Digitales Mischen mit Hardware-Interfaces
Alles unter Kontrolle!

DJs, die mit Software mixen und produzieren, brauchen nicht mehr neidisch auf die Geräte der Konkurrenz schielen. Ob spezielle Mix-Konsolen für NI Traktor oder Do-It-Yourself-Lösung im Eigenbau - die Möglichkeiten und Angebote sind endlich grenzenlos.

Es hat etwas gedauert, bis endlich vernünftige Hardware-Interfaces fürs Mixen mit Traktor, Live & Co auf den Markt gekommen sind. Aber heute ist die Vielfalt schon so groß, dass man die Übersicht schnell verliert. Wir zeigen Euch ein paar interessante Geräte und Möglichkeiten im Dschungel. Los geht’s mit dem Motto…

Bau dir deinen eigenen Controller!

Ganz nach der DIY-Philosophie (Do It Yourself) könnt Ihr Euch die Controller-Traumeinheit selbst löten. Das Ihr dafür hochwertiges Material benutzen könnt, beweist Doepfer. Die Firma ermöglicht ja schon seit längerem vielen Live-Acts das intuitive Knöpfchenzwirbeln mit Hilfe ihrer Drehbänke. Aber auch Bastlern bietet Döpfer besondere Angebote: Die heißen Pocket Electronic, CTM64 und MTC64. Alle Lösungen kommen ohne Gehäuse daher und für das erfolgreiche Zusammenbauen sind mindestens elektronische Grundkenntnisse erforderlich.

Richie Hawtin mit selbstgebautem Döpfer-Controller

Logisch: Minimal-DJ und Control-Freak Richie Hawtin braucht eine Eigenlösung für seine Aktionen. Döpfer macht es möglich.

Pocket Electronic ist eine universell einsetzbare Elektronik zum Selbstbau von MIDI-Control-Boxen. Dabei handelt es sich im wesentlichen um die in der Pocket Control bzw. Pocket Fader eingesetzte Elektronik. Mit Hilfe der kostenlosen Editor-Software könnt ihr die Presets beliebig konfigurieren. Pocket Electronic kann kaskadiert werden, um auch größere Controller mit mehr als 16 Bedienelementen anzuordnen.

CTM64 ist eine universelle MIDI-Out-Elektronik. CTM64 bietet sich zur MIDI-Out-Nachrüstung vorhandener Tastaturen, Tastenfelder oder beliebiger anderer Kontakte an. Die Konfiguration des CTM64 (MIDI-Kanal, Betriebsart, Notenoffset usw.) könnt Ihr selbst mit 8 Jumpern vornehmen.

MTC64 ist eine universell einsetzbare MIDI-Steuerelektronik, die 64 aufeinander folgende Noten- oder Programmwechsel-Befehle in 64 TTL-Schaltspannungen umsetzt. Mit Hilfe entsprechender Treiberschaltungen können beispielsweise Relais, Lampen, Magnete oder Magnet-Ventile, Motoren usw. angesteuert werden.

CTM64 CTM64 Anwendungsbeispiel MTC64 MTC64 Anwendungsbeispiel MTC64 Ausgang MTC64 Power

Link: www.doepfer.de

Pocket ElectronicCTM64MTC64
HauptplatineEuro 80.00 incl. Netzteil, zwei 10-poligen Kabel, Taster und eine LED, ohne GehäuseEuro 99.00 incl. NetzteilEuro 99.00 incl. Netzteil
Kabelsatz-Euro 25.00Euro 20.00
16-fach-Treiberplatine--Euro 30.00 (einschließlich Flachband-Verbindungskabel zur Hauptplatine)

Producer-Keyboard: Oxygen 7

Midiman Evolution UC-16

Das Oxygen 7 von Midiman gehört sicherlich zu den meistverkauftesten und beliebtesten USB-Midikeyboards. Das liegt nicht nur an einem unschlagbar günstigen Preis (ca. Euro 129,00), sondern auch an den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Natürlich eignet sich das Masterkeyboards gut für den Einsatz von Traktor, auch wenn ihr erst einmal die Konfiguration und Zuweisung der Regler vornehmen müsst. Dabei unterstützt Euch aber die Learn-Funktion der Mixing-Software. Da das Keyboard über USB mit Strom versorgt wird, könnt Ihr es auch easy für einen Liveact an euren Laptop anschließen.

Darüberhinaus macht das knuffige Teil aber auch eine hervorragende Figur beim Produzieren. Denn dank Tastatur lassen sich schnell Noten und Akkorde einspielen und gleichzeitig virtuelle Synthies über die acht Drehpotis steuern.

Instant-Lösung: micromodul DJ1

Wer direkt loslegen will und alle Funktionen auf einem Tablett serviert haben möchte, sollte sich das micromodul DJ1 für NI Traktor DJ Studio anschauen. Der optimierte DJ-Controller besitzt das Look&Feel eines normalen 2-Kanal-Mischpults.

Das Gerät selbst wird über MIDI mit eurem PC/ Laptop verbunden, da sämtliche Signale von Fadern, Drehreglern und Tastern via MIDI übermittelt werden. Das hat Vor- und Nachteile: einerseits braucht ihr eine Soundkarte mit MIDI-Schnittstelle, spar andererseits aber einen USB-Port. Ein weiterer Vorteil ist, dass weitere Controller in Reihe geschaltet, sprich kaskadiert werden können. Bei einem USB-Einsatz wäre dazu eine spezielle Software nötig.

