Berufsvision Fachkraft für Musikentertainment

Dirk Wöhler ist ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen und Präsident des BVD e.V.. Ein mobiler DJ, der nicht nur auf Hochzeiten tanzt, sondern auch große Events großer Firmen beschallt, eine eigene Agentur führt und auf Seminaren Teilnehmer klein macht, um sie dann stückweise aufzubauen. Aber eins nach dem anderen …

Eigentlich klingt „Mobile DJing“ cool. Könnte etwas von jamaikanischen Soundsystemen haben, die mit dem Truck über die Dörfer ziehen. Spricht man aber die Tatsachen aus und konstatiert „Ich bin Hochzeits-DJ und lege auf Veranstaltungen von Versicherungen auf“, dann bekommt man häufig ein Gesicht voller Mitleid entgegengebracht. Dirk Wöhler kann darüber nur müde lächeln, während er das Buffet im Bonner Maritim genießt und auch noch über den „Hotelfraß“ meckert.

Denn er verdient nicht nur genug, sondern ist von seinem „Berufsstand“ überzeugt. Den übt er nun mit seinen 35 Jahren seit zehn Jahren hauptberuflich aus und kann damit hervorragend seine zwei Kinder und seine Ehefrau versorgen. Enger wird es da schon eher angesichts der Zeit. Aber als Selbstständiger muss man sich eben seine eigenen Freiräume schaffen.

Und dass kann Dirk Wöhler. Vor allem, weil er ein durch und durch organisierter Mensch ist, der weiß, worauf er sich einlässt, der weiß, wohin er möchte und der weiß, wie er seinen Alltag und sein Discjockey-Dasein managed.

„Hast Du Holzmichl?“ – vorbereitet …

Schon alleine ein Blick in seine beiden Minidisc-Koffer verrät, dass man hier nur mit Ordnung Überblick über so viel verschiedene Musik behält. Während Dirk Wöhler hauptsächlich seine Veranstaltungen mit Hilfe pitchbarer Denon-Player fährt, ist er immer auf Sonderwünsche vorbereitet. Bis auf einen Plattenspieler für Vinyl hat er natürlich CD-Player und auch einen Walkman für besondere „Kassetten-Wünsche“ an der Hand.

Über die hunderte von Mini-Discs herrscht er nur, weil auf seinem Laptop während seiner Sets die Datenbank auf Anfragen wie Titel, Künstler und Musikstile wartet. Kommt dann ein Wunsch, spuckt der Computer nach einigen Tastendrücken die ID der richtigen Minidisc aus.

Neben einem fundierten musikalischen Allgemeinwissen, das sich weniger durch spezialisierte Tiefe als durch große Breite auszeichnet, muss ein DJ in den Augen des BVD-Präsidenten auch die Fähigkeit des Moderierens besitzen. Aber das beherrschen in seinen Augen die wenigsten richtig. Selbst alte Hasen können in seinen Augen immer noch etwas lernen und genau aus diesem Grund bietet der BVD eine Palette an unterschiedlichen Seminaren an. Logisch, dass Dirk Wöhler selber welche gibt und gewieft und psychologisch die Teilnehmer zuerst einschwört, dann auseinander nimmt, um sie abschließend kontinuierlich bis zum Ende des Seminars aufzubauen.

Introducin‹ BVD e.V.

Der Berufsverband Discjockey e.V. wurde 1982 als Dachverband von Discjockeys für Discjockeys von Siggi Arden gegründet. Auch wenn DJs im Vordergrund stehen, gehören dem Verein auch Künstler, Ausstatter, Manager, und Produzenten an. Aus Altersgründen stellte sich Siggi Arden 2001 nicht mehr zu einer Wiederwahl zur Verfügung. Die Zeit war für eine neue Generation gekommen, die Zeit für Dirk Wöhler.

„Anfangs wusste ich nichts von Finanzen und hatte keinerlei Übersicht“, resümiert der junge Leiter des BVD. Aber über die letzten Jahre haben er und seine Firma tatkräftig an einer Renovierung der Konzepte gearbeitet. Auch wenn zurzeit ein gewisser Mitgliederschwund nicht von der Hand zu weisen ist, so sind deutschlandweit jedoch 1.300 Mitglieder verzeichnet. Dabei teilen sich die Mitglieder in Ehrenmitglieder, Fördermitglieder, angeschlossene Mitglieder und ordentliche Mitglieder auf.

