Internet-Workshop (Teil 1)
Represent Yo'self! – Darstellungsplattform Internet

Das Internet ist der ideale Platz für Musiker und DJs sich selbst und sein Können zu präsentieren. Erstens besteht die Möglichkeit ein Millionen-Publikum weltweit zu erreichen, zweitens schafft das Web einen ideellen Ort für Kommunikation mit Fans und Freunden und drittens gibt es nirgendwo sonst eine so preiswerte Möglichkeit sich mit Bildern, Sounds und Texten darzustellen.

Wer darüber nachdenkt sich eine Künstler-Webseite zuzulegen sollte sich erst einmal Gedanken machen, ob sich diese überhaupt lohnt bzw. was man mit Ihr vor hat. Nichts ist enttäuschender und schlechter für das Image als wenn man auf eine Internet-Seite z.B. seines Lieblingslabel gerät, welche veraltet ist, keinerlei Mehrwert an Informationen bietet und obendrein noch Stunden lädt und das Modem blockiert. Vor allem solltet Ihr bedenken, dass eine Internet-Seite Zeit beansprucht, wie das neue Einsortieren der Platten in Euer Set.

Usability

Wer sich eine Homepage zulegt, sollte folgendes beachten: »Form follows Function«. Das bedeutet, dass in erster Linie die Funktionalität und nicht das Design zählt. Natürlich kann man sich mittels ausgeklügelter Optik darstellen und andere beeindrucken, aber zu aller erst wollen die Surfer wissen, wer Ihr seid. Dazu wollen sie durch Eure Playlists stöbern, MP3-Mixe downloaden, Eure Partydates abchecken und vielleicht ein positives Kommentar im Gästebuch hinterlassen.

HTML vs. FLASH

Die größte Reichweite bietet Euch dabei auch nach 10 Jahren WWW die Programmiersprache HTML, die mit ein wenig Engagement relativ einfach zu erlernen ist. HTML hat gegenüber Flash aber noch ein paar weitere ungemein wichtige Vorteile. Erstens können die Suchmaschinenroboter, auch Spider genannt, Flash nicht indizieren, also nach Inhalt durchsuchen. Das bedeutet Eure Webpage würde nicht bei Google und Konsorten aufgelistet, im besten Falle nur die Startseite. Zweitens können Eure Fans Unterseiten Eures Auftrittes nicht auf Ihren eigenen Seite verlinken, was auch wichtig für die Suchmaschineneinträge ist, da Eure Seite durch häufige Verlinkung in den Maschinen nach vorne aufrückt. Und last not least hat auch heute noch lange nicht jeder das Flash-Plugin und wenn vielleicht nur ein veraltetes.

HTML-Anleitung:

selfhtml.teamone.de

Von Blogs und CMS

Doch es geht auch ohne jegliches Wissen von HTML und das sogar in nur fünf Minuten und obendrein kostenlos. Denn seit ca. zwei Jahren boomt im Internet eine Idee ganz gewaltig, die des Weblogs. Weblogs oder auch liebevoll Blogs genannt, sind Miniredaktions-Systeme, mit deren Hilfe mittlerweile Millionen von Usern Ihre eigene Site auf dem laufenden halten ohne eine Ahnung von HTML zu haben. In der Regel sind es Tagebucheinträge, wachsende Link-Sammlungen oder Internet-Seiten, die sich einem Thema wie Filme, Gadgets oder Musik widmen. Doch man kann Blogs auch hervorragend zur eigenen Berichterstattung als DJ nutzen. Die eigenen Playlists, Termine und News sind innerhalb von Klicks aktualisiert und stehen sofort im Internet zur Verfügung. Wem der Gedanke einer einzigen Seite plus Archiv nicht gefällt, kann auch gleich mehrere Blogs einrichten und vernetzen oder benutzt ein kostenloses Redaktionssystem besser bekannt unter dem Titel »Content Management System« (kurz: CMS).

