Frisch gefischt aus dem Netz
Netzmusik
Erst Ende letzten Jahres präsentierte Wolfgang Schubert auf dem Experimental-Label subsource.de sein Live-Set »Kibag Session«. Aufgenommen während einer Open Air-Party im letzten Sommer anlässlich der Züricher Streetparade, variiert es abwechslungsreich zwischen elektronischen Reggae-Beats, 4-to-the-floor mit spontanen Toasts bzw. Gesang. Nun erscheint auf dem Berner realaudio.ch-Label seine EP »Messin‹ With The Buttons«, die konsequent seinen Weg weitergeht. Zwar verwendet er auch hier wieder Sprachfetzen, singt aber nicht, wie während seiner »Kibag Session«. Der harsche, trockene und manchmal industrielle Sound erinnert dabei an das letzte Leftfield Album mit seiner Single »Africa Shox«. Sehr stimmungsvolle und düstere Tracks mit euphorisierenden Momenten zwischen Drum&Bass wie »Voe« und Reggae-Breaks wie »Finding Shells«.

textone.org gehört definitiv zu den professionelleren Netlabels und krault seit dem ersten Release im vergangenen Herbst kontinuierlich nach vorne. Einerseits liegt das an den internationalen Kontakten dank der Hardware-Labels im Hintergrund und andererseits an den fett-abgemischten Tracks. So verwundert es nicht, dass mittlerweile etablierte Größen wie Mikael Stavöstrand oder Håkan Lidbo auf textone.org ihre Tracks veröffentlichen. Richtig gut gefällt aber Leif mit seiner »Moonlight Dub EP«, die minimalistisch und geradeaus nach vorne prescht. Während Håkan Lidbo ein wenig stumpf-technoid daherstampft, überzeugt Leif mit einer Mischung aus klassischen House-Elementen und dubbigem Minimalsound. Dabei bleibt er immer fordernd, verziert die Stücke mit trickreichen Beats und beweist sogar ein wenig Pop-Appeal. Noch ein wenig spritziger und humorvoller lässt Lars Fenin seine Bassdrum auf dem 13. Release tackern, während er Drumherum süße Melodie-Girlanden mit sweetem Dub drapiert werden.

Ganz anders und irgendwie stylisher präsentiert sich das junge litauische Netlabel sutemos.net. Neben Musik werden auch grafisch ansprechende Bilder sowie Interviews mit artverwandten Künstlern wie Gus Gus oder Autechre veröffentlicht. Der Fokus des Labels richtet sich vor allem auf verspieltes aus der IDM-Ecke. Vertrackte und crispe Beats stehen im Vordergrund, deren Spieltrieb von knuddeligen Melodien unterstützt werden. Auch wenn man im WWW von einer IDM-Schwemme mit jeder Menge Müll sprechen kann, wurde bei diesem Sampler viel Wert auf Konsistenz und Abwechslung gelegt. Dabei können sich die Künstler auf »Intelligent Toys« selbstbewusst mit Schwergewichten wie Funkstörung vergleichen und packen auch gerne mal für einige Breaks die Sprühdose aus und skizzieren futuristische HipHop-Instrumentals.

Richtig was für Liebhaber ist 8bitpeoples.com. Neben C64er-Grafik-Nostalgie findet Ihr dort jede Menge sogenannter Chip-Tunes. Große Hits sind unter anderem der »Depeche Mode Megamix« von Nullsleep oder die Versionen von »Axel F«. Wer sich für Gameboy/8-Bit-Sounds interessiert, öffnet mit diesem Netlabel eine wahre Schatztruhe.

Neben Musik gibt es mittlerweile auch einige Radio-Sendungen als Stream im Netz. So findet ihr auf archive.org nicht nur eine Heimat für Netlabels, sondern auch mehrere Sendungen des Radio-DJs Thomas Höverkamp. In »Interjamp« spielt er nicht nur Netzmusik, sondern führt außerdem Interviews mit Künstlern und Labelbetreibern (Interdisco, Textone,…). Die Sendungen findet Ihr unter snipurl.com/interjamp. Eine weitere Sendung des Hamburger Senders FSK gestalten die Jungs vom Tinitusstadl.de. Ein Special mit dem Netlabel ideology.de findet ihr unter: snipurl.com/id_stream1.