DVD-Special

Scratch - The Movie

Scratch - The Movie DVD

Goldener Puck

»Mad different methods the way I do my shit!«

Burner! Nachdem man sich diese Dokumentation angeschaut hat, kommt man sich nur noch wie ein Noob, Wimp oder Nichtskönner vor. Der Filmemacher Doug Pray, der schon mit »Hype« die Grunge-Szene beleuchtet hat, ist für »Scratch« durch so einige amerikanische Staaten getingelt und hat die Crème de la Crème der Turntablists und DJs interviewt. Ob gemütlich abhockend mit Qbert in seinem Produktionszimmer oder in einem unglaublichen Kellergewölbe voller Vinyle mit DJ Shadow, der Regisseur hat hier leidenschaftlich außergewöhnliches Material zusammengesucht und gefilmt. Vor allem das Kellergewölbe, in welchem er DJ Shadow beim Diggen im wahrsten Sinne des Wortes filmt, ist unglaublich. So viele Platten, die es nie richtig geschafft haben, die sich türmen und dabei verrotten hat man noch nie gesehen.

Doch weiter geht’s… Neben Legenden wie Jazzy Jay, Afrika Bambaataa oder DJ Premier wurden auch zahlreiche Crews besucht und gleichzeitig auf ihre Konzerte und Auftritte verfolgt. Wunderbar dokumentiert der Film, das Turntablism, HipHop und Rap nicht das gleiche sind, aber oftmals aufeinandertreffen und heute eine globale und völkerübergreifende Bewegung ist, nachdem sie Ende der 70er von den Schwarzen in New York angeschoben wurde. Denn von Turntablists mit asiatischem Einschlag wie Babu über Weisse wie Mix Master Mike von den Beastie Boys bis hin zu Afroamerikanern wie den X-Ecutioners, sämtliche Gruppen sind vertreten und sich einig: Wir machen Musik und Kunst mit unseren Plattentellern.

Hervorragend ist dem Regisseur auch die Komposition seiner Doku gelungen. Zwar ist sie video-clip-artig geschnitten, atmosphärisch dicht und immer wieder mit klasse Cuts, Scratches und Beats hinterlegt, trotzdem kommen die Protagonisten ausführlich zu Wort. Aussagelose Sätze werden locker umschifft und auf Worte folgen immer Taten bzw. Live-Performances, die das Gesagte mit Bildern unterstreichen.

Glücklicherweise machen hier endlich Mal Outtakes oder weggeschnittene Szenen Sinn, insofern, dass sie dankenswerterweise auf der DVD vorliegen. Denn auch wenn Themen wie Sampling im Film leider außen vor blieben, können Sie auf der DVD trotzdem angesehen werden.

Fazit: Wer seine Plattenteller liebt, wer Musik liebt und sich von einer Menge verrückter anstacheln lassen will, sollte sich unbedingt »Scratch« besorgen! (Moritz Sauer)

Preis: €15,99 — www.scratchmovie.com

ITF [DJing-Video] WM 2003

ITF DJing-Video WM 2003 DVD ITF World Championship 2003, Muffathalle München ITF World Championship 2003 ITF World Championship 2003 ITF World Championship 2003 Lordz Of Fitness bei der ITF World Championship 2003

Es kann nur einen geben!

Eigentlich vollkommen logisch, aber was sich hier an richtiger Crème de la Crème die Fader in die Hand drückt, entzückt und lässt das Herz vor Begeisterung höher schlagen. Denn auf der DVD tummeln sich jede Menge Turntablists, die ihrem Namen alle Ehre machen. Neben 12 ITF Weltmeistern sind außerdem DJs aus 15 Nationen am Start von Neuseeland über Frankreich bis nach Amerika.

Klasse ist neben abgefahrenen Routines, Scratches und Beatjuggles vor allem auch die Qualität der Aufnahmen aus der Münchener Muffathalle. Stimmungsvoll wurde die DVD mit Material von sieben Kameras gefüttert und zusammengesetzt. Die Navigation durch die einzelnen Disziplinen orientiert sich hierbei an den Standards üblichen Standards und präsentiert sich solide ohne Schnickschnack.

