Die ModFX-Familie – Signale verbiegen mit Alesis

Die Effektboxen PHLNGR, FAZE, BITRMAN und METAVOX gehören zur neuen Performance-Effekt-Box-Familie ModFX von Alesis. Anstelle eines All-In-One-Gerätes ist Alesis somit einen neuen Weg gegangen und hat die Effekte nicht in einem Gerät vereint, sondern in kleine Geräte (148mm x 92mm x 35mm) »zerlegt«.

Text: Moritz Sauer

Introducing

Alle vier Geräte kommen dabei mit einem guten Eigengewicht daher dank einer Metallplatte, auf welcher Platine, Drehregler und Gehäuse montiert wurden. Plus der breiten genoppten Gummifüße ist somit gewährleistet, dass die Effektgeräte auch bei ausgiebigen Reglermanipulationen nicht wirklich verrutschen. Bis auf das Fehlen des »Tap Tempo«-Schalters beim Bitrman-Effektgerät gleichen sich alle vier Boxen im Aufbau und verfolgen mehr oder minder das gleiche Prinzip: Sounds verbiegen.

Während die Schaltknöpfe teilweise ein wenig hakeln und zum Beispiel der »Tap Tempo«-Knopf bei der vorliegenden Metavox-Box aus einem bestimmten Winkel gedrückt werden will, damit dieser nicht verlangsamt in seine eigentliche Position zurückklickt, bereitet das Drehen der Potis richtig Spaß. Diese entpuppen sich als sanft und smooth drehbar. Schließlich kommt es darauf hauptsächlich während der »Effekterei« an.

Ein interessantes Feature der ModFX-Serie ist der an beiden Seiten befindliche neunpolige Linkport, der die digitalen Audiodaten und Wordclock weiterleitet. Mit Hilfe des Linkports lassen sich somit mehrere Geräte in einer Reihe verbinden – maximal drei. Zwar braucht danach jedes Gerät weiterhin eine eigene Stromversorgung, doch lassen sich somit weitere eigenwillige Sounds erzeugen, da sich der Effektweg je nach Wunsch modular bestimmen lässt. Dabei verarbeitet jedes Gerät die Signale mit 24-bit A/D-D/A und intern sogar mit 28bit sowie einer Sample-Rate von 48kHz.

Aufbau und Verkabelung

Bis auf die Bitrman-Box verfügt jedes Gerät über einen Tap-Tempo-Schalter über welchen man die Grundgeschwindigkeit des jeweiligen Musikstückes eintippen kann. Auf der Rückseite verfügt das Gerät jeweils über einen Foot-Switch, Stereo-Ein- und Ausgänge und einen Trim-Drehknopf mit dessen Hilfe das Eingangssignal verstärkt werden kann. Bis auf die Metavox-Box, bei der der Poti sehr schwer zu drehen war, funktionierten diese einwandfrei.

Die ModFX lassen sich auf vielfältige Weise in das DJ-Setup einbinden. Wer über separate Effektwege verfügt, kann die Effekte einschleifen und zum Originalsound dazumischen. Aber auch Besitzer kleinerer Mischpulte können in den Genuss der Soundmanipulation kommen. Dazu können Sie z.B. den Originalsound direkt durch die Box jagen. Dank des Bypass-Schalters, lassen sich die Effekte an und ausschalten. Diese Funktion klappte bei allen Geräten hervorragend, da auch durch schnelles Hin- und Herschalten keinerlei Knackser zu hören waren. Obendrein funktioniert der Bypass auch beim jeweiligen Gerät, wenn man die Boxen mittels Linkport zusammengesteckt hat. So lassen sich Effekte nicht nur kombinieren, sondern auch unabhängig voneinander benutzen, obwohl sie miteinander vernetzt wurden.

PHLNGR

Ein bisschen albern der Name, aber der Effekt ist Programm. Hier wird geflangt was das Zeug hält, denn es werden fünf unterschiedliche Flanger-Typen angeboten. Dabei eignet sich der Phlnger vor allem dazu, den Sound ein wenig aufzupeppen und breiter klingen zulassen. Während die Effektbox arbeitet sollte man nicht den linken Schalter zur Auswahl der Flanging-Effekte betätigen, sonst knackst es in der Regel, was damit zusammenhängt, dass der Flanger zurück zum Beginn seiner Verbiegungstätigkeit springt. Insgesamt verfügt das Gerät über einen warmen und typischen Flanger Sound, den man schnell an die Geschwindigkeit dank Tap-Tempo-Schalter anpassen kann. In erster Linie bietet sich die Box also Produzenten, Live-achts oder Ambient-DJs an, die gewissen Tracks oder Flächen noch die ordentliche epische (Stereo)Breite verpassen wollen.

