Plattenkritiken

Electronica

V.A.: Mr. Velcro Fastener present deep:inside 2

EFA — CD

Hiermit öffnet man eine melodische Schatztruhe voller sanfter Tracks zwischen Old-Skool-Elektro, IDM und Electronica. Zwar sind die Stücke ein bisschen 808-lastig ausgefallen, dafür verknoten sie aber nicht des Tänzers Beine mit nervösen Beat-Frickeleien. Hervorragendes Material zur Auflockerung des eigenen Sets von Autechre, John Tejada, Kenny Larkin, Monolake,… (MS)

Techhouse

The Modernist: Kangmei

Wonder/ EFA — CD/ LP

Mit seinem 13. Album überrascht uns Jörg Burger nicht wirklich. Trotzdem beschwingt er unser Herz wieder mit federnden Synkopen und warmen Akkorden. Neu sind die Vocal-Tracks und alles ruft noch mehr: Pop! Wunderbare Songtracks beweglich und pulsierend zwischen TechHouse und Fast-Schon-Trance. Typisch Köln. (MS)

Falko Brocksieper: Hoax Deluxe

Substatic/ Kompakt/ EFA

Die Beats auf »Hoax Deluxe« sind feingliedrig wie Bonsaibäumchen. Die mikroskopisch percussiven Sounds besitzen gerade so viel Charakter, dass sie mehr als nur Clicks sind. Neben trancigen Nummern richtet sich der Fokus aber immer wieder auf Minimal House und leugnet auch nicht seine 80er-Einflüsse. Rundes und in seiner Stimmung immer wieder wechselndes Album.

Techno

V.A.: 2CD’s & MP3’s

Novamute — CD

Da hat man wohl an Final-Scratch-Aktivisten gedacht. Denn auf 2 Audio-CDs befinden sich neben 16 regulären Stücken vor allem 28 MP3s. Leider nur mit 192 kbps encodiert, bringen Speedy J., Umek, Nitzer Ebb vs. Thomas P. Heckmann oder T. Raumschmiere mit treibenden Techno das Feiervolk zum Schwitzen. Nicht immer das neueste Material, dafür aber reichlich und ordentlich nach vorn drückend. (MS)

HipHop

Dejavue Crew: Naturtalent

ProletnStuff/ AL!VE / rap.de — CD/ LP

Flash Robsen und Double NO79 liebens männlich, battlen gern und polieren ihr Ego nicht schlecht. Zum Glück können die Berliner Stadtköter nicht nur kläffen, sondern auch sinnieren. Die hymnischen Tracks funktionieren, sind aber oft recht clean und synthielastig. Mehr Rotz, Samples und Experiment hätte noch mehr Bewegung in die schnörkellosen Stücke gebracht. (MS)

Moqui Marbles: Das Teredeum

Wigwam Rec./ Groove Attack — CD/ LP

Getragen auf orchestralen Streichern mit viel Kitsch rollt das Trio aus Hamburg die cinematische Leinwand aus. Mit Kopfkino als Konzept wird konspirativ gemeinsame Sache mit Wortgewandten wie Dendemann oder Pyranja gemacht. Das wirkt manchmal reichlich trashig mit Humor wie bei »Vampire« oder melancholisch-poppig wie bei »Kinderaugen«, aber immer engagiert, breit und gekonnt. (MS)

Illmatic: Brillant

3p — CD/ LP

Illmatic und seine Kumpels schielen. Denn die Produzenten orientieren sich am amerikanischen HipHop-Imperialismus und verzieren die Beats mit Orientalik, südamerikanischen Flavour und Synthie-Gefiepse wie er gerade à la mode ist. Zwischendurch blinzelt dann immer wieder der bekannte warme Rödelheim-Kitsch. Dazu raunzt der Costa, wie wir es gewohnt sind. Fett, zeitgemäß, aber ohne Überraschung. (MS)

Fabolous: Street Dreams

Desert Storm/ Eastwest — CD/ LP

Den Straßenkids verkauft Fabolous den Traum vom Reichtum. Posiert wird vor Autos und die Raps über Erfolg und Frauen fliessen schmalzig-nölig über die Beats wie bei Mase oder Puffy. Das Album ist mehr R’n’B als HipHop, mehr Glamour als Originalität und mehr Popkommerz als korrekte Attitüde. Da täuschen auch nicht teilweise gute Beats und Stars wie Missy E., Mary J. Blige oder Snoop drüber hinweg. (MS)

RZA: The World according to RZA

Virgin — CD/ LP

HipHop ist weder East noch West Coast. HipHop ist seit langem Weltkultur. Deswegen reiste RZA schon vor 2 Jahren durch Europa und knüpfte seine Fäden. Jetzt glitzert endlich nicht nur die Idee der Weltvereinigung, sondern ein brillantes Album mit Stars aus Frankreich, Schweden und Deutschland. HipHop in Reinform, ursprünglich und dicht plus jeder Menge funkiger Blaxploitation-Samples plus Soul en masse. Großartiger Film. (MS)

NuJazz

Jazzanova: Remixed

JCR/ PP Sales Forces — CD/ LP

23(!) Remixe und keinen Ausfall später denkt man nur noch: Wow! Sämtliche Produzenten verzückten die Originale scheinbar dermaßen, dass sie sich zu Höchstleistungen angetrieben haben. Hier wurden Sounds und Maschinen dermaßen gekonnt und beherrscht eingesetzt, dass man wirklich von Jazz sprechen kann. Ausgeklügelte Beats zwischen House, Nujazz und HipHop.

Downbeat

Tommy Guerrero: Soul Foods Taqueria

Mo’Wax/ Beggars/ Zomba — CD/ LP

Sämtliche Akkorde und Melodieverläufe des Ex-Profi-Skater vibrieren voller melancholischer Wehmut. In jedem Track spürt man einen von der Sonne San Franciscos gewärmten Blues, Jazz oder Funk. Während die LoFi-Beats zwischen HipHop- und Latin- Breaks wechseln, erlebt man ein unglaublich relaxtes Album, dass soviel Soul besitzt, dass ihn Tommy wohl bei seinen Sprüngen aus der Luft gepflückt hat. (MS)

Trance

Jamez: Dreamchasing

Future Groove/ Mute — CD/ LP

Dieser Holländer hat ein Gespür für unverschämt simplen, aber wirkungsvollen Trance. Mit wenigen cleveren Modulationen und House-Akkorden baut er klassische Tracks. Die geradlinigen Loops sind zwar nicht innovativ, dafür aber wirkungsvoll. Das hilft bei der Hypnose der Tänzer, ist schnörkellos und kein bisschen prollig. Ein paar mehr Technik-Tricks hätten das Album sicherlich aufgeppept. OK. (MS)

NuJazz

Micatone: Is You Is

Sonar Kollektiv/ PP Sales Forces

Bei Micatone entfremdet sich kein Element vom Anderen. Zusammenspiel als Formel führt einen durch ein geschmeidiges Album, dass gepflegtes Understatement beim Soundtuning betreibt. Neben digitalem Feingefühl, singt Lisa Bassenge gekonnt während ihre Kollegen in die Instrumente greifen. Lebendige House, Down- und Latinbeats für die Tanzfläche als auch den Lounge-Sessel. (MS)