylesheet (CSS)
Zwar sind die Templates vom Design her sehr schlicht gehalten, dafür jedoch perfekt von dem Programmierer-Pärchen Trott aufeinander abgestimmt. Website-Programmierer, die jedoch gerne alles von Grund auf lernen, sollten sich vielleicht zu Anfang kleine MT-Scripte bauen, um sich mit den Tags vertraut zu machen. Diese sollten Sie dann am besten als einzelne Module auf ihrer Festplatte abspeichern. Das erspart Zeit. Unter anderem da Sie durch einmal getestete Module sichergehen können, dass Sie weniger Fehler in den Templates produzieren, als wenn Sie jedes Mal erneut die Befehle untereinander verknüpfen.
Eine interessante Möglichkeit wiederkehrenden Code auszugliedern bietet da unter anderem auch der MT-Befehl <$MTInclude module="modulname"$>. Benutzen Sie z.B. auf jeder ihrer Webseiten immer wiederkehrende Befehlszeilen wie Javascript, Metatags oder eine gleichbleibende Fußzeile, so können Sie diese einmalig als Modul auslagern (siehe Screenshot). Mit Hilfe von <$MTInclude$> binden Sie ein Modul in das jeweilige Template wieder ein.

Hilfreich kann das unter anderem auch bei einer Fußnote sein. Sollte sich ihre Adresse in der Fußnote verändern, korrigieren Sie diese einfach in dem Modul und »rebuilden« sämtliche Ihrer Webseiten. So brauchen Sie dankenswerterweise die neue Adresse nicht in jedem Template zu korrigieren.
Google mag Movable Type
Da MT, wie oben gezeigt, die Webseiten in der Regel statisch auf dem Server ablegt, findet Google sich gut auf den MT-Seiten zurecht. Wenn Sie sich nun auch noch ein wenig Mühe geben und innerhalb der Templates die Metatags optimieren, sollten gute Platzierungen auf den Seiten der populärsten Suchmaschine nichts im Wege stehen. Denn auch hier hilft Ihnen MT clever genutzt und sorgt für ordentlich Traffic. So verbucht phlow.net sehr gute Platzierungen, wenn es um Artikel zu Musikern geht. Oft taucht das kleine Web-Magazin direkt hinter den Künstler-Webpages auf, siehe z.B. »Ellen Alien«, »Amon Tobin« oder »Luomo«.
Der Trick liegt in der Verknüpfung von Meta- und MT-Tags. Dazu ist von Seiten des Artikel-Verfassers so gut wie keine Extraarbeit nötig. Höchstenfalls, dass er darauf achtet die Überschrift und den Anreißer des Artikels mit prägnanten Schlüsselbegriffen zu versehen. Da MT die einzelnen Felder des Artikels wie Überschrift, Kategorie, Anreißer, Haupttextfeld, Auszug oder Schlüsselbegriffe getrennt in der Datenbank ablegt, können diese auch wiederum mit einem dazugehörigen Befehl abgerufen werden. Ein Beispiel:
<meta name="Title" content="<$MTEntryCategory$>: <$MTEntryTitle$>">
<meta name="Creator" content="<$MTEntryAuthor$>">
<meta name="Description" content="<$MTEntryExcerpt$>">
<meta name="Identifier" content="<$MTEntryPermalink$>">ergibt:
<meta name="Title" content="Buchkritik: Das Ende der Musikindustrie oder ein Neuanfang?">
<meta name="Creator" content="Moritz Sauer">
<meta name="Description" content="Mit seinem Buch 'Mix, Burn, R.I.P. arbeitet Janko Röttgers nicht nur die Vergangenheit der Tauschbörsen wie Napster & Co auf, sondern ...">
<meta name="Identifier" content="http://www.phlow.net/nu_archives/000568.html">
Ausbau der Webseite
Eine weitere großartige Funktion von MT ist das neue Anlegen von Templates. Dabei können Sie sich zwischen zwei unterschiedlichen Template-Familien entscheiden. Während Index-Templates nur jeweils einmal generiert werden, können Sie Archiv-Templates unter anderem mit Artikeln verknüpfen, um diese datumsweise zu bündeln, verschiedenartige Kategorien-Seiten zu generieren oder einen Artikel in anderer Form anzubieten.
Sinn macht das zum Beispiel bei einer Druckversion. Möchten Sie zusätzlich zum Artikel eine für den Drucker optimierte Artikel-Version anbieten, gehen Sie wie folgt vor:
- Zuerst designen Sie das Aussehen,
- danach legen Sie ein neues Template an,
- verknüpfen das Template auf der Konfigurations-Seite mit dem System und legen die Art der Archivierung fest
- und integrieren schließlich einen Link im Artikel-Template selbst zur Druckversion mit Hilfe der MT-Tags.
Diese Funktionsweise macht sich das Magazin phlow.net gleich auf mehrfache Weise zunutze. So gibt es neben einer Druckversion auch die komplette Webseite als PDA-Version. Doch damit man innerhalb der PDA-Version auch surfen kann, waren neben einer separaten Index-Seite, ein eigenes Kategorien-Template, ein neues Stylesheet als auch ein PDA-optimiertes Artikel-Template vonnöten.