FAZE

Der Phaser funktioniert ähnlich wie der Flanger. Digital emuliert er klassische Phaser-Stereo-Effekte, die man natürlich dem Tempo schnell anpassen kann. Auch der Phaser eignet sich gut für das Auffrischen von Klängen, die ein wenig zu sehr in die Mitte gerutscht sind. Daher kann man unter anderem bei dem Gerät zwischen asynchronen und entgegengesetzten Stereo-Effekten wählen. Bei letzterem werden z.B. der linke und rechte Kanal getauscht und beide Soundkanäle wandern in konträrer Richtung. Als DJ kann man das für noch ausgefeiltere Übergänge benutzen, um diesen einen eigenwilligen Touch zu geben. Abgesehen davon ermöglicht der Center-Drehknopf das Herausfiltern tiefer Frequenzen. So könnt Ihr das Signal verflachen, um daraufhin den nächsten Track einzufaden. Mit ein bisschen Übung klappt das ziemlich gut.

BITRMAN

Am meisten Freude im Test hat der Bitrman bereitet. Denn diese kleine Box hat es wirklich in sich. Wer gerne böse und fiese Effekte mag, oder auch liebevoll einfach mal einen Track zerschreddert, der ist mit diesem Gerät gut bedient. Das Gerät bietet neben einem Kompressor, einen digitalen Verzerrer - der richtig krass sein kann, einen Dual Phaser und einen Bitrness-Poti. Insgesamt kann man behaupten, das die kleine Box ordentliche Arbeit leistet, wenn man Signale verschmutzen will. Dafür bietet das Gerät allerlei Funktionen, die wohl gelernt sein wollen, bevor man sie im Live-Set einsetzt. Ansonsten könnten den Zuhörern die Ohren wegfliegen.

Während auf der linken Seite mit dem Kippschalter die Reihenfolge der vier Effekte verändert wird, ermöglicht der rechte Schalter die Auswahl zwischen einem Kammfilter, Decimator, Bit Reducer, FM, Ring-Modulator und einem Freq Shift-Schalter. Wählt man z.B. den Decimator oder Bit Reducer und dreht den Bitrness-Regler weit auf, so klingt der Sound kratzig-digital und klickerig, wie man ihn von alten Computerspielen der 80er kennt. Insgesamt bereitet der Bitrman ziemlich Spaß, kann aber auch bei extremen Drehbewegungen ordentlich in den Ohren klirren, da das Signal im härter und digitaler wird.

METAVOX

Mit Metavox liegt Euch ein 1a-Vocoder vor. Da ein Vocoder immer ein Soundsignal zur Modulation des Trägersignals braucht, bietet das Kästchen 5 verschiedene Modi. Dabei kann man zwischen Sägezahn, Rechteck, einer Sägezahn-Rechteck-Mischung, weißem Rauschen und natürlich einer externen Soundquelle wählen. Vor allem eignet sich der Vocoder für Eigenproduktionen, Live-Acts und für Party-Allein-Unterhalter mit Hang zu extrovertierten Auftritten. Für DJs selbst, ist das Gerät höchstens bei etwas komplexeren Settings geeignet, um die eigene Sound noch ein wenig zu verfeinern.

Benutzt man die eingebauten Soundquellen, lassen sich schon ansprechende Vocoder-Effekte erzielen. Von obskuren verrauschten bis hin zu perlenden via Sägezahn modulierten Stimmen und Klängen kann das Maschinchen so einiges. Dazu braucht Ihr nur ein Mikro…

Fazit

Da die Effektgeräte der ModFX-Serie einzeln vorliegen kann sich jeder den oder die Effekte seiner Wahl herauspicken ohne gleich tief in die Tasche für ein ganzes Effekte-Rack zu greifen. Vor allem macht das intuitive Spielen mit den Geräten Spaß. Die kleine englischsprachige Anleitung hat man schnell gelesen, kann sie aber auch nach dem Quickstart schnell zur Seite legen und mit dem Experimentieren beginnen. Schönes Spielzeug also für Liveacts und DJs, die noch eine Hand frei haben.