Plattenkritiken
Lounge/ House
Dani Siciliano: Likes…
CD/ Doppel-Vinyl
K7 Records/ Zomba
Das hier ist schon ein sehr besonderes Album. Zwar klingt es sehr nach ihrem Freund Herbert Matthew, aber Dani hat selbst im eigenen Studio gebastelt. Mit ihrer jazzigen oft gehauchten Stimme haucht sie jedem Track Leben ein und führt uns durch ein verspieltes Debut. Dabei besticht »Likes« durch wundersame Soundspielereien, Ideen und imponiert mit Stilvielfalt. Bis auf das bratzige »Walk The Line« und das superbe »Extra Ordinary« eignen sich die Songs zwar nur für die Lounge, entzücken aber in ihrer Breite. Elektronischer Jazz ohne Gestelztheit. Wirklich großes Kino. Wow! (MS)
5 Pucks
Lounge
Air: Talkie Walkie
CD/ Doppel-Vinyl
Labels/ EMI
Sie sind zurück. Führte uns das Vorgängeralbum »10.000 Hz Legend« in psychologische Tiefen, so breiten JB Dunckel und Nicolas Godin wieder sämtliche Gefühle aus. Während das Eis des grauen Alltags schmilzt, setzten die Franzosen die Gefühle frei wie bei ihrem Klassiker »Moon Safari«. Trotzdem wiederholen sie sich nicht, bewahren sich aber die kleinen Momente der Eigenartigkeiten. Ohne sperrig zu wirken, wird hier eine XXL-Leinwand mit zahlreichen Nuancen aufgezogen und bannt uns. Alle Sesselsurfer werden schweben - garantiert. (MS)
5 Pucks
Breakbeats
Capoeira Twins: Reansville Heights
CD/ Doppel-Vinyl
Audiopharm/ SPV
Sehr britisches Release. Breaks um die 130bpm mit Elektro- oder Bigbeat-Feeling und richtig dicken Subbässen, wie man sie von Drum&Bass her kennt. Ich glaube, die nennen das da drüben: NuBreaks ;) Aber egal, »Manuela« mit seinen poppigen Vocals und diesem schmatzenden Bass ist definitv ein Hit, aber auch »Vanish« schiebt gut. Viel Abwechslung in die Tracks bringen nicht nur die verschiedenen GastsängerInnen, sondern auch das freche Greifen in die verschiedensten Schubladen von Latin bis hin zu 2-Step. Bounced gut. (MS)
4 Pucks
Techno
Damon Wild: Downtown Worlds
CD/ Doppel-Vinyl
Kanzleramt/ EFA
Kanzleramt mal mit so richtig Rock-Attitude. Damon Wild baut groovige nach vorne treibende Beats, die nicht immer nur auf 4 to the floor Bassdrums bestehen. Die Tracks besitzen dabei einen Flavour, wie wir ihn von Surgeon-Releases auf Tresor kennen. Mit den Tribal-Elementen und Percussions lässt das den Körper vibrieren und verwandelt den Floor in einen brodelnden Kessel. Mit techigen Sounds und Pads passen die Tools hervorragend in anstachelnde Sets zwischen forscherem TechHouse bis Detroit, die ordentlich nach vorne spazieren. (MS)
3,5 Pucks
NuJazz
Vikter Duplaix: Singles – Prelude to the Future
CD/ Doppel-Vinyl
K7 Records/ Zomba
Philly-Styles. Vikter Duplaix, der selbstverliebte Crooner, singt, haucht und umwirbt die Herzen der Frauen. In seinem eigenen bewahrt er sich das Gefühl für ausgefeilte gebrochene Beats, Synkopen und futuristischen Sound-Kitsch. Elegant, manchmal ein wenig eintönig und manches Mal nicht wirklich zwingend, verbreiten seine Tracks relaxte Atmosphäre. Während die einen das sicherlich sexy finden, wenden sich andere angesichts der Schmachtfetzen ab. Mir persönlich insgesamt zu selbstverliebt. (MS)
4 Pucks
House
Telemen: God Is A Computer
CD/ Doppel-Vinyl
Multicolor Rec./ Intergroove
Eloquent produziertes Album, keine Frage. Mit jeder Menge männlich-lasziver Vocals, die über Pads und Bass fliegen. Dabei lehnen sich die Sounds ein wenig an 80ies-Pop an und erinnern von ihrer Atmosphäre an Releases wie wir sie von Fischerspooner & Co kennen. Trotzdem besitzt das Album einen ausgeprägten eigenen Charakter. Futuristische Sounds, wie man sie von TechHouse und Elektro kennt, werden gerne mit Disco- und treibenden Techno-Elementen verbunden. Trotz des digitalen Sounds, wirkt das Album aber nicht unterkühlt. (MS)
3,5 Pucks
Downbeat/ Lounge
Naomi: Pappelallee
CD/ Doppel-Vinyl
Mole/ EMI
Kuscheliges und nettes Album, dass verschmitzt zwischen Electronica und sanften Downbeats herumschlendert. Manchmal ein wenig arg kitschig und immer sehr bedacht und zurückgelehnt. Für die Lounge fast schon zu smooth und chillig - denn die Zuhörer driften bei diesem Album weg und bleiben im Sessel kleben ohne zur Bar zu latschen. Und während der Bar-Besitzer wütend auf die Umsätze starrt, träumt der Cocktail-Mixer vor sich hin und der Kunde schlummert putzig in seinem Sessel… (MS)
3 Pucks
House
Alex Moran: Jama Gymnastics
Vinyl-Maxi
f4music/ Intergroove
Das Teil gefällt mir, auch wenn es irgendwie zu mittig produziert wurde. Richtig treibend mit seinen funky Cut-Up-Techniken und immer mal wieder mit einem dazwischen gestreuten Break. Bisschen mager mit einer Original- und Dub-Version, da entscheidet der Geldbeutel. (MS)
4 Pucks
Techno
Volker Dornhagen: Schwarzlicht
Vinyl-Maxi
Treibstoff/ Kompakt
Keine Ahnung, aber bei diesem stoischen Beat auf der Flipside, der da in den Lenden schlackert, muss ich einfach schmunzeln. Sehr reduziert, und besoffen karnevalistisch von einem Bein auf das andere schaukelnd. Dahingegen rumpeln wir auf der A-Seite irgendwie manga-mäßigen auf schleifenden Happy-Chords mit breitem Grinsen durch die Rille. Sehr stimmungsvoll und euphorisch. Gelungen. (MS)
4 Pucks