Natürlich werden neben den drei exklusiven Showcases von D-Styles & Toadstyle, KODH und Woody alle Disziplinen gefeatuerd: Advancement Class, Scratching, Beatjuggling und Team. Das die Show in Deutschland im vergangenen Dezember'03 stattfand merkt man auch an der lautstarken Unterstützung der deutschen DJs Ravik, Kid Fresh und Rasgunyado von Lordz Of Fitness (siehe auch djmagazine 03/03), die nicht schlecht abgesahnt haben.

Einziger Wermutstropfen der 180 Minuten-DVD sind die zwei Interviews mit Rafik als auch Tigerstyle und Woody. Davon hätte man sich noch gerne eine Menge mehr gewünscht, weil man als Fan auch gerne Mal seine Helden vor dem Mikro sieht. Ein wenig unverständlich ist auch, dass die Tonqualität leicht mangelhaft ist. Teilweise sind die gestellten Fragen schon arg schwer zu verstehen und das leichte Brummen nervt ein wenig. Zum Glück wurden wenigstens die interviewten DJs korrekt verkabelt. Trotzdem schmälert das die sonst hervorragend produzierte DVD in keinster Weise. (Moritz Sauer)

Preis: €24,90 (Bezugsquelle: www.mzee.com)

Jeff Mills – Exhibitionist

Jeff Mills – The Exhibitionist DVD

Battlen wie Jeff Mills

Spricht man von Turntablism, dann denken die meisten sicherlich an Scratch-Meister, Beat-Juggler oder einen der großen Helden, der aus den 1210ern Dinge herauskitzelt, die man sich so nie vorgestellt hätte. Denn Turntablism ist sozusagen das Musizieren mit den Wheels Of Steel. Dabei vergisst man jedoch, dass auch Techno-DJs richtige Turntablists sein können, wenn sie wollen bzw. können. Zwar scratchen die wenigsten Techno-DJs richtig gut, wenn überhaupt und von Routines sind sie weit entfernt. Dafür jedoch können sie zum wahren Zeremonienmeister werden, wenn man die Plattenteller wie eine Art Orchester sieht.

Einer der Großmeister des »Techno-Turntablism« ist Jeff Mills. Wer den schwarzen Ausnahme-Künstler mit seinen langgliedrigen Fingern, seinen leicht hektischen Bewegungen und seinem fast Alien-haften Gesicht mal genauer beobachtet hat, der hat fast das Gefühl, er sähe einem Insekt beim Mischen zu. Jeff Mills schmilzt so schnell Platten zu einem neuen Ganzen zusammen, dass einem schwindlig wird.

Anstelle sich für eine weitere Mix-CD zu entscheiden, hat er den Schritt gewagt sich live aufnehmen zu lassen, um so unverfälscht wie möglich sein Können zu demonstrieren. Das kann man sicherlich auch als Kampfansage an die DJs sehen, die ihre Mixe digital im Studio zusammenschneiden, anstatt sie zu Mixen. Und dazu gehören auch so einige namhafte Plattendreher.

So befinden sich auf »The Exhibitionist« sage und schreibe 4(!) Mixe. Auf dreien davon präsentiert er sich, seine Künstler sowie seine drei Labels Axis, Purpose Maker und Tomorrow und auf dem Titelmix featured er internationale Künstler. Sehr interessant, wenn auch ein wenig anstrengend, da ungeschnitten, ist das Interview auf der DVD. In diesem erklärt Jeff Mills sich und die Idee hinter seinen Labels.

Insgesamt ist die beidseitig bespielte DVD ohne visuelle Sperenzchen sicherlich eher etwas für Techno-Fans, denn die massiven Beats mit leicht paranoidem Flair rocken schon derb. Nichtsdestotrotz ist der genüssliche Blick über die Schulter sehr aufschlussreich und inspiriert ungemein. (Moritz Sauer)

Preis: €21,99