Dabei ist ihm klar, dass dem Verein nach wie vor immer noch das Stigma „Schlager-Fuzzis“ anhaftet, aber damit muss und kann man leben. Besonders wenn man weiß, dass man viel Potential besitzt und ein ehrgeiziges Ziel hat. Das heißt …

Fachkraft für Musik-Entertainment

Wenn Dirk Wöhler argumentiert, dann heißt das erst einmal angreifen, platt machen und dann die guten Argumente auf den Tisch bringen. Also …

„Wenn du einen Vertrag bei einer Discothek hast. Bist du Angestellter oder Arbeiter? Wenn du arbeitslos wirst, als was kannst du weitervermittelt werden? Als DJ? Sicherlich nicht.“

Damit bringt er kurz und knackig auf den Punkt, dass es einen (Ausbildungs-)Beruf „Discjockey“ nicht gibt, obwohl viele von diesem Job leben. Manche legen sogar bei der Eröffnungsveranstaltung von Olympia auf.

An dieser Misere möchte Dirk Wöhler definitiv etwas ändern. Sein Traum ist es mit Hilfe des Berufsverbands Discjockey e.V. einen eigenen Ausbildungsweg für DJs aus der Taufe zu heben. Und weil DJ zu léger klingt, muss eine eigene Bezeichnung her: Fachkraft für Musik-Entertainment. Klingt gleich viel amtlicher und fundierter.

Denn Gründe gibt es genügend, einen eigenen Ausbildungsweg für DJs aufzubauen. Neben Musik und Technik sollte ein DJ in den Augen des BVD-Präsidenten auch über rechtliche Dinge Bescheid wissen.

„Ich möchte ein Berufsbild schaffen, dass eine Mischung aus Veranstaltungstechniker, Event-Kaufmann und natürlich DJ ist. Der Auszubildende soll über rechtliche Haftungsfragen wie Lärmschutz oder GEMA aufgeklärt werden und einen Abschluss erhalten.“

Die Frage des „Warum“ beantwortet Dirk Wöhler mit Gegenfragen. „Was passiert, wenn ein Discobesucher einen Hörsturz erleidet? In letzter Konsequenz wird der DJ dafür haften, sollte es zu einer Klage kommen. Denn der hat schließlich die Hand am Lautstärkeregler. Das eine schlechte PA und eigentlich der Veranstalter selbst dafür haftbar zu machen wäre, steht außer Frage.“ Genau aus diesem Grund möchte er einen Ausbildungsberuf, damit DJs wissen, worauf sie sich einlassen, vorbeugen können und mit entsprechendem Wissen selbstbewusst auftreten können. Sollte es dann in den kommenden Jahren tatsächlich diesen Ausbildungsweg geben, ist es für ihn selbstverständlich, dass dann nur noch ausgebildete Discjockeys in den Clubs auflegen dürfen.

Das Recht auf Privatkopie

Gleichzeitig engagiert sich der umtriebige Betriebswirt für das Recht auf eine Privatkopie. Zwar besteht nach wie vor das Recht auf eine solche, besitzt die CD jedoch einen Kopierschutz, darf dieser nicht geknackt werden. Überspielt werden dürfte die CD nur über den Analogausgang.

„Wir haben eine Petition beim Bundestag eingereicht, denn der nächste Schritt wird sicherlich sein, dass das Recht auf eine Privatkopie nach der derzeitigen Eingrenzung vielleicht ganz verschwindet. Ich habe mich deshalb mit Dr. Steinschulte von der GEMA zusammengesetzt. Wir sind kurz vor einem Vertragsabschluss, dass unsere Mitglieder legal den Kopierschutz durchbrechen dürfen.“

Infrastruktur ist alles

Nach mehr als 80 Minuten Gespräch ist klar, dass einem mit Dirk Wöhler ein cleverer Kopf gegenübersitzt. Der Mann ist energisch, fleißig, hat Ziele und sitzt an den richtigen Stellen, um den Einfluss auszuüben, der für seine Tätigkeiten wichtig ist. Auch wenn seine Arbeit beim BVD ehrenamtlich ist, so profitiert er schließlich mit seiner Firma, seinen Kollegen. Ehrgeiz und Engagement zahlt sich schließlich aus.

Dirk Wöhler: www.dirkwoehler.de

BVD e.V.: www.bvd-ev.de