Ein positiver Nebeneffekt für die Redakteure war unter anderem, dass sie keinerlei Mehrarbeit bzw. Einarbeitungszeit benötigten. Das CMS übernahm die ganze Arbeit.
Kasten: Voraussetzungen und Installation von MT
Um mit Movable Type richtig Freude zu haben, braucht man eine MySql-Datenbank und natürlich seitens des Web-Servers Erlaubnis die Perl-Scripte (ab Version 5.004_04) ausführen zu dürfen. Zwar kann man auch das DB_File Perl-Modul nutzen, dass die Daten in einzelnen txt-Files auf dem Server ablegt, expandiert jedoch die Seite werden die Funktionen immer langsamer.
Sollte die Installation trotz der ausführlichen englischen Anleitung nicht 100% klappen, so hilft Ihnen das Support-Forum auf der Webseite von MT schnell weiter. Dort finden Sie entweder in den Beiträgen eine Antwort oder hinterlassen eine Frage auf dem Board. Meist wird diese schon innerhalb von einer Stunde beantwortet.
Wenn Sie sich mit solchen Problemen nicht herumschlagen möchten oder noch keinen Datenparkplatz im Internet besitzen, sollten Sie sich einmal das kommerzielle Angebot namens Typepad anschauen. Dieses startete diesen Sommer und bietet basierend auf Movable Type drei verschiedene Bezahlmodi mit jeweils unterschiedlich eingeschränkten Funktionen von $4.95 bis $14.95 samt ausreichendem Webspace.
Kasten: Vor- und Nachteile von MT
Movable Type bietet dem Programmierer sehr durchdachte Funktionen bei der Inhaltssteuerung. Neben einer hervorragenden Suche, überzeugt das System auch mit seiner Kommentar-Funktion. Diese erlaubt es Besuchern einzelne Beiträge zu kommentieren und bietet dem Betreiber eine Möglichkeit mit seinen Besuchern zu kommunizieren. Mit einem Kniff lässt sich auch schnell ein Gästebuch erstellen.
Obendrein ist MT für Privat-Anwender kostenlos, bietet einen hervorragenden Support via Forum und versteht sich hervorragend mit Google und anderen Suchmaschinen. Außerdem lässt die gut navigierbare englische Anleitung wenige Fragen offen und ist auch innerhalb des System schnell per Klick auf ein Fragezeichen zur Hand.
Einziger Nachteil bei MT ist das recht mühsame entwickeln von Webseiten, wenn man das System noch nicht so gut kennt. Änderungen der Templates zeigen sich erst nach einem »Rebuilden« der mit dem Template verknüpften Seite. Deswegen empfiehlt es sich bei der Entwicklung zuerst das Layout ohne MT-Tags zu entwickeln, um daraufhin den Blindtext und die Bilder gegen die MT-Tags auszutauschen.
Kasten: MT und seine Plug-Ins
Sollten bei der Realisation einer Idee mittels Movable Type einmal die MT-Tags für die richtige »Inszenierung« des Inhaltes fehlen, so helfen oft zahlreiche Plug-Ins aus. Denn glücklicherweise haben Mena und Ben Trott MT so gestaltet, dass Perl-Programmierer leicht Plug-Ins für das CMS schreiben können. Die Installation ist in der Regel dabei denkbar einfach. Dafür müssen Sie lediglich die neuen Perl-Scripte in einen auf dem Server dafür vorgesehenen Ordner innerhalb des MT-System kopieren und schon sind sie einsatzbereit.
Um das Plug-In zu benutzen muss man sich nur noch mit den neuen MT-Tags des jeweiligen Plug-Ins vertraut machen und kann sie anschließend sofort in seine Templates einarbeiten. Den besten Überblick über die Fülle der MT-Plug-Ins finden Sie unter mt-plugins.org.
Wer z.B. eine Zwei-Wege-Navigation im Stile von ideology.de kreieren will, muss z.B. auf das Plug-In »RelatedEntries« zurückgreifen, da Movable Type in der Grundausstattung innerhalb eines Artikels nicht alle anderen Artikel der gleichen Rubrik darstellen kann.
Ein weiteres sehr hilfreiches Werkzeug im Alltag eines Redakteurs ist z.B. das »Macros-Plug-In« von Brad Choate. Richtig angewendet hilft es bei der Eingabe von oft wiederholten Grafiken, Textbausteinen und ähnlichem. So ersetzt das Macro wenn Sie möchten eine Zeichenfolge wie »;)« durch <img src="images/smilie.gif">. Der Phantasie sind da keinerlei Grenzen gesetzt.
Weitere interessante Tools sind unter anderem »RSS Feed« um News-Ticker in MT einzubauen und »MT-Textile« - eine großartige Eingabehilfe für Redakteure zur Strukturierung von Texten.
Kasten: Link-Tipps
- bradchoate.com/past/cat_movable_type.php (Plug-Ins)
- movableblog.com (Webblog für Movable Type Programmierer mit Tipps & Tricks) (Anleitung zur Erstellung von Druckversion-Templates)
- typepad.com
(der kommerzielle Web-Service von Sixapart) - phlow.net/nu_archives/000216.html
(Interview mit Ben und Mena Trott)
Was mit MT alles möglich ist zeigen unter anderem die folgenden Webseiten:
- stopdesign.com
- rannieturingan.com
- ideology.de
- gizmodo.com