Blogger, Blogstudio oder Blog-City

Der große Erfolg der kostenlosen Weblog-Systeme basiert vor allem auf der Tatsache, dass man sie mit jedem x-beliebigen Browser von überall auf der Welt administrieren kann. Ob Ihr Euch nun für Blogger, Blogstudio, Blog-City oder einen der anderen Anbieter entscheidet, Ihr braucht nichts zu installieren und auch keinen Webspace solange Ihr Euch nicht an Bannern stößt. Von den Grundeigenschaften und Möglichkeiten ähneln sich die hier vorgestellten fast wie ein Ei dem anderen, nur das die Bedieneroberfläche sich teilweise stark unterscheidet. Am aufgeräumtesten wirkt sie immer noch bei Blogger, dem Veteran, der mittlerweile mehr als einer Million Blogs ein zuhause gibt und als Erster die User beglückte. Zwar ist die Datenbank, in welcher die Einträge gespeichert werden umsonst, jedoch kann sie nur mit Text gefüllt werden. Nur das Blogstudio bietet Euch ein bisschen Webspace (100kb), um wenigstens ein paar kleine Bilder zu präsentieren.

Der eigene Datenparkplatz

Wer aber eigene Soundloops und Party-Bilder auf seiner Seite präsentieren möchte, kommt an eigenem Webspace nicht vorbei. Der ist heute aber nicht mehr wirklich teuer. Eine eigene Internet-Adresse plus Emails mit 10 MB-Parkplatz für die eigenen Seiten bekommt Ihr schon nach einer Einrichtungsgebühr von um die 10 Euro und für ca. 3 Euro im Monat. Obendrein befreit man sich von lästiger Werbung. Die Weblog-Systeme kann man dann so konfigurieren, dass sie die Einträge auf den eigenen Webspace auslagern und direkt über Eure Internet-Adresse erreichbar sind.

Movable Type und Citydesk

Kostenlose Redaktions-Systeme:

www.movabletype.org www.fogcreek.com/citydesk

Zwei weitere kostenlosen Killerapplikationen sind Movable Type und Citydesk. Im Gegensatz zu Movable Type ist Citydesk ein Windowsdesktop-Programm. Citydesk speichert sämtliche Daten in einem File auf Eurer Festplatte. Der Vorteil dabei ist, dass Eure Seite dank Datenbank flexibel bleiben, aber nicht eine Server-Datenbank braucht im Internet braucht, da Citydesk mittels FTP die generierten HTML auf Eure Webspace schaufelt. Da ist Movable Type schon ein wenig teurer, weil man für die Perl-Scripte einen Server braucht plus MySQL-Datenbank. Dafür können jedoch die Besucher unter Einträgen Kommentare hinterlassen, kann man Freunden auch ein Weblog installieren und evtl. auch ein kleines aber feines Internet-Magazin starten. Beide Systeme benötigen aber Ihre Einarbeitungszeit und setzen ein gutes Können von HTML voraus, es sei denn man beschränkt sich auf die etwas öden mitgelieferten Schablonen oder findet selbst welche im Netz.

Der Masterplan

Genauso wie Ihr Euer DJ-Set vorbereitet, sollte auch ein Internet-Auftritt geplant sein. Vor allem die Informations-Architektur solltet Ihr Euch gut überlegen. Denn falls Ihr mal eine neue Rubrik einführen wollt, sollte gewährleistet sein, das Ihr nicht gleich das ganze Projekt umkrempeln müsst. Essentielle Rubriken wie News, Bio, Links, Termine, Booking bzw. Kontakt sollten unbedingt dabei sein. Außerdem könnt Ihr Euer Informationsangebot auch mit Playlists, Partybildern, Newsletter, Gästebuch, Plattenkritiken und eigenen MP3s oder Mixen (Vorsicht, Rechtsverletzung!) ausbauen. Trotz aller Euphorie solltet Ihr Euch stets immer ehrlich fragen: Was ist am wichtigsten? Was erwarte ich von einer DJ-Seite? Was will ich kommunizieren?

Ein guter Ausgangspunkt vor dem Start einer eigenen Künstler-Webpage ist deshalb der Besuch anderer DJ-Sites. Dort bekommt Ihr einen Geschmack, wie sich andere DJs darstellen. Eine kleine Analyse Eurerseits hilft Euch bestimmt gewaltig. Vor allem notiert Euch, was Euch selbst überhaupt nicht gefällt bzw. was Ihr gut findet und beachtet es bei Eurer Umsetzung.

Text: Moritz Sauer