Versorgt wird die schnuckelige DJ-Einheit wahlweise per Batterie oder Netzteil. Letzteres ist jedoch nicht im Preis inbegriffen und muss bei Wunsch nachgekauft werden. Zwar reichen die Batterien im Betrieb 50-100 Stunden, doch muss für das Wechseln eine kleine Schraube gelöst werden. Das ist ein wenig nervig und hätte eleganter gelöst werden können. Glücklicherweise kündigt das micromodul DJ1 aber einen geringen Batteriestand rechtzeitig an und läuft dann immer noch eine ganze Weile bzw. einen ganzes DJ-Set lang.

Dankenswerterweise verfügt das Gerät über einen Stromsparmodus und schaltet sich nach 10 Minuten auf Standby, was durch ein LED-Lauflicht angezeigt wird.

Eine knackig-kurze Installation

Neben einem kleinen Handbuch, das kurz und bündig, aber nicht ohne Witz, in die Funktionsweise des micromodul DJ1 einführt, liefert Faderfox auch eine CD mit den MIDI-Controller-Daten. Nachdem fluggs die TKS-Datei in das Traktor-Verzeichnis kopiert wurde, müsst Ihr nur noch im Traktor-Setup den entsprechenden MIDI-Port als auch die kopierte Datei laden und wie von Magie bewegen sich ab da die Fader und Drehpotis auf dem Bildschirm, wenn ihr am Controller dreht.

Let’s do it!

Das Werkeln mit dem MIDI-DJ-Mischer macht richtig Laune. Vor allem, weil sich die Drehregler smooth und mit einem angenehmen Widerstand drehen lassen. Einziges Manko im Test war, dass die EQs für die Tiefen anstelle von 0.0dB im eingerasteten Mittelzustand -0.4dB anzeigten. Dafür arbeiteten jedoch die Fader sauber und hinterliessen einen soliden Eindruck. Natürlich entspricht das Verhalten des Crossfader nicht dem eines Battle-Mixers, aber Turntablists benutzen auch kein Traktor.

Neben den Drehreglern für die EQs verfügt das micromodul DJ1 auch über zwei Drehregler und einen Endlosdrehregler, die für den Einsatz des Traktor-Filters vorgesehen sind. Beim Mischen funktioniert das wunderbar und lädt zum Experimentieren ein. Darüberhinaus kann der Endlosdrehregler auch für das schnelle Durchsuchen von Tracks als auch für das Scrollen und Aussuchen in den Playlists verwendet werden.

Tipps & Tricks

Bevor ihr ein neues DJ-Set mit Traktor und dem Controller anfangt, solltet ihr zuallererst einmal sämtliche Regler drehen und schieben, damit alle Controller ihre Ausgangposition bekommen. Da die Tasten für Play, Cue, Sync als auch für das Pitchen und Geschwindigkeitsjustizieren jeweils nur einmal auf dem Controller vorhanden sind, müsst ihr scharf darauf aufpassen, dass ihr mit dem grünen »Select Deck«-Schalter immer den richtigen Kanal ausgesucht habt bevor ihr die Tasten betätigt. Während unseres Probemixes ist es öfters vorgekommen, dass wir den laufenden Track per Cue noch einmal von vorne gestartet haben, da wir nach dem Überblenden nicht auf das andere Deck umgeschaltet hatten.

Richtig Spass und Spannung lässt sich im Set auch mit den Killswitches produzieren. Die agieren auf Tastendruck und klingen dank Traktor-EQs klasse.

Tipps & Tricks vom Digital Jockey [in]anace

Dirk Murschall surft als DJ nicht nur durch Nürnberger Nächte und auf der Frequenz von Radio Z in seiner Sendung »Tiefton« samstags um 21 Uhr, sondern hat sich auch in der Netaudio-Szene einen Namen gemacht. Im WWW veröffentlicht er auf seinem eigenen Label Subsource.de kostenlose mp3-Mixe. Diese bestehen aus frei erhältlichen Musiktitel, die im Internet als freier Download zur Verfügung stehen. Seine Sets werden im Durchschnitt 1.500 - 3.000 heruntergeladen und natürlich virtuell mit Traktor gemischt. Die Mixe findet ihr auf www.subsource.de/submix. Wir empfehlen die Mixe »Boom Tschak Ceel« und »Bettis Inspirationen« oder Dirk jeden Freitag live in der Nürnberger Weinerei.

Womit arbeitest Du?

»Zum Mixen benutze neben der Mouse das Evolution UC 16 von Midiman. Das kann ich überall einsetzen, ob im Park oder auf der Party, da mein Laptop es über USB mit Strom versorgt. Da hast Du die Musik einfach mehr in der Hand, wenn Du bei Übergängen die EQs über Drehregler bedienst.«

Welche Vor- und Nachteile hat das Evolution UC 16?

»Ich habe mir den Controller zugelegt, weil er billig ist. Die Qualität ist nicht hochwertig, denn alles besteht aus Kunststoff. Die Knöpfe sind ein wenig klein geraten, dafür ist das Gerät aber schön kompakt.«

Was für Tricks und Tipps nutzt Du?

»Ich liebe sanfte und lange Übergänge. Dazu nutze ich meist den Traktor-Autofader und stelle ihn auf 60-80 Sekunden ein. Nach dem Klick fadet Traktor für mich weich und langsam, während ich mich auf das Filtern konzentrieren kann. Besonders lieben gelernt habe ich die Loop-Funktion. Die nutze ich, um Grooves zu Addieren oder die letzten 4 Take eines Tracks wie in einer Art Echo-Effekt auszufaden.